Weiterbildung mit dem RVVL: «Im Fokus steht immer die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer»
Verkehrssicherheit Der LBA durfte die Fahrerweiterbildung des Rollstuhl-Fahrdienstes Region Lenzburg begleiten.
Der Verein Rollstuhl-Fahrdienst Region Lenzburg (VRRL) bietet Transportlösungen für Menschen mit Gehbehinderung. Regelmässig führt er Schulungen und Weiterbildungen für die Mannschaft durch – theoretisch und praktisch. Leiter des Fahrbereichs und Coach ist der pensionierte Verkehrsexperte Peter Koch. Er prüft die Fahrerinnen und Fahrer auf Herz und Nieren – oder in diesem Fall: auf Bremsdistanz und Schulterblick.
Schulung des «One Pedal Driving»: Vollelektrisch und up to date
Begonnen wird mit dem theoretischen Teil. «Wer hat hier Vortritt? Unter welchen Voraussetzungen dürfte diese Unfallstelle verändert werden? Nach diesem Schild darf man …?» Es sind Fragen, die alle motorisierten Verkehrsteilnehmer schon einmal beantwortet haben. Frühestens bei der Töffli-, spätestens bei der Autoprüfung. Und ehrlicherweise sind es ebendiese Fragestellungen, die die meisten nach ein paar Jahren auf der Strasse nicht mehr oder nur nach langem Nachdenken beantworten könnten. Die Fahrerinnen und Fahrer des VRRL müssen sich diesen jährlich stellen – zusätzlich zu den Einzelfahrchecks, die bis zum Alter von 65 Jahren jedes dritte Jahr, von 65 bis 70 Jahren alle zwei Jahre und ab 75 jährlich durchgeführt werden.
Sind die Fragen beantwortet, geht es in die Garage. Dort folgen Instruktionen zu Fahrzeug und Infrastruktur. Die gesamte Flotte des VRRL ist batterieelektrisch. «Das war anfänglich herausfordernd. Man konnte damals noch nicht überall das Auto aufladen», erinnert sich der Verkehrsexperte. Doch es habe sich gelohnt. «Unsere Fahrer und Kunden bevorzugen mittlerweile die Elektroautos.» Vereinspräsident Dominik Roth fügt hinzu: «Zudem haben sich die Betriebskosten der Fahrzeuge halbiert.»
Ab auf die Piste
Es geht am Schulungstag um die Sicherheit von Fahrgast, anderen Verkehrsteilnehmenden und dem Fahrer. «Es ist wichtig, dass wir stets auf dem neuesten Stand sind», erklärt Peter Koch. Es ist sonnig, die Verkehrslage ruhig. Ideale Bedingungen, um sich Zeit zu nehmen. Mit dem Experten im Auto ist neben dem Präsidenten auch der langjährige Fahrer Markus Fischer. «Seit 14 Jahren fahre ich für den VRRL», berichtet er. «Aber die Schulungen lohnen sich jedes Mal.»
Kaum im Auto beginnt Koch mit den Ausführungen. «Wenn ich mit den Leuten losfahre, erkläre ich alles, was mir durch den Kopf geht. Was passiert vor mir? Was hinter mir? Hat mich der Fussgänger gesehen? Hätte ein Velofahrer Platz neben mir?», erläutert er, während der Fahrt durch den Erlengut-Tunnel. Auf der Strecke vom Autobahnzubringer Lenzburg bis zum Shell Recharge in Othmarsingen, mit Zwischenstopp an der Raststätte, teilt er 23 verkehrsbezogene Überlegungen – ohne den Kontrollblick zu vergessen. Nach dem Laden an der Säule geht es weiter nach Hendschiken zur Gofast-Ladestation. Koch erklärt die Verkehrssituationen, weist auf Tücken, Fahrt- und Bremswege hin. Am Ziel angekommen wird nochmals durchgespielt, wie der Fahrgast ins Fahrzeug gelangt und gesichert wird. Gurte, Sicherheitswinde, Kopf- und Rückenstütze. Obschon das für die Fahrerinnen und Fahrer nichts Neues ist, will er es repetiert wissen, bevor die Fahrt zurück ins Zeughausareal nach Lenzburg geht. Dort angekommen, endet die praktische Schulung.
Nun geht es an die Auswertung der theoretischen Fragen. «Als ich mit den Prüfungen anfing, waren die Ergebnisse noch eher befriedigend. Durch die Wiederholungen fallen sie mittlerweile viel besser aus», berichtet Koch zufrieden. «Es geht am Ende immer um die Sicherheit aller Beteiligter.» Das beantwortet auch die Frage, warum der VRRL auf diesen Schulungen und Tests beharrt. Weder verlangt der Kanton danach noch der Bund. «Wir machen das für uns und die Fahrgäste», sagt Dominik Roth.







