Tommasini und Schützenmatte im Fokus
Infoveranstaltung Das Kulturhaus Tommasini soll umfangreich saniert und neu organisiert werden. Gleichzeitig stellte der Stadtammann an einer Infoveranstaltung eine dringend notwendige Lösung für die Mehrzweck- und Reithalle in der Schützenmatte vor.

Zwei Einwohnerratsvorlagen präsentierte Stadtammann Andreas Schmid an einem Infoanlass. Die erste Vorlage für die Verpflichtungskredite betrifft das Kulturhaus Tommasini. Dieses beschäftigt die Stadtpolitik seit Jahrzehnten. Immer wieder wurde die Sanierung hinausgeschoben. Inzwischen ist der Zustand des Gebäudes jedoch so, dass eine Erneuerung nicht länger aufgeschoben werden kann. Bereits 2023 hatte der Einwohnerrat einen Projektierungskredit für Umbau und Sanierung bewilligt. Das Vorprojekt zeigte jedoch eine Finanzierungslücke, die in der bisherigen Struktur nicht realisierbar war. Als Lösung schlägt der Stadtrat nun die Gründung einer Stiftung vor. Diese soll das Tommasini unentgeltlich übernehmen und sowohl Bau als auch Betrieb mitfinanzieren.
Räume neu denken: mehr Platz und mehr Möglichkeiten
Jugendarbeiter Urs Huber führte die Anwesenden durch die Räumlichkeiten im Erdgeschoss und wies auf das mögliche Potenzial hin: Die interne Werkstatt soll künftig zum neuen Hauptraum der Jugendarbeit werden. Geplant sind das Einziehen einer Decke, eigene WC-Anlagen und ein separater Eingang. Eine Spiegelwand für kulturelle Projekte, eine Jugendbar im Hauptraum und ein aufgewerteter Gamingraum schaffen zusätzliche Möglichkeiten. Der bisherige Hauptraum der Jugendarbeit wird für andere Nutzungen geöffnet.
Der Handlungsbedarf ist gross: Feuchtigkeit, Probleme mit der Heizung, defekte Türen und veraltete WC-Anlagen beeinträchtigen derzeit das Wohlbefinden der Jugendlichen. Durch den Bereich der Erwachsenenkultur im Obergeschoss führte Florian Kronenberger vom Verein Tommasini. Das Café bleibt unverändert. Massiv aufgewertet soll hingegen der Eventsaal für Konzerte und Partys werden.
Mehrstufiges Finanzierungskonzept
Die Umbaukosten belaufen sich auf rund 5,5 Millionen Franken. Davon sind bereits 1,6 Millionen Franken aus dem Swisslos-Fonds zugesichert, 3,2 Millionen Franken übernimmt die Einwohnergemeinde Lenzburg. Den verbleibenden Betrag soll die Stiftung über Fundraising beschaffen. Die Mittel für Betrieb und Unterhalt steigen von bislang 70000 auf künftig 375000 Franken pro Jahr. Die Stadt plant eine vierjährige Leistungsvereinbarung mit der Stiftung, in der Ziele und Mittelverwendung geregelt werden.
Neue Angebote, klarer Nutzen
Das Tommasini soll durch ein erweitertes Nutzungskonzept klar strukturiert werden: Für 10- bis 18-Jährige stehen zwei feste Jugendräume im Erdgeschoss zur Verfügung. Die städtische Jugendarbeit organisiert dort Betrieb, Nutzung und Vermietungen. Neu entstehen soll ein eigenes Kulturangebot für 18- bis 25-Jährige unter der Verantwortung der Stiftung. Der Verein Tommasini verantwortet neu einen eigens eingerichteten Kulturraum im Erdgeschoss. Ergänzend zum Programm von Tommasini kümmert sich die Betriebsleitung der Stiftung darum, den Saal und das Café im Obergeschoss mit zusätzlichen Anlässen zu bespielen. Künftig wirken damit drei Partner im Haus: die Stiftung, der Verein Tommasini und die Jugendarbeit. Über die nötigen Kredite, die Gründung der Stiftung und die Eigentumsübertragung entscheidet der Einwohnerrat am 12. März. Bei Zustimmung kommt die Vorlage im Juni vors Volk. Inbetriebnahme wäre dann 2029.
Halleninstandsetzung aus Sicherheitsgründen
Neben der Vorlage zur Zukunft des Tommasini präsentierte Andreas Schmid eine zweite Kreditvorlage: einen Verpflichtungskredit für die Mehrzweckhalle und die Reithalle. Die Einwohnergemeinde verfügt noch bis 2069 über einen Vertrag, der beschränkt ist auf die Nutzung der Reithalle, Militärunterkunft und Mehrzweckhalle. Seit einigen Jahren macht der Zustand der Hallen Handlungsbedarf deutlich. Ohne Instandsetzung sei nicht gewährleistet, dass die Aargauische Gebäudeversicherung die Sonderbewilligung für Veranstaltungen mit über 400 Personen weiterhin erteile. Konkret bestehen bauliche Mängel wie Feuchtigkeit in tragenden Elementen, wiederkehrender Wassereintritt im Dach sowie ein fehlender Blitzableiter, der aus statischen Gründen momentan nicht nachgerüstet werden kann. Der Stadtrat beantragt deshalb einen Kredit von 250000 Franken für eine rasche, gezielte Instandsetzung. Mit der beantragten Investition soll die Nutzung für rund fünf Jahre gesichert und Zeit für eine langfristige Lösung gewonnen werden – etwa eine Synergie mit der möglichen zukünftigen Dreifachturnhalle auf dem Areal.



