Lenzburg hat ein neues Bijou – das Wasserrad in der Bleiche dreht sich wieder

Bleiche Der Verein Industriekultur am Aabach hat das Wasserrad in der Bleiche instandgestellt. Der folgende Artikel erzählt die spannende Geschichte dazu. Das ist auch ein Blick zurück in die Lenzburger Geschichte!

Das Bleiche-Areal im neuen Glanz: Im hinteren Gebäudeteil, mit separatem Eingang, befinden sich Inforaum und Wasserrad!Foto: zvg

Das Bleiche-Areal im neuen Glanz: Im hinteren Gebäudeteil, mit separatem Eingang, befinden sich Inforaum und Wasserrad!Foto: zvg

So präsentiert sich des Hauptwehr nach dem Umbau, mit Wehrtafeln und Hubwellen!Foto: zvg

So präsentiert sich des Hauptwehr nach dem Umbau, mit Wehrtafeln und Hubwellen!Foto: zvg

So zeigte sich Klein-Venedig um 1900.  Vom 3-feldrigen Hauptwehr war allerdings nur noch der Querbalken vorhanden, Wehrtafeln, Tafelführungen und Hubwellen fehlten.Foto: zvg

So zeigte sich Klein-Venedig um 1900. Vom 3-feldrigen Hauptwehr war allerdings nur noch der Querbalken vorhanden, Wehrtafeln, Tafelführungen und Hubwellen fehlten.Foto: zvg

Der Inforaum steht der Schule und dem Verein zur Verfügung. Er kann aber auch über die Stadt für kleinere Anlässe gemietet werden. Foto: zvg

Der Inforaum steht der Schule und dem Verein zur Verfügung. Er kann aber auch über die Stadt für kleinere Anlässe gemietet werden. Foto: zvg

Die Teile sind bearbeitet zurück, mit einer speziellen Schutzschicht versehen, bereit zur Remontage. Foto: zvg

Die Teile sind bearbeitet zurück, mit einer speziellen Schutzschicht versehen, bereit zur Remontage. Foto: zvg

Remontage des Wasserrades , Schaufel um Schaufel kommt wieder an ihren Platz.Foto: zvg

Remontage des Wasserrades , Schaufel um Schaufel kommt wieder an ihren Platz.Foto: zvg

Die Demontage ist weit fortgeschritten, die Hauptwelle wird ausgebaut. Foto: zvg

Die Demontage ist weit fortgeschritten, die Hauptwelle wird ausgebaut. Foto: zvg

Alles bereit zum Test:  Wasserrad und Dosierschild sind in Position.Foto: zvg

Alles bereit zum Test: Wasserrad und Dosierschild sind in Position.Foto: zvg

Vom Wasserrad war nicht viel zu sehen. Hinter einem Bretterverschlag sind nur ein paar Schaufeln zu erkennen.  Foto:  zvg

Vom Wasserrad war nicht viel zu sehen. Hinter einem Bretterverschlag sind nur ein paar Schaufeln zu erkennen. Foto: zvg

Das Rad dreht sich wieder.Foto: zvg

Das Rad dreht sich wieder.Foto: zvg

Verein Industriekultur am Aabach

Im Aargau begann die Industrialisierung in unserer Region vor etwa 300 Jahren. Mit der Manufaktur-Ordnung von 1719 wollte die Berner Regierung die Industrialisierung in ihrem Untertanenland fördern. Die Familie Hünerwadel packte die Chance und erhielt 1732 finanzielle Unterstützung von der Berner Regierung. Damit unterstützte sie indirekt wohl auch den Bau eines ersten Wasserrades für die Bleiche.

In den folgenden 150 Jahren etablierte sich die Familie in der Textilbranche der Region. Mit ihrem Verlagswesen wurde Rohbaumwolle in Übersee eingekauft, zum Spinnen und Weben in Heimarbeit abgegeben und anschliessend zur Veredelung zurückgenommen. Diese Veredelung umfasste Bleichen, Rotfärben und Indienne-Druck. Viele Zeitzeugen der Tätigkeiten der Familie Hünerwadel in der Textilindustrie sind in Lenzburg und Umgebung noch heute sichtbar. Beispiele sind das Müllerhaus am Bleicherain, das ehemalige Handelshaus am Freischarenplatz, die Spinnerei in Niederlenz und das Areal Bleiche als Ursprung der Tätigkeiten.

Das Projekt Wasserrad wird konkret

Erste Ideen, das Wasserrad als wichtigen Zeitzeugen der frühen Industrialisierung zu erhalten, wälzte der Verein bereits 2015. Zwei Jahre später wurde das Projekt konkret. Ein grosszügiger Beitrag der Hypothekarbank Lenzburg anlässlich ihres 125-Jahr-Jubiläums brachte Schwung bei der Sponsorensuche. Gleichzeitig leistete am-Architektur Vermessungs- und Planungsarbeiten. Die baulichen Massnahmen rund um das Wasserrad wurden 2018 bewilligt.

In der Zwischenzeit erkannte die Stadt Lenzburg, dass sich die historisch wertvollen Gebäude der Bleiche bestens ins Schulareal integrieren lassen, und Schulraum war gesucht. Der Stadtrat beschloss, die Tagesstruktur ins Bleichegebäude zu integrieren. Das Sanierungs- und Nutzungskonzept musste mehrmals überarbeitet und ergänzt werden. Ende 2021 schliesslich stimmte nach dem Einwohnerrat auch die Bevölkerung dem Baukredit zu.

Professionelle Partner für die Instandstellung

Dank zeitlicher Nähe der beiden Vorhaben zur Sanierung des Gebäudes und des Wasserrads entstanden Synergien. Während die Stadt für die Gebäude zuständig zeichnete, lagen die Aufgaben rund um das Wasserrad beim Verein Industriekultur. Die Offerten für die Instandstellung von Wasserrad und Wehranlagen stammten noch aus dem Jahr 2018. Preisgarantien waren verflogen, die erneuerten Offerten waren mit revidierten Preisschildern versehen. Mit der Stadt wurde nun der bestehende Kostenteiler überarbeitet und den neuen Nutzungsbedingungen angepasst, sodass auch für den Verein wieder Klarheit über die zu erwartenden Gesamtkosten vorlagen.

Mit der Firma Gurtner Metallbau aus Buchs konnten wir einen idealen Partner für unsere Hauptgewerke gewinnen. Ein wichtiger Punkt war die Frage, ob das Wasserrad vor Ort saniert oder demontiert und in der Werkstatt aufgefrischt werden soll. Nach einigen Versuchen kamen wir mit Gurtner zum Schluss, die Variante Demontage zu wählen. Allerdings nicht ganz einfach mit 150-jährigen, verrosteten Schrauben! Aber dank effizienten Schlagschraubern gelang das Vorhaben.

Instandstellung des Wasserrades

Im März 2024 begannen dann endlich die Arbeiten. Seit unseren ersten Ideen waren mittlerweile fast zehn Jahre vergangen. Durchhalten war auf diesem Weg mehrmals angesagt!

Als Erstes musste der Zulaufkanal abgedichtet werden. Mit grossen Betonelementen konnte der Zufluss reduziert werden, aber an eine Trockenlegung war nicht zu denken. An vielen Stellen sickerte Wasser wieder in den Kanal. Dennoch konnten die Demontagearbeiten beginnen. Es entstand eine Unzahl von Einzelteilen wie Zahnräder, Kegelräder, Zahnstangen, Schneckenräder, Radschaufeln und zuletzt die Hauptwelle. Alles wurde im Hof ausgelegt, Gruppe für Gruppe separiert und fotografiert. Anschliessend wurden die Teile in die Werkstatt transportiert und einzeln revidiert. Bei der Oberflächenbehandlung war das Knowhow der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee sehr willkommen. Im Oktober 2024 konnte die Remontage in Angriff genommen werden.

Arbeiten an der Wehranlage

Vom Hauptwehr quer über den Aabach war nur noch ein Stahlträger vorhanden, die Wehrtafeln und Führungen fehlten komplett, auch die Hubwellen fehlten bis auf die Lagerböcke. Im Frühjahr 2025 waren auch die Wehre wieder instandgestellt. Neue Führungen wurden im Aabach verankert, ein neuer Steg montiert, die Wehrtafeln inklusive der Hubwellen angebracht und ein schützender Zaun montiert.

Einweihung und Inbetriebnahme des Wasserrades

Die Stadt Lenzburg, die Tagesschule und unser Verein Industriekultur am Aabach luden Anfang September 2025 zum Einweihungsfest. Nach einem Auftakt mit den Behörden waren Eltern, Kinder und alle Einwohner der Stadt zur Feier eingeladen. Unser Verein konnte Inforaum, Wasserrad und Wehranlage Interessierten 1 unseren Sponsoren präsentieren und erklären. Ein gediegenes Fest zum Abschluss der Renovation der Bleichegebäude, der Instandstellung von Wasserrad und Wehranlage und ein fröhlicher Auftakt in die Zukunft. Fortan werden Wasserrad und Zahnräder immer mal wieder drehen und rattern und die Erinnerung an unsere industriekulturelle Geschichte lebendig halten.

(Verein Industriekultur am Aabach)

 

Wer wir sind Der Verein Industriekultur am Aabach fördert das Verständnis für Industriekultur und bietet verschiedene Führungen entlang des Aabachs zum Thema Industriekultur an. Gerne können Sie mit uns Kontakt aufnehmen, wir finden sicher ein spannendes Thema. Ein gutes Beispiel ist das Poncelet-Wasserrad in der Bleiche! Seit zehn Jahren arbeiteten wir daran, dieses Wasserrad instandzustellen. Die Stadt Lenzburg hat die Bleichegebäude für die Tagesstrukturen der Schule saniert, und wir haben das Wasserrad wieder zum Leben erweckt.

Website: www.industriekultur-aabach.ch Kontakt: info@industriekultur-aabach.ch

Gut zu wissen

Das Poncelet-Wasserrad ist ein Vorläufer der Turbinen. Das Dosierschild beschleunigt das Wasser, damit kann die kinetische Energie zusätzlich genutzt werden. Rechts sieht man die Demontage und Remontage des Wasserrads.

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