Salzkorn: Notorische Verlierer

Fritz Thut
Fritz Thut

Der Sommer hält, was er verspricht. Und manchmal noch viel mehr. Gemeint ist natürlich nicht der meteorologische Sommer, der bisher eher zum Abgewöhnen war. Nein, es geht um Yann Sommer, den Goalie der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, der Wesentliches zur Viertelfinalqualifikation an der Euro beigetragen hat.

Yann Sommer war während des Viertelfinals gegen Spanien im russischen Sankt Petersburg drauf und dran, zum unsterblichen Helden zu werden. Mit mirakulösen Paraden rettete er das Schweizer Team in die Verlängerung und hielt auch dort seinen Kasten rein. Wie gegen Weltmeister Frankreich hatte die Schweiz die Chance, über einen Sieg im Penaltyschiessen eine Runde weiter, in den Halbfinal, zu kommen.

Nachdem mit Fabian Schär erstmals ein Schweizer im Penaltyschiessen patzte, hielt Sommer den Elfmeter des Spaniers Rodri und damit die Nationalmannschaft im Spiel. Sommers Teamkollege Manuel Akanji schnappte sich den Ball und schritt gemächlich zum Penaltypunkt. Der Fernsehregie liess er so genug Zeit, einen Schnitt ins Publikum, zu den mitgereisten Schweizer Fans, zu ermöglichen. Ein fataler Fehler, wie sich wenig später weisen sollte.

Über die europäischen Fernsehschirme flimmerte während weniger Sekunden neben vielen Schweizer Fahnen auch eine Lenzburger Flagge. Neben dem blauen Punkt auf weissem Grund, den aufmerksame Sportfans schon während des Achtelfinalmatchs gegen Frankreich in Bukarest erspäht hatten, stand diesmal – deutlich sichtbar – der Schriftzug «Honolulu».

Der Name der hawaiianischen Hauptstadt ist der Schlachtruf der Lenzburger Freischaren. Und die Freischaren – gerade diese Woche wieder im Einsatz – zeichnen bei ihren Manövern nicht nur schöne Bilder in die Landschaft, sondern sind für etwas bekannt: als notorische Verlierer. Der Rest ist Geschichte. Nach der «Honolulu»-Einblendung brachten die Schweizer keinen Penalty mehr am spanischen Goalie vorbei und schieden aus.

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