Krankheitsdrama in Theaterkomödie

Beim Lied «Jede Zelle meines Körpers ist glücklich» gab es kein Halten mehr.Foto: DHu

Kultur Patti Baslers Molière-Adaption «Die eingebildete Krankenkasse» feiert am 30. Mai ihre Premiere im Traitafina-Turnzentrum. Beim exklusiven Einblick in die Proben des Landschaftstheaters Lenzburg wurde deutlich, dass die Jubiläumsproduktion von Wortspielen und Lachmomenten lebt.

40 Bewerbende aus ganz Europa haben sich als Regie führende Personen mit einem Konzept gemeldet. Genommen wurde Livio Beyeler aus Zürich. Beyeler kam mit der Idee, Molières «Der eingebildete Kranke» auf die heutige Zeit anzupassen. Dies setzte Patti Basler mit Freude um und blieb dabei dem Original auf ihre eigene Weise treu.

Zum 25-Jahr-Jubiläum wählte das Landschaftstheater eine neue Herangehensweise. Bisher wurden die Stücke oftmals mit den Schauspielenden zusammen konzipiert, dieses Mal wurde der Vorschlag des Regisseurs direkt umgesetzt. Dabei legte das Landschaftstheater Gesundheit als Grundthema fest, um die aktuelle Ausstellung vom Stapferhaus aufzugreifen. Die satirische Komödie trumpft mit lokalem Bezug. Man habe von Glück reden können, dass Patti Basler selbst Aargauerin ist und sich somit in der Region rund ums Turnzentrum bereits auskannte. So wurden auch nahegelegene Orte wie der McDonald’s miteinbezogen und alles, was Lenzburg ausmacht, etwa die Freischärler.

Kranke Firma statt kranker Mann

CEO der Krankenkasse «LenzoSana» Marianne Wille glaubt, dass der Firmenkörper krankt. Dabei hat die IT-Spezialistin den vollen Überblick und programmiert den sprechenden KI-Roboter «Lenzobot». Dieser spielt durch das ganze Stück hindurch eine wichtige Rolle und gibt gerne auch ein paar Daten zu viel preis – ganz zum Leidwesen der Mitarbeitenden. Mit in die Vorstellung eingebunden wird auch das Turnzentrum mitsamt seinen Geräten. Die Firmentagung findet folglich in einem überbuchten Turnzentrum statt. Auch das Publikum wird als Versicherungsnehmende in die Konferenz involviert. Schon beim Buchen der Theatertickets stösst man auf die Krankenkassen-typischen Klassenkategorien.

«Überzeichnete Charaktere in einer überdrehten Krankenkasse»

Seit fünf Monaten probt das 17-köpfige Ensemble jeden Dienstagabend. Der Probebesuch im Saal der Rudolf-Steiner-Schule Lenzburg vermittelte einen ersten Eindruck von der verzwickten Situation innerhalb der Krankenkasse. Der ständige Optimierungswahn und die Abhängigkeit von Fitness-Apps führten dazu, dass die Künstliche Intelligenz alle Daten der Mitarbeitenden gesammelt hatte. Für die Datenauswertung kommen nun alle Mitarbeitenden zu einer Tagung zusammen. Vor Ort soll die Krankenkasse von verschiedenen Coaches optimiert werden. Die Überspitzung der Charaktere – wovon das Stück lebt – sorgt für Lacher. «Menschen, mit denen man nicht unbedingt essen gehen möchte», so der Regisseur. Neben der Homöopathin würden auch Schulmediziner und andere Experten kommen, welche ihre Rettung zu Geld machen wollen. Doch die vermeintliche Lösung bleibt aussen vor.

In einer der geprobten Szenen durfte Florence Schüsseli ihr Glück versuchen. Die Homöopathin brachte ihre Liebe zu Schüsslersalz in einer irrwitzigen Weise an die Mitarbeitenden. In einem Kreis warfen sich dabei die Mitarbeitenden nacheinander einen improvisierten Ball zu. Wer am Ball war, durfte seine Probleme kundtun. Neben den Finanzen waren auch die Kaffeemaschine und das Stillen ein grosses Thema. Dabei fielen Kommentare wie: «Andere Eltern geben sich die Kugel, ich gebe meinen Kindern ein Kügeli.» Schüsseli ergänzte: «Schüsslersalz ist das Salz der Erde – streut Salz und Globuli in eure Mitte und spürt, wie jede Zelle im Körper glücklicher wird.» Natürlich durfte dann eine ausgiebige Gesangs- und Tanzeinlage zum Lied «Jede Zelle meines Körpers ist glücklich» nicht fehlen. Auch Regisseur Livio Beyeler liess sich davon mitreissen.

Gemäss Beyeler stellte die grösste Herausforderung des Projektes die grosse Nachfrage von Theaterschauspielenden dar – und die damit verbundenen zusätzlichen Rollen, die geschaffen werden mussten. Gerechnet habe er mit sieben bis zehn Personen, schlussendlich waren es siebzehn. Der Vorverkauf laufe sehr gut, so wurden noch drei Zusatzvorstellungen zu den bestehenden neun Vorstellungen dazuorganisiert. Tickets können auf der Website des Landschaftstheaters ergattert werden. Dort könne man sich auch gerne als Helferin und Helfer melden – denn gemäss Landschaftstheater-Präsident Rafael Enzler könne noch Unterstützung bei Ton und Licht gebraucht werden. (DHu)

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