«Es hat mir immer Spass gemacht»

Porträt Bald wird Daniel Mosimann die politischen Schlüssel des Rathauses an Andreas Schmid übergeben. Nach 30 Jahren in der Politik ist für ihn Schluss.

Ein Leben in politischen Diensten: Daniel Mosimann wird auf Ende Jahr die Politik verlassen. Foto: Andrea Zahler / CH Media
Ein Leben in politischen Diensten: Daniel Mosimann wird auf Ende Jahr die Politik verlassen. Foto: Andrea Zahler / CH Media

Daniel Mosimann gehörte nie zu den Gauloises-rauchenden Rebellen der frühen SP-Generation. Und doch darf man ihn wohl noch der «alten Garde» jener Sozialdemokraten zurechnen, über die heute höchstens noch an Stammtischen in städtischen Beizen erzählt wird. Nach über dreissig Jahren in der Politik gibt er auf Ende Jahr die Zügel aus der Hand – «in gute Hände», wie er betont. Für Lenzburg sieht er eine florierende Zukunft. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass man sich in Stadtrat und Parlament auf jene Stärken besinne, die für ihn zentral sind: «Es sind unsere Vielfalt und die Fähigkeit, bis zum Schluss zu streiten.» Der «Schluss» sei dabei stets eine tragfähige Lösung.

Grosse Freude, «bitzli» Schwermut

Mit welchen Gefühlen verlässt ein alteingesessener Politiker die Bühne, die so viel Raum in seinem Leben eingenommen hat? «Mit viel Freude, aber auch ein wenig Wehmut», sagt er knapp. Dennoch mache ihm die Arbeit bis zur letzten Minute Spass. «Die Tätigkeit als Stadtammann hat mir immer grosse Freude bereitet. Die Sachgeschäfte waren stets spannend und interessant – auch wenn man ein dickes Fell braucht», räumt er ein.

Wenn er den heutigen Daniel mit demjenigen von vor 30 Jahren vergleiche, merke er, wie sehr ihn das politische Wirken geprägt habe. «Ich bin heute wohl um einiges resilienter. Ich habe gelernt, mich auf den Prozess zu verlassen. Man ist schlecht beraten mit der Idee, man gehe in die Politik und führe schlagartige Veränderungen herbei.» Es brauche Geduld: «Die Mühlen mahlen langsam, aber unaufhörlich.»

Die Stadt soll noch attraktiver werden

Oft hört man in Lenzburg die Kritik, die Stadt wachse willkürlich. Diesen Vorwurf weist Mosimann zurück – ebenso die Behauptung, Lenzburg sei bloss Schlafstadt und der Lebensmittelpunkt der hier wohnenden Menschen liege anderswo. «Es ist nicht gerecht, jede Veränderung, die einem nicht gefällt, den ‹Zugezogenen› anzulasten. Diese Menschen brauchen wir genauso wie die Alteingesessenen.» Auch er sei einst ein Zuzüger gewesen.

Spannender findet er ohnehin eine andere Facette der Stadt, über die jedoch seltener gesprochen werde: «Lenzburg hat bei rund 11300 Einwohnerinnen und Einwohnern gut 9600 Arbeitsplätze, ein ausgewogenes Verhältnis, das bei weiterem Wachstum berücksichtigt werden muss. Die Stadt befindet sich weiterhin in Entwicklung.»

Schule, Verkehr und Stadtentwicklung

Wie sieht diese Entwicklung konkret aus? Die Aargauer Gemeinden eint vor allem eines: Die Herausforderungen ähneln sich – Schulraum, bevorstehende Altersfragen und Mobilität. «Velo, ÖV, Autos: Lenzburg muss diese Herausforderungen meistern», sagt Mosimann. Es gebe jedoch keinen Zaubertrick dafür. Gleiches gelte für den Schulraum. Beim grössten demografischen Wandel unserer Zeit, der Überalterung, stehe man noch ganz am Anfang. «Hier wird es viel Arbeit brauchen.»

Zudem würden Altersfragen künftig mehr politischen Raum einnehmen, genauso wie die klimatischen Veränderungen. Als Präsident der Standortförderung Lebensraum Lenzburg-Seetal (LLS) habe er ein besonderes Augenmerk darauf gelegt. «Hier müssen die Gemeinden und die Standortförderung wieder enger zusammenarbeiten. Zur Gründung war viel Feuer vorhanden – dieses muss zurückkehren.» Eine bessere regionale Vernetzung sei unabdingbar.

Grosse Freude an den letzten Erfolgen

Die vergangenen Jahre seien für die Stadt gut gewesen, sagt der scheidende Stadtammann. Besonders der Kauf des ABB-Areals sei zukunftsweisend. Das Museum Burghalde und das Stapferhaus, zusammen mit dem Schloss, empfindet er als zentrale Identitätspunkte der Kleinstadt. Auch die neue BNO wertet er als wichtigen Schritt. Die Bildung, die ihm als ehemaliger Lehrer und Schulleiter wohl besonders nahesteht, bezeichnet er als städtisches Juwel: «Die Berufsschule und die Regionalschule sind wirklich stark unterwegs.» Eine Kantonsschule würde die Bildungslandschaft zusätzlich ergänzen – auf diese freue er sich.

Als Erstes aber freut er sich nun auf den kommenden Ruhestand. Pflastersteine wolle er auch dann keine werfen. Und Fisherman’s ziehe er den Gauloises vor. Dafür wolle er wieder vermehrt Ski fahren und sich der Literatur widmen. «Und ich werde die Kulturgesellschaft Bezirk Lenzburg präsidieren», verrät er. «Dem Stiftungsrat der Stiftung Netz werde ich ebenfalls beiwohnen.»

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