Die Rückkehr der Rothirsche

Region Eindrückliche Aufnahmen einer Wildtierkamera der Jagdgesellschaft Lenzhard zeigen einen jungen Hirschstier im Gebiet «Zelgli» in Staufen. Nachdem die Tiere lange Zeit als ausgerottet galten, kehren sie in die Region zurück.

Seltener Schnappschuss der Wildtierkamera: Ein junger Rothirsch auf der Pirsch in der Region. Foto: zvg
Seltener Schnappschuss der Wildtierkamera: Ein junger Rothirsch auf der Pirsch in der Region. Foto: zvg

Der Lenzia-Forst hat Zuwachs erhalten: Aufnahmen einer Wildtierkamera der Jagdgesellschaft Lenzhard zeigen einen jungen Hirschstier beim Gebiet «Zelgli» in Staufen. Das Bemerkenswerte daran: Der Rothirsch tappte ausgerechnet in einem kleinen, von Fussgängern und Hunden hoch frequentierten Waldteil in die Fotofalle.

«Der Hirschstier musste sich regelrecht durch die Zivilisation schlängeln, um da hinzukommen», vermutet Oberförster Matthias Ott und ergänzt: «Da hätte ich den Hirschen als Allerletztes erwartet.»

Hirsche zurück im Mittelland

In der Region Lenzburg streifen seit wenigen Jahren wieder Rothirsche durch die Wälder. Dies, nachdem der Hirsch in unserer Region vor rund 200 Jahren verschwunden war. «Womöglich führten die Hungersnöte im 18. Jahrhundert dazu, dass die Hirsche durch eine übermässige Bejagung ausgerottet wurden», vermutet Ott.

Und der Oberförster fügt hinzu: «Spätestens als um die Jahrhundertwende in der Helvetik das Jagdprivileg aufgehoben wurde und alle jagen durften, war es bei uns mit den Hirschen vorbei.»

Auch Rehe gab es damals keine mehr. Mittlerweile, so der Förster, gebe es aber wieder einen grossen Rehbestand im Lenzburger Forst. Der Rothirsch dagegen sei noch eine Seltenheit.

«Der Hirsch breitet sich in unserem Forstrevier erst langsam aus. Jäger berichten mir immer wieder von vereinzelten Sichtungen.» Wahrscheinlich, so mutmasst der Förster, kommen die Hirsche aus der Region Baden und übers See-, Wynen- und Suhretal in die Region Lenzburg. Hier dürften sich die Tiere vor allem in grossen, zusammenhängenden Waldstücken rund um Ammerswil wohlfühlen.

Zu viele Hirsche machen Probleme

Trotz der erfreulichen Nachricht über die Rückkehr des Rothirsches: Ott und seine Berufskollegen sehen der Rückkehr der Tiere mit gemischten Gefühlen entgegen, da es zu Nutzungskonflikten mit der Land- und Forstwirtschaft kommen könnte.

Einerseits sei es erfreulich, dass mit dem Hirsch ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems in den Wald zurückkehre. Andererseits könnten im Lenzia-Forst ähnliche Probleme mit der Waldverjüngung auftreten wie in anderen Gebieten, wo der Hirsch bereits etabliert ist.

«Hirsche sind bis zu zehnmal so schwer wie Rehe und fressen auch das Zehnfache. Wo es zu viele Hirsche hat, wird die Verjüngung des Waldes erschwert», erläutert Ott. Dann habe, so der Förster, spätestens die nächste Generation ein Problem mit dem Wald.

Hirsch oder Reh?

Unterschied Hirsche und Rehe gehören biologisch gesehen zur gleichen Familie, der Familie der Hirsche. Mehr haben sie aber auch schon nicht mehr gemeinsam. Ein ausgewachsener Hirsch kann bis zu zehnmal so schwer und doppelt so gross sein wie ein Reh. Der Hirsch besitzt ausserdem ein viel grösseres Geweih als der Rehbock.(rsc)

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