Ciao Svizzera: 2500 Kilometer zu Fuss nach Santiago

Marcel Strebel auf der Nummer drei: Auch dieses Jahr zieht es ihn in die Ferne.Foto: zvg
Marcel Strebel auf der Nummer drei: Auch dieses Jahr zieht es ihn in die Ferne.Foto: zvg

Porträt Am 11. Juli verabschiedet sich Einwohnerrat, Stadtmusikant und Freischar Marcel Strebel für 16 Wochen in die Ferien. Von Lenzburg aus will er auf den Jakobsweg und 2500 Kilometer später die Kathedrale von Santiago de Compostela in Spanien erreichen.

Das Wandern ist des Müllers Lust: Marcel Strebel aus Lenzburg ist zwar kein Weissmehlproduzent, aber Freude am Trekking hat er trotzdem. Und zwar so fest, dass er sich bereits zum fünften Mal aus Lenzburg für eine längere Wanderzeit verabschiedet. «Die ersten zwei Male war ich allein. Nummer drei und vier waren mit meiner Frau und nun bin es wieder nur ich», erklärt er.

Erfahrung schult

Da es für Marcel Strebel nicht das erste Mal ist, läge die Annahme nahe, er sei nicht mehr aufgeregt. Doch er relativiert: «Es ist das erste Mal, dass ich den gesamten Weg abwandere.» Zudem könne immer etwas passieren. «Ich will das durchziehen. Aber sicher ist man sich nie.» Beim Gepäck wird sich Strebel auf das Nötigste konzentrieren: «In der Regel nimmt man viel zu viel mit.» Er beschränkt sich auf einen Rucksack, Wanderstöcke und Hygieneprodukte. Das wichtigste Gut sei sowieso der Kopf: «So lange zu gehen, ist wie Therapie. Man senkt den Kopf und ‹grindet› sich durch.» Was genau in einem passiert während dieser langen Wanderungen, ist für ihn schwer zu beschreiben. «Man findet zu sich selbst. Man merkt, wie wenig man eigentlich braucht, um zufrieden zu sein. Man findet Frieden.» Zum ersten Mal auf längere Wanderschaft ging Marcel Strebel nach einem Todesfall innerhalb der Familie. «Das hat mir unglaublich geholfen», erinnert er sich.

Fünfte Tour, neue Herausforderung

Obschon er sich erst ohne Wegbegleiter auf den Weg macht, weiss er, dass das nicht lange so bleiben wird: «Man begegnet Menschen, hilft sich gegenseitig und tauscht sich aus. Alle Menschen auf dem Jakobsweg sind gleich.» Er meint die anderen Wanderer. «Make-up verschwindet, Deo ist gerne mal Mangelware. In der Regel schläft man zudem in denselben Unterkünften oder draussen.» Allen gehe es gleich: «Laufen, essen, Hygiene und schlafen» seien die einzigen Dinge, die zählten. Und für die Figur sei so eine Wanderschaft ebenso gut, scherzt Strebel: «Erst baut man ab, dann um.»(rfb)

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