Wie weit reicht das Seetal?

Die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung hat den 91. Jahrgang der «Heimatkunde aus dem Seetal» publiziert. Der Hauptartikel ist der Definition des Begriffs «Seetal» gewidmet.

Ein Wahrzeichen des Seetals: Titelseite 2018 der «Heimatkunde aus dem Seetal» mit dem «Seetalkrokodil». Foto: zvg
Ein Wahrzeichen des Seetals: Titelseite 2018 der «Heimatkunde aus dem Seetal» mit dem «Seetalkrokodil». Foto: zvg

Der Name Seetal ist keine politische Bezeichnung. Es ist zwar bekannt, wo sich diese Gegend befindet, aber die Grenzen sind umstritten. Wie weit reicht das Seetal? Dieser Frage geht das Historiker-Ehepaar Gertrud und Paul Wyrsch-Ineichen auf den Grund.

In (kunst-)historischen und geografischen Fachwerken fristet die Gegend am Baldegger- und Hallwilersee eine Existenz zwischen Nichtbeachtung und Randbemerkung. Die geografisch geprägte Definition des Seetals als Einzugsgebiet der beiden Seen vermag nicht zu überzeugen. Die Autoren liefern deshalb eine andere Definition.

Seetalbahn als Klammer

Politisch gehört die Gegend zu zwei Kantonen. Luzern fasste im Amt Hochdorf nicht nur alle Seetalgemeinden zusammen, sondern verlängerte das Tal bis zur Reuss. Im Kanton Aargau gehört die Region am Hallwilersee zum Bezirk Lenzburg, einige Gemeinden aber auch zu Kulm, Muri und Bremgarten.

Eine identitätsstiftende Funktion hat(te) sicher die Seetalbahn, deren alte Zeugen (Dampflokomotive Beinwyl, Seetalkrokodil) durch den Verein Historische Seethalbahn gepflegt werden. Anhand der Mitgliederliste der Historischen Vereinigung Seetal wird ersichtlich, wo sich die Leute am meisten mit dem Seetal identifizieren. Schliesslich zeigen die heutigen Zweckverbände der Gemeinden die aktuellen Probleme auf. Im Aargau wurde der Name Lenzburg Seetal gewählt, im Kanton Luzern fühlen sich Ballwil und Eschenbach zwischen dem Hauptort Hochdorf und Luzern hin und her gerissen.

Doch der Name «Seetal» hat auch ohne amtliche Anerkennung eine erstaunliche Vitalität bewiesen. Er taucht als imposanter Seetalplatz und als Strassenbezeichnung überall auf und wird von Seetaltourismus, als Firmenname, Brattig-Titel und bei Ritterspielen gern verwendet.

Hugenotten-Familie

In seinem ausführlichen und reich bebilderten Beitrag über die Hugenotten-Familie Brutel de la Rivière von Schafisheim dokumentiert Werner Hausmann den erstaunlichen Aufstieg dieser um 1685 aus Südfrankreich geflüchteten Calvinisten: Erfolg im Textilbereich, Übernahme der Herrschaft Schafisheim und Erbauer von drei herrschaftlichen Wohngebäuden.

Der Untergang der Alten Eidgenossenschaft wirkte sich für diese Kleinadeligen unvorteilhaft aus. Der Autor schildert die Brutels auch bei ihrem wirtschaftlichen Abstieg im 19. Jahrhundert bis zum Erlöschen des Schafisheimer-Zweiges in neuerer Zeit.

Seengen und seine Restaurants

Seengen war im Kanton Aargau bekannt als Dorf mit der grössten Restaurant-Dichte. Yvonne Fischer und Max Hächler beantworteten die Frage «Wo die Seenger früher ihren Durst löschten – Eine Erinnerung an die einstigen Gasthäuser von Seengen». Neben vielen nur den Einheimischen bekannten Eigengewächswirtschaften, Pinten und Cafés ist das leider immer noch «schlafende» Schlosshotel Brestenberg allen Seetalern ein Begriff.

Zur Beruhigung der Lokaltouristen darf aber angefügt werden: Es gibt auch heute in Seengen einige Gasthäuser, wo der Durst gelöscht und der Hunger gestillt werden können. Der Artikel ist ein interessanter Streifzug durch das Dorfleben des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Historische Vereinigung Seetal pflegt das kulturelle Erbe mit der Jahresschrift, Anlässen wie der Kulturwerkstatt und Referaten. Sie ist über die Bezirks- und Kantonsgrenzen hinweg eine Brückenbauerin im Seetal. Im Internet unter www.hvseetal.ch.(dhu)

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