Wenn Kerzen leuchten und Kinderaugen funkeln

Nach dem Umzug versammelten sich alle auf dem Schulhausplatz um das Feuer und sangen Lieder.Foto: Andreas Walker

Nach dem Umzug versammelten sich alle auf dem Schulhausplatz um das Feuer und sangen Lieder.Foto: Andreas Walker

Die Kinder der 5. und 6. Klasse durften die Fackeln tragen und führten die Gruppe an.Foto: Andreas Walker

Die Kinder der 5. und 6. Klasse durften die Fackeln tragen und führten die Gruppe an.Foto: Andreas Walker

Hallwil In Hallwil fand am 11. November der alljährliche Räbeliechtliumzug statt. Eine Prozession von 84 Kindern mit Fackeln und Räbeliechtli verbreitete eine märchenhafte Stimmung.

Die ungewöhnlich warmen Temperaturen des Martinisommers am Abend des 11. November deuteten nicht darauf hin, dass der Winter vor der Tür steht. Trotzdem spazierten die Kinder singend durchs Dorf und riefen immer wieder lautstark: «Hu Haubu hu, de Wenter konnt im Nu!» Im Dunkeln breitete sich eine bedächtige Stimmung aus, als die Prozession der 84 Schulkinder mit ihren Räbeliechtli wie Sterne in der Dunkelheit erschien.

Die Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse schnitzten die traditionellen Räbeliechtli. Dabei durften die Kinder der 5. und 6. Klasse die Fackeln tragen und führten die Gruppe an. Im Schlepptau folgten die Kleineren mit ihren Räbeliechtli, die in der Dunkelheit wie ein Sternenmeer leuchteten.

Schliesslich versammelten sich am Ende des Umzugs alle auf dem Schulhausplatz um ein Feuer und sangen Lieder. Dabei durfte das traditionelle Lied «Räbeliechtli – wo gahsch hii?» nicht fehlen. Und so ertönte es dann aus dem Kinderchor: «Rääbeliechtli, Räbeliechtli, wo gahsch hii? I die tunkle Nacht, ohni Sterneschy. Da mues mys Liechtli sy.» Nach dem Singen der Lieder konnte man sich verpflegen. Der Verein Kinder in Hallwil sorgte dabei für die Verköstigung.

Räbeliechtli, Martinstag und Thanksgiving

Zurzeit finden an vielen Orten die Räbeliechtliumzüge statt. Der alemannische Brauch mit den Räbeliechtli hat wahrscheinlich seinen Ursprung in einem bäuerlichen Dankopfer für das Einbringen der letzten Feldfrüchte vor dem nahenden Winter.

Der Räbeliechltiumzug findet zeitnah mit dem Martinstag und dem Erntedankfest, dem amerikanischen Thanksgiving, statt. Dieses Jahr war der Termin sogar exakt am Martinstag. Der Martinstag am 11. November erinnert an den zum Heiligen erklärten Bischof Martin von Tours und hat vor allem zwei Bedeutungen. Einerseits steht er für Wohltätigkeit und Barmherzigkeit, weil der heilige Martin seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Zudem ist dieser Tag ein traditionelles Fest zum Ende der Erntezeit, das mit Laternenumzügen, Martinssingen und dem Martinigansessen gefeiert wird.

Bereits die Römer und Kelten kannten die Räbeliechtli in der dunklen Jahreszeit. Dabei wurden schaurige Gesichter in die Räbe geschnitzt, um die Geister der Toten zu vertreiben. (AW)

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