Seengen geht es gut: Ein operatives Plus und 10 Millionen Steuerertrag
«Wir haben Erfreuliches zu berichten.» Seengens Gemeindeammann Jörg Bruder und seine beiden Finanzabteilungsleiter informierten über den Rechnungsabschluss 2016.
Alle jammern stets über zu wenig Geld. Private, Firmen und Gemeinden. Doch eine Ausnahme gibt es offensichtlich. Die Einwohnergemeinde Seengen präsentierte den Medien im Gemeindehaus eine rundum erfreuliche Rechnung für das letzte Jahr.
Erstmals, seit das neue harmonisierte Rechnungsmodell 2 angewandt wird, verzeichnet die Hallwilerseegemeinde ein positives operatives Ergebnis: Statt wie im Budget erwartet ein Defizit von rund 600000 Franken, weist die Rechnung einen Gewinn von fast der gleichen Höhe aus. «Wir blieben von negativen Überraschungen im letzten Jahr weitgehend verschont», so Finanzverwalter Beat Rölli vor der Presse. Das Gesamtergebnis liegt mit 1,7 Mio. Franken fast 1,2 Mio. über dem Voranschlag.
Mit diesem «dicken Plus» (Rölli) konnte ein Cashflow von 2,4 Mio. erwirtschaftet werden. Diese hohe Selbstfinanzierung konnte zur Reduktion der Fremdschulden verwendet werden. Die Nettoschuld bei der Einwohnergemeinde (ohne die Eigenwirtschaftsbetriebe) sank auf gesamthaft 1,25 Mio. oder 322 Franken pro Einwohner.
Sprung bei Einkommenssteuern
Zu einem grossen Teil verdankt Seengen die guten Zahlen einer wieder besser sprudelnden Geldquelle: Der gesamte Steuerertrag übertraf im letzten Jahr die 10-Millionen-Marke und lag mit 10,5 Mio. um 624000 Franken oder 6,3 Prozent über dem budgetierten Soll. Auch hier brachen die Aktiensteuern (minus 18 Prozent) und die schwierig zu prognostizierenden Quellensteuern (minus 38 Prozent) massiv ein, doch ein Sprung bei den Einkommens- und Vermögenssteuern um 9,4 Prozent machten diese Einbussen mehr als wett.
Bei den Einkommenssteuern konnte ein Trend gebrochen werden: «Wir haben nun den Rückgang aufgefangen», so Steueramtsvorsteher Martin Suter. Langsam, aber stetig war dieser Bereich bis ins Jahr 2015 zurückgegangen – und dies trotz Bevölkerungswachstum. 2016 wurde statt einem weiteren Rückgang ein erkleckliches Plus von 12,7 Prozent vermeldet. Mit dieser Zunahme konnte eine andere Kurve korrigiert werden: «Die Steuerkraft pro Einwohner liegt mit 3249 Franken wieder fast so hoch wie 2012», so Suter. Vom damaligen Rekord mit 3275 Franken sank dieser Wert bis auf unter 3000 Franken.
Dunkle Wolken am Horizont
Gemeindeammann Jörg Bruder machte «für den guten Abschluss verschiedene Faktoren» geltend. Er nannte dabei auch die gute Ausgabendisziplin in allen beeinflussbaren Abteilungen. Anderes ist weniger beeinflussbar: Manch kleinere Gemeinde wäre froh, sie müsste bei der materiellen Hilfe bei Sozialfällen weniger als eine Viertelmillion einschiessen.
Trotz solch vorteilhaften Bevölkerungsstrukturen und weiter erwartetem Wachstum will Bruder nicht euphorisch werden. Grosse Investitionen stehen an; rund 8 Millionen Franken stehen auf dem Finanzplan der nächsten Jahre. Am politischen Horizont droht indessen weiteres Ungemach: «Mit dem neuen kantonalen Lastenausgleich wird Seengen überproportional belastet», blickt der Seenger Ammann mit Sorgenfalten in die Zukunft.
Die genauen Zahlen vom Kanton fehlen noch und so kann der Gemeinderat wohl bei seiner traditionellen Klausur im Mai noch keine definitiven Anträge über den Steuerfuss 2018 formulieren; aktuell liegt dieser Wert bei 80 Prozent.



