Erste Hilfe in Rekordzeit
Oberes Seetal Die First Responder Oberes Seetal agieren seit fünf Jahren in Fahrwangen, Bettwil und Meisterschwanden. Künftig werden neue Helfende gesucht.

Nur gerade 2 Minuten und 52 Sekunden. So lange ging es in diesem Jahr durchschnittlich, bis einer der First Responder der Feuerwehr Oberes Seetal bei einer Patientin oder einem Patienten war. Länger brauchte die Ambulanz, sie war im Schnitt 11 Minuten und 15 Sekunden nach den First Respondern vor Ort. Doch wer sind diese First Responder und was sind ihre Aufgaben? Ueli Gutknecht, Kommandant der Feuerwehr Oberes Seetal, erklärt. «Vor einigen Jahren hat die Feuerwehr gemeinsam mit den lokalen Samaritervereinen die Idee für die First-Responder-Gruppe ins Leben gerufen.» Das Ziel: Laien, die in der Region wohnen, so auszubilden, dass sie bei Menschen mit Bewusst- oder gar Leblosigkeit erste Hilfe leisten können, bis das Fachpersonal vor Ort ist und den Patienten oder die Patientin übernehmen kann. Ende 2020 bewilligten die Gemeinden Fahrwangen, Meisterschwanden und Bettwil je einen Kredit, um das Projekt zum Leben zu erwecken. Von dem Geld wurden unter anderem zwölf Erste-Hilfe-Ausstattungen inklusive Defibrillatoren erworben. 2021 konnten die First Responder Oberes Seetal starten. Interessierte für diese lebensrettenden Ämter gab es genug. 13 Personen wurden ausgewählt.
Mittlerweile sind über fünf Jahre vergangen. Die First Responder treffen sich nach wie vor mehrmals jährlich im Feuerwehrmagazin in Fahrwangen. Für Auffrischungen, Besprechungen, aber auch für Psychohygiene, für das, was man während Einsätzen erlebt hat. «Es ist wichtig, dass ihr jederzeit darüber sprechen könnt, wenn Fragen offen sind oder euch etwas beschäftigt», wiederholt Thomas Rauer, Facharzt für Chirurgie. Rauer verantwortet die Ausbildung der Gruppe und ist als praktizierender Arzt auch für die Qualitätskontrolle zuständig.
Ein eingespieltes Team
Sieben Einsätze wurden in diesem Jahr bereits geleistet. Die First Responder werden in den Gemeinden Fahrwangen, Meisterschwanden und Bettwil alarmiert, sobald ein Notruf für Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusst- und Leblosigkeit eingeht. Bei einem Notruf können mehrere Personen aktiviert werden. «Unsere First Responder sind ein gutes Team», erklärt Rauer. Jeder und jede, der oder die an einem Einsatzort eintrifft, wisse, was zu tun ist. Gearbeitet wird vor Ort Hand in Hand.
Doch es gibt nicht nur die First Responder aus dem Oberen Seetal. 2024 hat der Kanton Aargau ein flächendeckendes First-Responder-System ins Leben gerufen. Auch hier werden Personen bei einem Vorfall alarmiert, bei dem es eine lebens- oder bewusstlose Person gibt. Die Freiwilligen des Kantons haben einen Einführungskurs absolviert und ein gültiges Zertifikat für die Wiederbelebung. «Im Gegensatz zu unseren First Responder sind die Personen weniger ausgebildet und verfügen nicht über einen eigenen Defibrillator», erklärt Kommandant Gutknecht. Wichtig ist ihm aber dennoch: «Ich bin kein Gegner dieses Systems.»
Derzeit sind zehn Personen für die First Responder des Oberen Seetals im Einsatz. Künftig sollen noch zwei weitere Plätze besetzt werden. Ueli Gutknecht kann dafür auf eine Warteliste zurückgreifen. Schlüsselkriterien sind Wohn- und Arbeitsort, die zeitliche Verfügbarkeit und die Resilienzfähigkeit, so Gutknecht. Besonders die Resilienz sei wichtig, fügt der Kommandant an. «Für diese Aufgabe benötigt es Personen, die es auch verarbeiten können, wenn sie in schwierige Situationen kommen.» Wer sich bewirbt, durchläuft auch mehrere psychologische Tests. Erst wenn alles erfüllt ist, beginnt die Ausbildung für die jeweilige Person.



