«Seener Männerstamm» besucht die ARA Wildegg

Seon Für die Vereinigung «Seener Männerstamm» stand beim letzten Anlass ein nicht alltäglicher Besuch auf dem Programm: Um die 40 Mitglieder hatten sich für eine Besichtigung mit Führung durch die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Wildegg angemeldet. Nach dem Empfang an der Eingangspforte konnten sich die Besucher – in zwei Gruppen aufgeteilt – sowohl über die Funktionsweise der Anlage wie auch über die geplanten Erweiterungen vor Ort informieren.

Der «Seener Männerstamm» führte einen weiteren Ausflug durch.Foto: zvg

Auf dem Rundgang durch das Betriebsareal und nach der Angewöhnung an die herrschenden Duftnoten erhielten die Männerstämmler zunächst eine Übersicht über die verschiedenen Prozessstufen der Abwasserreinigung. Und die Leistung der 1971 in Betrieb genommenen und über die Jahre stets erweiterten Anlage, an welcher 15 Gemeinden des Kantons mit zirka 53000 Einwohnern und Einwohnerinnen partizipieren, ist tatsächlich eindrücklich: Aus den rund 8 Millionen Tonnen Abwasser, die pro Jahr in die ARA gelangen, werden während der mechanischen Reinigung zunächst die groben Feststoffe (Toilettenpapier!), danach Steine und Sand (60 Tonnen/Jahr) sowie Fette und Öle entfernt. Das Abwasser wird anschliessend in einer zweiten Phase mit Hilfe von Mikroorganismen biologisch und danach in einer dritten Stufe unter Anwendung von chemischen Prozessen gereinigt. Dieser komplexe und mehrstufige Prozess dauert ab dem Eintritt des Abwassers in die ARA bis zur Einleitung in die nahegelegene Aare 19 Stunden. Ungläubiges Staunen rief die Antwort auf die Frage nach den Kosten für eine Toilettenspülung hervor: Ein Spülvorgang kostet 0,5 Rappen, was für 100 Spülvorgänge 50 Rappen ergibt. Eigentlich wenig unter Berücksichtigung der aufwändigen Infrastruktur und der ausserordentlich komplexen Reinigungsvorgänge.

Eine vierte Reinigungsstufe und ein überkantonales Erweiterungsprojekt

Auf dem unterirdischen Weg in den Seminarraum, wo weitere Informationen auf die Teilnehmer warteten, konnten die Besucher eine 100 Meter lange, mit kunstvollen Graffitis bemalte Wand bestaunen; ein an diesem Ort nicht erwartetes Kunstobjekt. Die weiteren Ausführungen behandelten verschiedene zukunftsgerichtete Projekte zur Erweiterung der gesamten ARA Wildegg. So soll bereits demnächst eine vierte Reinigungsstufe eingebaut werden mit dem Ziel, auch Mikroverunreinigungen, wie sie etwa in Pflanzenschutzmitteln oder Medikamenten vorkommen, aus dem Abwasser herauszufiltern. Aufgrund der kommenden Verschärfungen des Gewässerschutzgesetzes sowie des starken Bevölkerungswachstums besteht zusätzlich die Planung, die Region Hallwiler- und Baldeggersee sowie das Bünztal in das Abwasserreinigungskonzept der ARA Wildegg zu integrieren, was für alle Gemeinden grosse Kostenvorteile ergäbe. Voraussetzung zur Realisierung dieser bereits konkreten und kantonsübergreifenden Planung wäre jedoch die rasche Erweiterung der bestehenden Anlage in Wildegg. Die dazu notwendigen politischen Entscheidungsprozesse sind zwar angestossen, aber noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Nach der Verabschiedung und einem Gruppenfoto kehrten die Teilnehmer des «Männerstamms» nach Seon zurück, wo im Restaurant Unterdorf bereits ein Nachtessen wartete und die an diesem Nachmittag gewonnenen Eindrücke weiter vertieft werden konnten. Nicht fehlen durfte bei dieser Gelegenheit auch der Hinweis auf den nächsten Anlass, den Besuch des FIFA-Museums in Zürich, welcher am Dienstag, 15. April, stattfinden wird. (MGE)

Anmeldungen nimmt der Kassier Jürg Sterchi telefonisch (062/775 27 07) oder via E-Mail (sterchi.juerg@outlook.com) gerne bis zum 10. April entgegen.

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