Nassester Sommer seit Messbeginn

Region Der vorgestern zu Ende gegangene Sommer war in der Region Lenzburg der nasseste seit Messbeginn 1959. Am 19. Juli wurde der höchste Sommerpegel des Hallwilersees seit 14 Jahren registriert.

Wasser, wo keines sein sollte: Überschwemmungsgebiet östlich (links) vom Fussweg zwischen Schloss Hallwyl und Hallwilersee. Foto: Andreas Walker
Wasser, wo keines sein sollte: Überschwemmungsgebiet östlich (links) vom Fussweg zwischen Schloss Hallwyl und Hallwilersee. Foto: Andreas Walker

Am 1. September hat der meteorologische Herbst begonnen. Damit verabschiedet sich nicht nur gefühlt ein trüber Sommer, auch die Messdaten sprechen Klartext. Nach Angaben von MeteoSchweiz fiel in der Region Lenzburg von Juni bis August mit 581 Litern pro Quadratmeter fast die doppelte Regenmenge (175 Prozent) im Vergleich zur Norm 1981 bis 2011. Obwohl die Temperaturen 0,3 Grad über der Norm lagen, entsprach die Sonnenscheindauer nur gerade 90 Prozent des langjährigen Mittels.

Der Dauerregen im Juli führte zum höchsten Sommer-Hallwilersee-Pegel seit 2007. Dieser wurde am 19. Juli mit 449,05 Meter über Meer erreicht und lag damit 39 Zentimeter über dem langjährigen Mittelwert. Schon am 4. Februar erreichte der Hallwilersee einen solch hohen Pegel, ebenfalls nach Dauerregen und gleichzeitiger Schneeschmelze. In solchen Situationen wird zum raschen Senken des Pegels mit der Regulierung nachgeholfen.

Severin Gassmann, Projektleiter Hydrometrie des Kantons Aargau, erklärt: «Der Baldeggersee erreichte diesen Sommer einen historischen Höchststand. Da der Aabach beide Seen verbindet und somit eine grosse Wassermenge vom Baldeggersee in den Hallwilersee floss, dauerte es länger, bis der Pegel des Hallwilersees gesunken war.»

Regulierung des Hallwilersees

In solchen Fällen wird der Abfluss beim Schloss Hallwyl reguliert, indem das Stauwerk geöffnet wird. Severin Gassmann präzisiert: «Die Regulierung des Hallwilersees folgt grundsätzlich einer Sollkurve, die zusammen mit den verschiedenen Interessengruppen wie Behörden, Schifffahrt, Fischerei, Naturschutz und den Kraftwerkbetreibern am Aabach erarbeitet und im Laufe der Jahre leicht angepasst wurde. In erster Linie soll die Regulierung Extremsituationen verhindern, das heisst, der See sollte weder stark über die Ufer treten noch allzu tief absinken, sodass beispielsweise die Schifffahrt verunmöglicht würde.»

«Gleichzeitig», so Gassmann weiter, «muss bei der Seeregulierung nebst dem Seepegel immer auch die Abflussmenge am Wehr im Auge behalten werden, insbesondere muss auch während Trockenzeiten eine Mindestrestwassermenge für den Aabach garantiert sein.»

Ist der Pegel so hoch wie Mitte Juli, werden die Riedflächen des Seenger und des Boniswiler Rieds und teilweise auch daran anschliessende Landwirtschaftsflächen überschwemmt. Severin Gassmann präzisiert: «Da auch die Uferwege im Bereich der Schiffstation und beim Frauen- und beim Männerbad Seengen bei diesen Pegelständen überschwemmt wurden, war deren Zugänglichkeit nur noch eingeschränkt möglich. Um den Zugang zum Schiffsteg zu gewährleisten, hatte die Gemeinde einen provisorischen Steg aus Holzbrettern erstellt.»

Zurzeit befindet sich der Hallwilersee-Pegel wieder auf einem normalen Wert, sodass man hoffentlich einen schönen Herbst in Seenähe geniessen kann.

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