Mittwinterbräuche in Hallwil

In Hallwil haben sich bis heute verschiedene Mittwinterbräuche gehalten, deren Ursprung wahrscheinlich auf germanische Traditionen zurückzuführen ist.

Die Bärzeli-Gruppe im Schnee: Sie besteht aus 15 erwachsenen, ledigen Burschen aus dem Dorf, die eine Maske tragen, die ihr Wesen charakterisiert.

Die Bärzeli-Gruppe im Schnee: Sie besteht aus 15 erwachsenen, ledigen Burschen aus dem Dorf, die eine Maske tragen, die ihr Wesen charakterisiert.

Die vier Grossen (von links nach rechts): Stächpaumig, Straumaa, Tannreesig und Hobuspöönig. Sie bringen mit ihren stachligen Umarmungen Neujahrsgrüsse, was Glück bringen soll. Fotos: Andreas Walker

Die vier Grossen (von links nach rechts): Stächpaumig, Straumaa, Tannreesig und Hobuspöönig. Sie bringen mit ihren stachligen Umarmungen Neujahrsgrüsse, was Glück bringen soll. Fotos: Andreas Walker

An Heiligabend und Weihnachten zieht in Hallwil das Wiehnechts-Chendli durchs Dorf. Sieben 12- bis 14-jährige Mädchen wirken bei diesem Brauch mit. Dabei gibt das in weisse Schleier gehüllte Wiehnechts-Chendli dem Brauch den Namen und wird von sechs Sängerinnen in rosa Gewändern begleitet. Die Mädchen ziehen von Haus zu Haus, tragen ihr eingeübtes Hirtenlied vor und bringen selbst gemachtes Weihnachtsgebäck in die Hallwiler Haushaltungen.

Das Wiehnechts-Chendli dürfte auf einen uralten germanischen Brauch zur Mittwinterzeit zurückgehen, der das Überwinden der kürzesten Tage des Jahres und die Wiedergeburt des Lichts nach der Sonnwende zelebrierte. Möglicherweise ist das helle Wesen des Wiehnachts-Chendli auf die germanischen Göttinnen Frigg oder Freyja zurückzuführen. Die Göttin Frigg ist in der Sagenwelt auch als Perchta bekannt und kommt in allen möglichen Formen vor.

Silvester-Dreschen

In der letzten Nacht des Jahres treffen sich die Einwohner Hallwils beim grossen Silvesterfeuer auf dem Bruderhübel zum Silvester-Dreschen. Dabei haben etwa zehn Männer neben einem grossen Feuer ein langes Brett positioniert. Darauf dreschen sie nach altem Brauch das alte Jahr aus und das neue Jahr ein. Die Dorfbewohner wärmen sich am Feuer auf und wünschen sich gegenseitig bei Mehlsuppe und Punsch «es guets Nöis».

Unsere germanischen Vorfahren begingen die Wintersonnenwend-Feier mit einem Feuer, um an die Wiederkehr des Lichtes und des Frühjahrs zu erinnern. Zudem sollte das Licht des Feuers das Böse vertreiben, denn nach altem Volksglauben suchten während den längsten Nächten des Jahres die Seelen der Toten die Lebenden heim. Mit dem Dreschen auf Holz (in Analogie zum Getreide) sollte ein fruchtbares Jahr herbeigeführt werden.

Bärzeli-Brauch

Jeweils am 2. Januar wird in Hallwil das neue Jahr mit viel Lärm und stachligen Umarmungen von den Bärzeli begrüsst. Dabei werden die Dorfbewohner von den Bärzeli mit ihren kratzigen Kostümen umarmt, denn dieser Neujahrsgruss soll Glück bringen. Die Bärzeli bestehen aus 15 erwachsenen, ledigen Burschen aus dem Dorf. Sie tragen eine Maske, die ihr Wesen charakterisiert, sowie Lärm- oder Schlaginstrumente – «Räre» (Rätschen) oder Söiblootere – bei sich. Wer ihnen zu nahe kommt, wird umarmt oder mit Wasser nass gespritzt.

Der Ursprung des Bärzeli-Brauches geht ebenfalls sehr weit zurück. Berchtelen hiess früher ausgelassen feiern und sich verkleiden. Dabei wecken die Bärzeli mit ihrem Lärm die Fruchtbarkeit und treiben den unfruchtbaren Winter aus.

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