Mit der Sense und Schwung für die Artenvielfalt

Hallwilersee Am 10. Juni leitete Pro Natura Aargau zusammen mit Martin Strub am Hallwilersee das Sensenmähen und Dengeln an – eine Technik, die nicht nur ein altes Handwerk aufleben lässt, sondern auch der Artenvielfalt von Wiesen zugutekommt.

Durch das Sensen entstehen keine Emissionen und saubere Schnitte. Foto: zvg
Durch das Sensen entstehen keine Emissionen und saubere Schnitte. Foto: zvg

Ein eher seltenes Bild ergab sich an diesem Tag für einige Spaziergänger am Hallwilersee. Dort, wo sonst Maschinen mähen, standen nun Menschen mit einer Sense in der Hand, die sich schon fast rhythmisch durch die Wiese bewegten. Neugierigen am Wegesrand erklärten die Mitarbeitenden von Pro Natura Aargau, dass Martin Strub dort einen Sensenmäh- und Dengelkurs leite. Das Dengeln, das Schärfen und Instandhalten der Sensenklinge durch gezieltes Hämmern, ist dabei ebenso Teil dieses alten Handwerks wie das Mähen selbst.

Strub setzt sich mit seiner Arbeit aktiv für den Erhalt dieses mit der Zeit etwas in Vergessenheit geratenen Handwerks ein. Neben Kursen produziert er unterschiedliche traditionelle Sensen aus Schweizer Rundholz, die alle eines gemeinsam haben: Sie schneiden Wiesen schonend. Aber warum ist das überhaupt notwendig, wenn Maschinen dies doch viel effizienter übernehmen könnten? Ein Blick auf die Artenvielfalt liefert die Antwort. Auf einem Quadratmeter einer extensiv genutzten Magerwiese finden sich bis zu 50 verschiedene Pflanzenarten sowie mehrere hundert Insektenarten, darunter Wildbienen und Schmetterlinge. Auf einer intensiv genutzten Wiese sind es auf derselben Fläche nur rund 15 Pflanzenarten, meist Gräser, die der Tierwelt wenig Nahrung bieten. Beim Sensen werden die Pflanzen schonend geschnitten, es entsteht kein Lärm, keine Emissionen – und die Tiere haben genügend Zeit zu flüchten. Während des Kurses konnten Grashüpfer, Ameisen und Schmetterlinge beobachtet werden, die in naheliegende Gebiete auswichen. Die Beweggründe, das alte Handwerk zu erlernen, waren unterschiedlich: Manche Teilnehmende wollten die alte Sense des Grossvaters wieder in Betrieb nehmen, andere den eigenen Garten naturnaher pflegen. Martin Strub führte zunächst ins Dengeln ein, bevor es ans eigentliche Mähen ging. Er zeigte den Teilnehmenden die wichtigsten Handgriffe und den richtigen Hüftschwung – denn nur mit korrekter Technik gleitet die Klinge sanft und einfach durch die Wiese. Um es nicht zu romantisch darzustellen: Dengeln wie Mähen sind strenge körperliche Arbeiten. Die Teilnehmenden haben daher nicht nur neues Wissen und Erfahrung mit nach Hause genommen, sondern auch den ein oder anderen Muskelkater in Hand, Arm und Rücken. Dank des grossen Interesses und der positiven Rückmeldungen zum Kurs möchte Pro Natura Aargau ihn auch im nächsten Jahr wieder organisieren. (pd/rfb)

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