Mit 80 in die Blockflöte verliebt

«Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr», so besagt eine Volksweisheit. Doch was, wenn wir noch im Alter ein Instrument lernen wollen?

Hat mit 80 die Blockflöte neu entdeckt: Sonja Müller. Foto: StO
Hat mit 80 die Blockflöte neu entdeckt: Sonja Müller. Foto: StO

Sonja Müller aus Fahrwangen hat für solche altbackenen Weisheiten wenig übrig. Mit 50 lernte sie Klavierspielen. Mit 80 entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Blockflöte ganz neu. Heute ist Sonja Müller die wohl älteste Blockflötenvirtuosin des Seetals und zeigt, dass Lernen im Alter auch eine Einstellungsfrage ist.

Wenn die 80-Jährige zur Blockflöte greift, ist sie ganz in ihrem Element. Dann zählt nur noch die Musik. Und die geniesst die lebensfrohe Seniorin in jedem Moment. «Ich habe schon immer gerne musiziert», strahlt sie. Rund neun Jahre lang spielte sie leidenschaftlich Klavier. Doch mit dem Alter sei das immer schwieriger geworden. Auf das Musizieren wollte sie dennoch nicht verzichten, griff kurzerhand zur Blockflöte, einem ihr bereits aus Kindheitstagen in bester Erinnerung gebliebenen Instrument, und fand in ihr ein neues Ausdrucksmittel.

Die Blockflöte sei viel leichter zu spielen und fordere dennoch kognitive und koordinative Fähigkeiten heraus. Das Erlernen eines Instrumentes biete jede Menge Herausforderungen und ermögliche, sich weiterzuentwickeln. Es sei wichtig, sich immer neue Ziele zu setzen.

Seit zwei Jahren nimmt Sonja Müller nun bereits regelmässig Blockflötenunterricht, perfektionierte ihr Können und spielte ihre weitaus jüngeren Kollegen in etlichen Klassenkonzerten geradezu an die Wand.

Im Unterricht lerne sie viele neue Tricks und Kniffe, die das selbstständige Weiterlernen ermöglichten. So nutzt sie das im Unterricht Gelernte zum Komponieren eigener Stücke und zum Adaptieren bekannter Melodien für die Blockflöte. Das gemeinsame Musizieren im Unterricht motiviere zudem, Neues zu lernen und auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Das tägliche Üben empfindet Sonja Müller hingegen nicht als Pflicht. Es hat einen festen Platz im Alltag der Seniorin. «Die Blockflöte ist wie eine Droge für mich. Das Spielen erfüllt mich mit grosser Freude», schwärmt sie.

Blockflötenkurs für Senioren

Auch Therese Albisser von der Pro Senectute Lenzburg betont die positiven Aspekte, die das Musizieren auf der Blockflöte im Alter leistet. «Die Blockflöte eignet sich in vielerlei Hinsicht als Wiedereinsteigerinstrument. Sie ist leicht zu erlernen, schult Körper und Geist und beim gemeinsamen Musizieren werden soziale Aspekte gefördert. Das Musizieren erhält und fördert die Denk- und Konzentrationsfähigkeit und ist gut für die Koordination und Motorik des Körpers. Wer ein Blasinstrument spielt, kann durch spezielle Atemtechnik auch etwas für seine Gesundheit tun.»

Der Lebensabschnitt 60+ biete besonders viel Gestaltungsspielraum, der genutzt werden will und mit den richtigen Angeboten auch genutzt werden kann.

Einen Grund, die verstaubte Blockflöte wieder einmal vom Dachboden zu nehmen, bietet ein erstmals von der Pro Senectute in Lenzburg ab Sommer 2017 angebotener Blockflötenkurs für Senioren. Unter professioneller Leitung werden musikalische Anregungen geboten, gemeinsam Stücke erarbeitet und diese allenfalls in einem Semesterabschlusskonzert dargeboten.

Der Kurs richtet sich an alle Musikliebhaber ab 60, die alte Kenntnisse auffrischen oder Neues lernen möchten und ohne Leistungsdruck Freude am gemeinsamen Musizieren haben.

Die Kurse finden jeweils am Mittwoch

von 17.30 bis 18.30 Uhr statt.

Start ist am 23. August.

Kursort: Pro Senectute Aargau

Kursraum Schlossberg,

Burghaldenstrasse 19, Lenzburg.

Anmeldeschluss: 13. August

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt

Anmeldung und weitere Informationen

Telefon 0628917766

E-Mail: kurseag.prosenectute.ch

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