Gemeinden wollen Fusion prüfen
Leutwil/Dürrenäsch Beiträge, Bedenken und Bürgernähe: Die Bevölkerung ist über die geplanten Fusionsabklärungen von Dürrenäsch und Leutwil informiert worden.
Sind die Gemeinden mit einer Fusion besser gewappnet für die Zukunft? Diese Frage treibt Dürrenäsch und Leutwil um.
Bei einer Fusion könnten Doppelspurigkeiten vermieden, Aufgaben gebündelt, Ausgaben auf mehr Steuerzahlende verteilt, die Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort gesteigert werden. An einer Informationsveranstaltung haben die Gemeindeammänner die möglichen Vorteile aufgelistet: Josef Willi aus Dürrenäsch und Lukas Spirgi aus Leutwil. Eine grössere Gemeinde habe eine stärkere politische Stimme und mehr Einfluss, werde widerstandsfähiger, zeigten sie sich überzeugt.
An Dorfleben und Identität ändert sich nichts
Am 10. Juni stehen an den beiden Gemeindeversammlungen die Projektierungskredite von je 80000 Franken für Fusionsabklärungen zur Diskussion. Daran zu erwarten sind Kantonsbeiträge von je 35000 Franken. Geschaffen werden sollen die Grundlagen, erstellt ein ausführlicher Schlussbericht, um später eine sachlich fundierte Entscheidung treffen zu können. In der Mehrzweckhalle in Dürrenäsch waren am Mittwochabend, 20. Mai, neben den Gemeindeammännern folgende Referenten anwesend: Martin Süess, Leiter Gemeindeabteilung beim kantonalen Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI), sowie Christian Wernli und Patrick Deicher von der Beratungsfirma BDO AG, die den Prozess begleitet. Für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger ändere sich gar nicht so viel bei einer Fusion, legten Willi und Spirgi dar. Ortsnamen und Identität, Vereine und Dorfleben, Traditionen und Feste bleiben gleich. Neu gebe es aber gemeinsame politische Gremien – Gemeinderat und Kommissionen – und nur noch eine Verwaltung. Auftreten werde die fusionierte Gemeinde mit neuem Namen und Wappen. Zeitgleich mit den Einwohnergemeinden würden auch die beiden Ortsbürgergemeinden vereinigt. Der Detailfragen – wie Umgang mit Vermögenswerten – nehmen sich Facharbeitsgruppen an.
Namhafte Fusionsbeiträge von rund 3,5 Millionen
Ein solcher Prozess wecke immer auch Bedenken, dass eine Gemeinde geschluckt werde, dass es zu einer Spaltung im Dorf komme, räumten Willi und Spirgi ein. Es gehe aber nicht um eine Übernahme oder Eingemeindung, sondern um eine Fusion unter gleichberechtigten Partnern, hoben sie hervor. Wichtig sei eine offene, wertschätzende und umfassende Informationskultur, die aktive Einbettung aller Beteiligten. Bei einer möglichen Angst, die Bürgernähe könnte verloren gehen, gaben sie Entwarnung. Das Dorf bleibe nach wie vor verhältnismässig klein, die Distanzen machbar. Ein Gemeinderatsmitglied könne der Bevölkerung auch künftig schlecht aus dem Weg gehen, sagten sie mit einem Schmunzeln.
Auch wenn die Finanzen nicht das Hauptmotiv für die Abklärungen seien und noch nicht klar sei, wie hoch die Einsparungen und der Steuerfuss sein werden: Vom Kanton, erfuhren die Anwesenden, sind namhafte Fusionsbeiträge von insgesamt rund 3,5 Millionen Franken zu erwarten. Eine fusionierte Gemeinde, so die erfreuliche Ausgangslage, würde voraussichtlich mit einem vergleichsweise hohen Nettovermögen von rund 4,7 Millionen Franken starten. Der heute bereits praktisch identische Steuerertrag pro Kopf liege nach einem Zusammenschluss – bei einem Steuerfuss von 118 Prozent – fast unverändert bei 2836 Franken.
Frage zu grossen Honoraren der Fachleute
In der Fragerunde war die Höhe des Projektierungskredits von 160000 Franken ein Thema. Ein Mann befürchtete grosse Honorare für die beteiligten Fachleute. Wenn er die Zahlen sehe, werde ihm schon ein bisschen «gschmuch». Der Aufwand für die Abklärungen, sagten die Referenten, sei nicht zu unterschätzen: Reglemente müssten beispielsweise angepasst, die Organisation von Verwaltung und Forst geprüft werden. Angeregt wurde von den Anwesenden, auch jüngere Personen und kritische Stimmen in die zu bildende «Reflexionsgruppe Bevölkerung» aufzunehmen. Eine Frau sprach sich dafür aus, dem Projekt eine Chance zu geben. Es handle sich ja noch nicht um eine Vorentscheidung für eine Fusion.
Tatsächlich: Über einen Fusionsvertrag könnte das Stimmvolk später an den Gemeindeversammlungen und an der Urne abstimmen, erklärten die Referenten. Denkbar sei ein Zusammenschluss auf Anfang 2030. Für Anliegen und Meinungen bleiben vorderhand die Gemeindefusions-Briefkästen bei den beiden Gemeindehäusern offen, sagten die Gemeindeammänner Willi und Spirgi. «Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt für die Zukunft extrem wichtig ist und uns auch hilft.»



