Frauen und Meitli übernahmen Zepter
Der Männerfang am vergangenen Donnerstagabend eröffnete die schönsten Tage des Jahres für die Meisterschwander Frauen und Meitli. Während dreier Tage hatten sie im Dorf das Sagen.
Es ist ein kalter, windiger und regnerischer Donnerstagabend. Noch befinden sich die Frauen und Meitli der Meitli-Sonntagsvereinigung Meisterschwanden in der warmen Mehrzweckhalle. Bald geht es los mit dem Männerfang, der den Beginn der dreitägigen Regentschaft der Frauen und Meitli in Meisterschwanden markieren wird. Die sage und schreibe 88 Frauen haben sich in ihre altmodischen Roben geworfen und ihre Fangnetze, die Grasbögen, bereit gemacht. Acht junge Mädchen sind zum ersten Mal beim Männerfang dabei. Ab 16 Jahren kann man mitmachen, nach oben ist die Grenze offen.
Unter dem stetigen Trommeln der Tambourinnen schreiten die Frauen und Meitli schliesslich in Richtung Dorf und verteilen sich auf die drei Beizen Löwen, Traube und Speuzli. Im Speuzli hat man die Prozession schon erwartet, die Dichte an Männern ist aber noch nicht so hoch. Präsidentin Delphine Schmitt erklärt mit einer kurzen Rede die Machtübernahme der Frauen für erfolgt. Zum «Trost» wird allen Männern ein Gläschen Weisswein offeriert. Danach gehts ans Eingemachte: Es wird getanzt. Dabei herrscht absolute Damenwahl. Es ist mehr als verpönt, als Mann die Aufforderung abzulehnen. Tut man das, muss man faktisch das Lokal verlassen. Aber Spielverderber gibt es hier keine, selbst die jungen Männer tanzen mit den reifen Damen ganz ohne Berührungsängste und mindestens ebenso fröhlich und beschwingt.
Für drei Tage haben die Frauen das Sagen
Überall sind lachende Gesichter. Es scheint so, als würden es die Männer den Frauen nicht übel nehmen, dass diese drei Tage das Sagen haben. Immer wieder wechseln die Damen ihre Tanzpartner und wirbeln mit ihnen anschliessend übers Parkett. Der Grasbogen steht dabei unauffällig in einer Ecke. 45 Minuten hält sich die Gruppe hier auf, danach wird ins nächste Lokal gewechselt. Vorher muss aber noch ein Mann gefangen werden. Während des Tanzens werden die Männer beobachtet und schliesslich einer auserkoren. Kurz vor 21.45 Uhr ist es so weit: Die Frauen und Meitli schreiten zur Tat. Der Grasbogen wird ergriffen und der ausgewählte Mann eingekreist. Ihm wird eröffnet, er sei gefangen und müsse mitkommen. Der Betroffene ergibt sich widerstandslos seinem Schicksal und lässt sich rücklings in den Grasbogen fallen.
Die ganze Prozession zieht wieder von dannen, mit ihrem Gefangenen im Grasbogen. Er wird bis ins nächste Lokal getragen und kann sich dort freikaufen, indem er allen Damen etwas zu trinken ausgibt. Er erhält eine selbst gemachte Plakette, die ihn einerseits davor bewahrt, noch einmal gefangen zu werden, andererseits aber auch eine Ehre ist, die besagt, dass man Teil des Männerfangs war. Lachend zieht die Gruppe in die «Traube» ein, wo das nächste «Opfer» noch nichts von seinem Glück ahnt.







