Finanzen und Wasserknappheit prägen Gemeindeversammlung

Fahrwangen An der Einwohnergemeindeversammlung Fahrwangen nahmen 38 von 1509 Stimmberechtigten teil. Trotz kleineren Defizits als erwartet und zahlreicher genehmigter Projekte sorgte die Wasserknappheit für Kritik aus der Bevölkerung.

Auf diesen Gemeindedächern soll künftig Strom produziert werden.Foto: Debora Hugentobler
Auf diesen Gemeindedächern soll künftig Strom produziert werden.Foto: Debora Hugentobler

Wir bemühen uns, die Versammlung speditiv durchzuführen, damit wir um 21 Uhr gemeinsam den WM-Match schauen können», eröffnete Gemeindeammann Silvan Zülle. Das Protokoll der letzten Gemeindeversammlung sowie der Rechenschaftsbericht 2025 wurden sogleich genehmigt.

Weniger Aufwandüberschuss als budgetiert

Im Zentrum stand die Jahresrechnung 2025. Vizeammann Christian Tschannen präsentierte einen Aufwandüberschuss von 445784.96 Franken. Budgetiert war ein Minus von 559045 Franken. Damit schliesst die Rechnung erneut besser ab als erwartet. Seit 2014 falle das Ergebnis fast immer günstiger aus als budgetiert, da die Gemeinde bewusst vorsichtig plane. Vor allem in den Bereichen Bildung und Gesundheit wichen Budget und Rechnung deutlich voneinander ab. Dabei handle es sich grösstenteils um Kosten, auf die die Gemeinde keinen Einfluss habe. Rund 65 Prozent der Ausgaben seien nicht beeinflussbar, ebenso sei der Handlungsspielraum auf der Ertragsseite sehr eingeschränkt. Trotz weiterer geplanter Investitionen zeigte sich Tschannen zuversichtlich: «Die Zukunft bleibt herausfordernd, doch wir sind zuversichtlich, dass das gut gemeistert werden kann.» Zwar rechne die Gemeinde in den kommenden Jahren weiterhin mit Aufwandüberschüssen, diese könnten jedoch aus vorhandenen Mitteln gedeckt werden. Nach heutiger Planung dürfte ab 2035 wieder ein Ertragsüberschuss möglich sein. Die Jahresrechnung wurde einstimmig angenommen.

Kreditabrechnungen und Investitionen

Ebenfalls genehmigt wurden zwei Kreditabrechnungen. Beim Ersatz des Blockheizkraftwerks der ARA Hallwilersee entstand eine Kreditüberschreitung von 17577.05 Franken wegen zusätzlicher technischer Anforderungen und höherer Arbeitskosten. Die baulichen Massnahmen für die Mehrzweckhallenbelegung überschritten den Kredit um 2635.20 Franken, weil eine seit 1971 geforderte Brandabschnittstüre nachgerüstet werden musste. Diskussionslos bewilligten die Stimmberechtigten zudem 211000 Franken für Unterhaltsarbeiten sowie Ersatz- und Neubeschaffungen der Wasserversorgung und 225000 Franken für die LED-Umrüstung gemeindeeigener Gebäude und Anlagen.

Günstiger Strom aus lokaler Produktion

Auf den Dächern der Mehrzweckhalle, der Turnhalle, des Variel-Schulhauses und des Werkhofs entstehen Photovoltaikanlagen. Mit der Annahme des siebten Traktandums erhält der Gemeinderat die Möglichkeit, überschüssigen Solarstrom zu verkaufen. Wird der Strom lokal abgesetzt, fallen keine Netzgebühren an, was einen kostengünstigen Verkauf ermöglicht. Entsprechend wurden bereits benachbarte Liegenschaften angefragt. Reicht die Produktion darüber hinaus, soll der Kreis erweitert werden, um weitere Einwohnerinnen und Einwohner mit reduzierten Netzkosten zu beliefern. Erst in einem dritten Schritt wäre ein Verkauf innerhalb der gesamten Gemeinde mit Netzgebühren vorgesehen.

Gemeinderat Mario Stirnimann informierte über den Stand der offenen Jugendarbeit. Nach der Mitteilung über die bevorstehende Beendigung des Projekts beantragte die Bevölkerung in Fahrwangen – wie auch in anderen Gemeinden – eine Prüfung der Wiederaufnahme. Der Jugendkommission liegt inzwischen eine Offerte mit verschiedenen Varianten vor. Die fünf beteiligten Gemeinden haben für Oktober entsprechende Informationsveranstaltungen geplant. Bis auf Weiteres ist ein Übergangsangebot durch andere Organisationen vorgesehen.

Wasserknappheit sorgt für Diskussionen

Zum Schluss sorgte die Wasserknappheit für angespannte Stimmung. Weil Sarmenstorf selbst unter Knappheit leidet, liefert die Gemeinde plötzlich weniger Wasser. Die «ibw» Wohlen unterstützt Fahrwangen deshalb mit einer Notversorgung. Nur wenige Tage vor der Gemeindeversammlung erliess der Gemeinderat Einschränkungen beim Wasserbezug. Silvan Zülle betonte vermehrt, dass Fahrwangen bei Weitem nicht die einzige betroffene Gemeinde ist. Mehrere Votanten kritisierten die aus ihrer Sicht späte Information der Bevölkerung und meinten, man hätte früher einschreiten sollen. Vorschläge wie eine Meldepflicht für Pools, private Regenwassertanks oder grössere Reservoire wurden eingebracht. Der Gemeindeammann verwies wiederholt auf fehlende gesetzliche Grundlagen. Alle gut gemeinten Vorschläge seien keine Option – die langfristige Lösung sieht die Gemeinde im Projekt «Wasser 2035».

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