Die Welt von einst in Miniatur
Thomas Wolfer aus Fahrwangen sammelt seit 17 Jahren Krippenfiguren und Krippen. Seine mittlerweile fast 800 Tier- und Menschenfiguren sind derzeit in einer Ausstellung zu sehen.
Ein Schlangenbeschwörer im einstigen Petra bringt seine Kobra auf dem Marktplatz zum Tanzen, im alten Jerusalem taucht ein Kürschner ein Fell in einen Bottich, am See von Genezareth sitzt ein Fischer und knüpft an seinem Netz herum und in einem kleinen Dorf stillt eine Frau in ihrer einfachen Behausung ihr Kind. In der Krippenausstellung von Thomas Wolfer am Bärenplatz in Fahrwangen kann sich der Besucher auf die Spuren von Maria und Josef begeben, aber auch in das Israel der Zeit vor Christi Geburt eintauchen. Über 350 Menschen- und mehr als 400 Tierfiguren hat Wolfer in der rund 25 Quadratmeter grossen Ausstellungslandschaft inszeniert. Beim Betrachten der aufwendig erstellten Krippenlandschaft mit Dörfern und ganzen Städten erfährt man nicht nur etwas über das damalige Handwerk, sondern erhält auch einen Einblick, wie beispielsweise damals gelebt und gebaut wurde oder wie die Tierwelt Israels vor über 2000 Jahren aussah. «Damals gab es beispielsweise Bären dort», erzählt Wolfer und zeigt auf einen Bären in einer grünen Hügellandschaft.
So stilecht wie möglich
Thomas Wolfer weiss viel über die Zeit um Christus. Bis vor einem Jahr gab der katholische Theologe dieses Wissen an seine Schüler als Religionslehrer weiter. Mit seinem grossen Hobby, dem Krippenfiguren- sammeln, möchte der 47-Jährige dieses Wissen ebenfalls weitergeben. «Ich versuche, den Besuchern anhand der Krippen die historischen Hintergründe zur Zeit Jesu zu erklären», sagt Wolfer. Wenn es geht, soll es möglichst authentisch sein. Oft sei das aber nicht möglich, ein Schriftgelehrter beispielsweise schreibt statt in Schriftrollen in ein Buch oder der Fischhändler verkauft Frisch- statt Trockenfisch. Trotzdem sei die Auswahl an Krippenfiguren im Vergleich zu früher mittlerweile recht umfangreich. «Früher gab es beispielsweise kaum Frauenfiguren, meistens musste ich mich mit Marien behelfen.» Seine ersten drei Frauenfiguren haben für Wolfer deshalb auch einen ganz besonderen Stellenwert. Besonders angetan haben es dem gebürtigen Deutschen, der heute in Fahrwangen lebt, lebensechte Figuren im alpenländischen, italienischen, orientalischen oder halborientalischen Stil. «Ich mag eher Altmodisches, mit den modernen Figuren kann ich wenig anfangen», sagt er und schmunzelt fast entschuldigend.
Auch besonders am Herzen liegt Wolfer seine allererste Krippe, mit der 1999 alles seinen Anfang nahm. «Mein Vater hat die Krippe selbst gebaut.» Wolfer tritt heute damit quasi in die Fussstapfen seines Vaters. Für rund die Hälfte seiner über 300 Menschenfiguren aus Holz, Ton oder Zinn gegossen, handbemalt oder geschnitzt, hat er die Krippen selbst erstellt, die Spinnerin, der Teppichhändler oder der Korbmacher erhielten von Wolfer beispielsweise eine eigens erstellte Wirkungsstätte. Diesen Sommer ist auf diese Weise eine ganze Stadt entstanden, inklusive Palast. Der Hobbykrippenbauer bleibt bescheiden: «Ich bin zufrieden mit dem Resultat. Eigentlich habe ich zwei linke Hände.»
Eine ganze Stadt entstand
Was innerhalb von nur einem halben Jahr entstanden ist, darf sich sehen lassen. Liebevoll, mit kleinsten Details, wie etwa winzigem Brot, Käselaiben oder Trauben im Bottich, veranschaulicht Wolfer in seinem Jerusalem um Christi Geburt das Alltagstreiben von damals. Wer sich Zeit nimmt, kann so viele kleine Besonderheiten entdecken.
Speziell an Wolfers Ausstellung ist, dass er sie ständig anpasst. Während der Ausstellungszeit bis am 2. Februar 2017 wird die Krippenlandschaft immer wieder um kleine Szenen der Weihnachtsgeschichte ergänzt. Insgesamt 45 Figuren kommen bis zum Schluss noch dazu. Etwa wie die Sterndeuter ihre Geschenke in Petra kaufen, wie den Hirten ein Engel erscheint, wie sich Maria und Josef in Bethlehem einschreiben lassen oder die Darstellung Jesu im Tempel von Jerusalem. Natürlich dürfen auch Maria, Josef und das Jesuskind im Stall von Betlehem nicht fehlen. Sie sind ab dem 25. Dezember zu sehen.











