Die Frauen übernahmen das Zepter

Wenn um den zweiten Sonntag im Januar dunkel gekleidete Frauen mit Grasbögen durch Fahrwangen und Meisterschwanden marschieren, haben die Meitlitage begonnen.

Im Grasbogen ins nächste Restaurant: Ein «Gefangener» am Meitlisonntags-Brauch in Fahrwangen. Fotos: Alexander Studer

Im Grasbogen ins nächste Restaurant: Ein «Gefangener» am Meitlisonntags-Brauch in Fahrwangen. Fotos: Alexander Studer

Immer Damenwahl: Tanz an den Meitlitagen im oberen Seetal.

Immer Damenwahl: Tanz an den Meitlitagen im oberen Seetal.

An der Spitze: Tambourinnen.

An der Spitze: Tambourinnen.

Der Brauch erinnert an den 2. Villmergerkrieg von 1712, bei dem die Frauen ihren Männern im Kampf gegen die Katholiken zu Hilfe eilten und den Sieg herbeiführten. Als Dank dafür erhielten sie von Oberst Tscharner drei Tage geschenkt, an denen sie über das Dorf bestimmen konnten.

Der Ablauf des Brauchs ist streng geregelt. Die «Meitli» führen am Donnerstag eine Generalversammlung durch und ziehen dann unter Trommelklängen mit grossen Grasbögen ins Dorf ein. Anschliessend verteilen sich die verschiedenen Gruppen auf die einzelnen Restaurants.

Damenwahl ohne «Körbe»

In diesem Jahr waren dies in Fahrwangen das «Brüggli», die «Metzgerhalle» und der «Multi Pizza Kurier». Bevor das Tanzbein geschwungen wird, erhalten alle Gäste von den «Meitli» ein Glas Wein offeriert.

Dann geht die Post ab, der jeweilige Discjockey trägt dazu bei, dass in Kürze eine überaus tolle und laute Stimmung aufkommt. Es ist Damenwahl und selbstverständlich werden keine «Körbe» verteilt.

Der Stolz der Gefangenen

Nach ein paar Tänzen wird ein ausgewählter Gast in den Grasbogen gelegt, kräftig durchgeschüttelt und zum nächsten Restaurant getragen. Dort muss sich der Gefangene freikaufen, indem er den Frauen eine Runde bezahlt. Zum Dank dafür erhält er ein Andenken und dieses gibt ihm die Sicherheit, dass er nicht noch einmal im Grasbogen landet.

Das gleiche Spiel wiederholt sich, bis alle Restaurants besucht worden sind. Man ist stolz, im Grasbogen zu landen, auch wenn man es nicht gerne zugibt.

Männer und Restaurants fehlen

Die Tradition der jährlichen Meitlitage leidet nicht an femininem Nachwuchs, sondern an den fehlenden Männern auf der Tanzfläche. Zudem wird es immer schwieriger, geeignete Lokalitäten zu finden. Ein grosser Dank gilt den drei Beizen in Fahrwangen, die eine reibungslose Durchführung ermöglichten.

Seit 66 Jahren dabei

Als erstes «Meitli» erschien Fulvia Siegrist aus der GV. Voller Stolz erzählte sie, dass sie zum 66. Mal dabei sei und noch keineswegs müde. Mit dem Tanzen habe sie ein wenig Mühe. Das Dabeisein an diesen Tagen mit schöner Robe und Hütchen ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

Überhaupt war es ein Genuss, die schönen Kleider, Hüte, Gesichtsnetze, vollgepuderte und geschminkte Gesichter auf den Strassen und in den Lokalitäten zu sehen.

Polonaise als Abschluss

Am Sonntagabend fand das traditionelle Eierzopfverteilen mit anschliessender Polonaise in der «Metzgerhalle» statt. Damit wird die Regentschaft wieder an die Männer zurückgegeben. Der Eierzopf ist Symbol für Treue und Freundschaft der wackeren Frauen gegenüber ihren Männern. Der Brauch der «Meitlitage» lebt weiter und alle freuen sich aufs nächste Jahr.

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