Birrwiler Pfarrgarten wird zum Gemeinschaftsprojekt

Vier Birrwiler Frauen unter der Federführung von Pfarrerin Helene Widmer haben sich zusammengetan, um im Birrwiler Pfarrgarten Gemüse anzubauen.

In Viertel unterteilt: Der Pfarrgarten Birrwil mit Blick auf den See. Foto: Larissa Hunziker
In Viertel unterteilt: Der Pfarrgarten Birrwil mit Blick auf den See. Foto: Larissa Hunziker

Es ist regnerisch an diesem Tag, doch den Pflanzen tut das nur gut. Vor einigen Wochen haben vier Frauen damit begonnen, sich gemeinsam um den Pfarrgarten zu kümmern, den Boden vorzubereiten, Gemüse auszusäen und einzupflanzen, zu jäten und zu giessen.

Früher habe der Pfarrgarten der Selbstversorgung des Pfarrers gedient, erklärt Pfarrerin Widmer, heutzutage sei das weniger nötig. Deshalb seien auch drei Viertel des Gartens mit mehrjährigen Pflanzen bedeckt. Den vierten Viertel bewirtschaftete die Pfarrerin bisher allein. Manchmal hatte sie dafür mehr Zeit, manchmal weniger.

Anfang dieses Jahres begann sie darüber nachzudenken, aus dem Pfarrgarten ein Gemeinschaftsprojekt, einen «Garten-Träff» zu machen. Schnell fanden sich drei interessierte Frauen: Christa Ebling, Madeleine Regez und Cecile Rumpf, alle in Birrwil wohnhaft. Keine von ihnen hat einen eigenen Garten, ihnen gemeinsam sind die Verbundenheit mit der Natur und die Freude an der Arbeit im Grünen.

Zuerst muss man sich finden

Die Frauen trafen sich erst wenige Male. Einmal gibt es Arbeit für einen ganzen Nachmittag, manchmal reichen auch nur 10 Minuten, um die wichtigsten Belange zu diskutieren. Alle Frauen bringen ihre Ideen ein. Jede sei bei einem anderen Thema besser bewandert, sagt Madeleine Regez, dann tausche man sich untereinander aus und suche nach der besten Lösung.

Bereits zu sehen sind Kohlrabi und Radieschen, Salat- und Kefenkeimlinge und die Stangenbohnen. Wenn die Temperaturen wieder steigen, wird Christa Ebling Spinat säen. Zucchetti seien auch noch beabsichtigt, sagt Pfarrerin Widmer, auf dieses Gemüse möchte sie nicht verzichten. Neben dem Gemüse kümmern sich die Frauen aber ebenso intensiv um das Zusammenwachsen der Gruppe. Man müsse sich zuerst finden, erklärt Christa Ebling. Es prallen unterschiedliche Ansichten und Vorstellungen aufeinander. Bei der Kommunikation mit den technischen Mitteln zeigten sich schon verschiedene Unklarheiten, die es auszumerzen galt.

Diese Missverständnisse haben den Frauen gezeigt, wie wichtig der persönliche Kontakt und der Gedankenaustausch sind. So haben sie nun den Mittwochmorgen als fixen Treffpunkt abgemacht, daneben hat jede Frau abwechselnd eine «Dienstwoche», in der sie fürs Giessen oder für den Schutz der Pflänzchen vor Frost zuständig ist.

Gemeinschaft wichtiger als Ertrag

Alle vier Frauen schätzen das Zusammenarbeiten. Man lerne sich beim Gärtnern gut kennen, meint Cecile Rumpf. Für die Gruppe steht denn auch das gemeinsame Erlebnis und nicht der Ertrag des Gartens im Vordergrund. Pfarrerin Widmer erachtet es als wichtig, dass die Leute Orte hätten, wo sie sich zusammenfinden. Es müsse kein Pfarrgarten sein, es gebe bestimmt genug Gärten, die sich für ein Gemeinschaftswerk eignen würden. Es würde sie freuen, wenn ihr Projekt als Vorbild für andere diente.

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