Birrwil und das Ja zur Zukunft
Der Gemeinderat Birrwil schlägt der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 9. Juni vor, eine Moderne Melioration durchzuführen. Ein wichtiger Entscheid für die Bauern und die Zukunft des ganzen Dorfes.

Ganze 1270 Parzellen, 600 Eigentümer, aufwendige Bewirtschaftung der kleinen, vielfach schmalen Parzellen, lange Fahrzeiten, ein Wegnetz mit ungenügenden Kofferungen und Breiten: Die Birrwiler Bauern sehnen sich nach einfacheren Verhältnissen. Am 7. Juni 2013 stimmte Birrwil einem Verpflichtungskredit zu, um eine Vorplanung einer Modernen Melioration zu erarbeiten. Die Vorplanungsakten der Flury Planer+Ingenieure AG wurden vor einem Jahr als Entwürfe aufgelegt. Von der kantonalen Abteilung Landwirtschaft traf im letzten November ein äusserst positiver Bescheid ein: Mit den vorgesehenen Massnahmen werden die landwirtschaftlichen Ziele erreicht, die Anliegen von Umwelt und Natur berücksichtigt und die Attraktivität der Gemeinde gesteigert.
Aufhebung von Dienstbarkeitsverträgen
In Birrwil lassen sich neun Betriebe zählen, die Direktzahlungen erhalten, davon gelten vier als Vollerwerbsbetriebe. Auf einem Rundgang wiesen die Begleitkommissionsmitglieder Max und Martin Härri auf die Unzulänglichkeiten hin, wie zum Beispiel im Nichts endende Wege. Die durchschnittliche Grösse einer Parzelle liegt unter 1600 Quadratmetern oder, anders gesagt, umfasst die Fläche von zwei grossen Einfamilienhausparzellen. Grossrat und neu Gemeinderat Max Härri spricht von unveränderten Zuständen wie zu Zeiten, als noch das Tintenfässli gebraucht wurde. Längst machen die Landwirte eine Not zur Tugend, indem sie Land untereinander abtauschen. Mit der Modernen Melioration könnten die Flächen arrondiert und ein zusammenhängendes Wegnetz geschaffen werden. Weit mehr als 1000 Dienstbarkeitsverträge über Wegrechte liessen sich aufheben und alle Wege wären im Eigentum der Gemeinde.
Eine Tabelle der Flury Planer+Ingenieure AG zeigt die Aufwendungen für die einzelnen Positionen. Die vermessungstechnischen und planerischen Arbeiten kosten 1,3 Mio. Franken, der Wegbau 2,45 Millionen, die Gewässer und der Hochwasserschutz 1,85 Millionen und die ökologischen Massnahmen 0,15 Millionen. Die Gesamtkosten von 5,75 Mio. Franken würden wie folgt aufgeschlüsselt: Bund und Kanton tragen je 35 Prozent, die Gemeinde 24 Prozent oder 1,35 Millionen und die Eigentümer 6 Prozent.
Geld und Chancen würden verspielt
Sagt die Gemeindeversammlung Nein zum Vorhaben, bleiben Fragen und Probleme ungelöst. Das öffentliche Wegnetz müsste instand gestellt werden, wobei sich erschwerend mehr als 50 Prozent im Privateigentum befinden und diese weiterhin nicht saniert würden. Bund und Kantone würden sich an den errechneten Kosten von 1,5 Millionen finanziell nicht beteiligen.
Unbeachtet der Melioration ist in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hochwasserproblematik zu lösen. Konkret drängen sich Massnahmen an den Bächen und für den Grund- und Quellwasserschutz auf. Kurz und gut: Ohne Moderne Melioration müsste das Dorf rund 2,6 Millionen Franken einsetzen. Sowohl Max wie Martin Härri hoffen nach den intensiven Vorbereitungen, dass dem Vorhaben, dem Werk für die nächsten Generationen, zugestimmt wird.



