Ausstellung «Auf nach Bethlehem» – die Weihnachtsgeschichte einmal anders
Fünf Jugendliche aus dem Seetal entführen Besucher ihrer interaktiven Ausstellung «Auf nach Bethlehem» ab dem 3. Dezember zu den wahren Wurzeln von Weihnachten.
Über eine eigens erstellte Treppe gelangt man in den Dachstock des Wisawi in Meisterschwanden und landet urplötzlich in Nazareth kurz vor Christi Geburt. Ein römischer Soldat verkündet den Befehl von Kaiser Augustus, jeder habe sich in seiner Heimatstadt einzuschreiben. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung «Auf nach Bethlehem» können auf einem Rundgang die Weihnachtsgeschichte nacherleben. Lebensgrosse Porträtfotos von Schauspielern in stilechten Kostümen, aufgezogen auf Holz, führen die Besucher mittels Audio- phon durch die verschiedenen Stationen der Geschichte. Da gibt es etwa römische Soldaten, Marktschreier, Sterndeuter, aber auch Maria, Josef und das Kind in der Krippe fehlen nicht.
Die Figuren, aber auch die stilecht nachempfundene Marktszene verleihen der sonst eher verklärt und oft kitschig interpretierten Weihnachtsgeschichte einen realistischen Touch. «So hätte es damals sein können, davon wollten wir einen Eindruck vermitteln», sagt Doris Häusermann, eine der Projektinitiantinnen. Den ehemals offenen Dachstock des Wisawi der Reformierten Kirchgemeinde Fahrwangen/Meisterschwanden haben die jungen Ausstellungsmacher unterteilt und so Platz für verschiedene Stationen der Weihnachtsgeschichte geschaffen. Im Thronsaal beispielsweise erzählt König Herodes von seinen Sorgen und Nöten, unter dem Sternenhimmel berichten die Sterndeuter von einem seltsamen Stern, beim Lagerfeuer erscheint den Hirten ein Engel mit guter Kunde und zu guter Letzt darf man sich im Stall zu Maria, Josef und Kind gesellen.
Mit so gut wie keinem Vorwissen haben Stephanie Stutz, Doris Häusermann, Andrin Schnegg, Mirjam Häusermann und Aron Lehmann, alles Jugendliche zwischen 20 und 25 Jahren, eine interaktive Ausstellung auf die Beine gestellt, die man in dieser Form von Laien-Ausstellungsmachern nicht erwartet. Der Besucher kann nicht nur die Weihnachtsgeschichte auf reale Art und mit allen Sinnen nacherleben, sondern erfährt auch nebenbei eher unbekannte Details der Geschichte, wie etwa dass Josef kein Zimmermann gewesen sein kann, da damals nicht mit Holz gebaut wurde, oder man erhält Anhaltspunkte, um was für ein Sternphänomen es sich beim Stern von Bethlehem gehandelt haben könnte. Aber auch mit historischen Fakten wird nicht gespart. «Wir wollten Infos verpacken, die die Leute nicht unbedingt kennen», begründet Häusermann. Viel Recherchearbeit war deshalb Teil der Ausstellungsvorbereitungen.
Alles begann mit einem leeren Dachstock
Mit der Planung begann das Team vor gut einem Jahr, ebenfalls zur Weihnachtszeit. Auslöser war der leere Dachstock des Wisawi. «Wir überlegten uns, was man damit anfangen könnte», erinnert sich Häusermann. Bei einer ersten Besprechung wurde die Idee geboren, eine Weihnachtsausstellung auf die Beine zu stellen. «Uns fiel auf, dass während dieser Zeit, die eigentlich besinnlich sein sollte, viele eher gestresst sind. Wir wollten einen Ruhepool schaffen – die Leute mit der Frage «Warum wird Weihnachten überhaupt gefeiert?» zum Nachdenken anregen.
Ziel war es, die Ausstellung kostenlos anzubieten. Deshalb verwendeten die jungen Ausstellungsmacher für den Aufbau möglichst preisgünstige Materialien wie Styropor, OSB-Platten oder Abfallsäcke. «Vieles haben wir auch ausgeliehen oder geschenkt bekommen», sagt Häusermann. Auslagen für Farbe oder Holz decken Spenden, die die Jugendlichen in Eigenregie aufgetrieben haben. Unterstützung erhielten die Fünf ausserdem von verschiedenen Leuten aus dem Dorf.
Viele Stunden Gratisarbeit
Unzählige Stunden Arbeit haben die Jugendlichen in ihr Projekt investiert. Den Antrieb, sich viele Stunden gemeinnützig einzusetzen, schöpften sie einerseits von den gemachten Erfahrungen – «Ein Bauchgesuch haben wir zum ersten Mal eingereicht», sagt Doris Häusermann –, aber auch aus der Erfahrung, wie gemeinsam etwas entsteht. «Jeder von uns hat Qualitäten, die er einfliessen lassen kann», erklärt Häusermann. So konnten sich die Fünf Bereiche wie Handwerk, technische Arbeiten, Medienarbeit oder Dekoration untereinander aufteilen. Entstanden ist ein gelungenes Erstlingswerk, das sich sehen lassen darf.









