100 Jahre Frauenverein Sarmenstorf

Am 18. Februar 1917 trafen sich die Frauen im Schulhaus Sarmenstorf zur Gründungsversammlung. Anwesend war der Mütterverein und die marianische Kongregation. In Sarmenstorf gehörten die ledigen Frauen der marianischen Kongregation an.
An der zweiten GV 1919 hielt Pfarrer Döbeli aus Villmergen einen Vortrag über das Frauenstimmrecht. Er schloss mit den biblischen Worten: «Die Frauen sollen in den Versammlungen schweigen.» An der gleichen Versammlung hat man nach erst zwei Jahren den Mitgliederbeitrag von 20 Rappen auf 50 Rappen erhöht. Dieser Beitrag ist dann stetig gestiegen, bis er 2015 20 Franken erreichte.
Im 1921 genoss man ein Referat über die Wichtigkeit einer Krankenkasse. Es hiess, dass es obligatorisch werden könnte, einer solchen Organisation beizutreten. Der Referent wies aber darauf hin, dass sich der Staat nicht einmischen sollte und man der Konkordia beitreten möge, welche katholisch geprägt sei.
Das erste Kursangebot
Bereits 1922 wird das erste Mal über ein Kursangebot geschrieben, und zwar geht es um einen Buchhaltungskurs. Kurse werden auch heute noch angeboten: Kinderhaarschnitt selber machen, Autopannenkurs, «Chlöpple», Autogenes Training, Veloflickkurs, Edelstein- und Energiekurs, Faserpelz nähen, Porzellan malen, Foulard binden, Gedächtnistraining, stressfrei lernen mit Kindern, Kochkurse, Bastelkurse, Jasskurs und vieles mehr.
Die Referate waren immer wichtig an einer GV, während der geschäftliche Teil kurz und bündig war.
Heute feiert der Frauenverein das 100- Jahr-Jubiläum, hält aber die 90. Generalversammlung. Dies, weil über die Zeit der Kriegsjahre nur alle zwei Jahre eine GV stattfand. Die Frauen hatten noch weniger Zeit, da die Männer im Aktivdienst waren. So mussten sie noch mehr Arbeiten selber bewältigen als sonst schon.
Im 1946 fand die erste GV im Hotel Adler statt. Die Mitglieder erschienen zahlreich. Die Frauen wollten den Männern zeigen, wer der Meister war. Laut Aktuarin sagten sie «So Maa, hüt gönd mir is Wirtshus und du blibsch dihei».
Im folgenden Jahr fand die GV im Gasthof Ochsen statt. Von da an wechselte man zwischen diesen beiden Gaststuben ab. 2008 fand erstmals die GV im Pfarreitreff Sarmenstorf statt.
Langjährige Vorstandsmitglieder
1952 kam Lina Stalder-Döbeli in den Vorstand, sie blieb 20 Jahre dabei und hatte mit vielen heiteren Szenen viel Freude in den Verein gebracht. 40 Jahre war Frau Rey-Strebel im Vorstand. 25 Jahre Frau Koch-Hausherr. Die Arbeitslehrerin Anna Kündig war 16 Jahre im Vorstand.
Die GV-Teilnehmerzahlen schwankten stark: 1962 nahmen 216 Frauen und Töchter teil, 1965 waren es gar 234 Frauen, 1972 noch 120. Dann sank die Zahl 2007 auf 35 Frauen und ein erster Hilferuf ertönte – der Vorstand konnte nicht mehr besetzt werden. Inzwischen erfolgte ein neuer Aufschwung: 2016 zählte man 70 Teilnehmende.
Über die Mitgliederzahl wurde in den Protokollen nie etwas geschrieben. Heute zählt der Frauenverein 195 Mitglieder. Ab 1972 hiess der Verein Frauen- und Mütterverein. 1974 wurde der Vorstand von 7 auf 5 reduziert.
Kranken- und Witfrauenbesuche sind ein Bestandteil unseres Vereinslebens, 1982 zählte das Dorf 150 Kranke. 1994 wurde beschlossen, nur noch Mitglieder des Frauenvereins zu besuchen, da die Kosten ausarteten und die Kasse zu stark belastet wurde.
Vereinsreise war oft der einzige Ausflug der Frauen
Vor 20 bis 30 Jahren unternahmen die Frauen noch Tagesreisen, an denen sie am Morgen um sieben Uhr starteten und am Abend erst um 21 Uhr nach Hause kamen. Am Morgen ging es mit einer Messe los, manchmal wurde die auch unterwegs genossen. Ein gutes Mittagessen gehörte ebenso dazu wie der Dessert- und der Zobighalt. Die Reisen gingen bis ins Tessin, ins Berner Oberland, ins Welschland oder auch in den Schwarzwald. Die Frauen mobilisierten alles, um auf diese Reise mitzugehen. Man brauchte jemanden für die Betreuung der Kinder und der Reisebatzen musste auch gespart sein. Für viele war es der einzige Ausflug im Jahr. Meistens brauchte es zwei Cars, um alle Frauen mitnehmen zu können.
Im Jahr 2000 wurde beschlossen, aus dem Katholischen Frauenbund auszutreten. Die Kosten waren zu hoch. 2001 wurden neue Statuten ausgearbeitet. Seither heisst der Verein «Frauenverein Sarmenstorf». 2003 wurden neue Ideen ins Leben gerufen, so wurden unter anderem Adventsfenster im Dorf eingeführt und ein Freizeitplausch für die Kinder organisiert.
Im 2015/16 entschied sich der Vorstand für ein Vereinslogo, welches er an der 89. Generalversammlung stolz mit einem lässigen T-Shirt präsentierte.
Einen ersten grossen Schritt wagten die Frauen am Jugendfest 2016 mit einem eigenständigen «Beizli», das dem Motto entsprechend «Taverne Esmeralda» hiess. Dieses Projekt zahlte sich mit einem Gewinn aus und endlich bekommt der Frauenverein ein modernes, zeitgemässes Gesicht – weg vom sogenannten «Haarnadelklub».
Am 2. April feiert der Frauenverein sein 100-Jahr-Jubiläum um 9 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Mehrzweckhalle und anschliessendem Zmorgebrunch.



