Zauberfussball statt Asylantenecke

In Auenstein tummeln sich jeweils am Freitagnachmittag afrikanische Asylbewerber auf dem Fussballplatz Schachen. Dass die jungen Männer dort auf dem Juniorenplatz mit ihren Betreuern «tschutten» dürfen, passt längst nicht allen im Dorf. Vorbehalte wurden laut. Negatives passiert ist jedoch bisher nicht.

Während der Rasen hergerichtet wird: Dario Stuto (l.) und Fabrice Oehrli mit ihren Schützlingen auf dem Juniorenplatz des SV Auenstein/Picchi. Foto: Ruedi Burkart
Während der Rasen hergerichtet wird: Dario Stuto (l.) und Fabrice Oehrli mit ihren Schützlingen auf dem Juniorenplatz des SV Auenstein/Picchi. Foto: Ruedi Burkart

«Der dort im weissen Shirt ist ein technisch ganz starker Spieler. Und der dort, der im roten Pullover, der spielt bereits bei den Junioren des FC Suhr.» Während sich die sieben Asylbewerber aus Eritrea, Äthiopien und anderen afrikanischen Staaten, die an diesem Freitag mit einem kleinen Bus von Suhr nach Auenstein gebracht wurden, mit ein paar technischen Übungen aufwärmen, gibt Fabrice Oehrli Auskunft. Oehrli – ein Cousin zweiten Grades des ehemaligen Skirennfahrers Guschti Oehrli und früher selber begnadeter Fussballer – und sein Kollege Dario Stuto betreuen die Afrikaner und sorgen dafür, dass der Fussballnachmittag in geordneten Bahnen verläuft. «Normalerweise sind noch einige mehr hier. Wir hatten auch schon 15 Asylbewerber, die tschutteten», sagt Stuto.

Dass Asylbewerber aus Suhr zehn Kilometer im Bus nach Auenstein gefahren werden müssen, nur um zwei Stunden lang Fussball zu spielen, wirft Fragen auf. Warum, Dario Stuto, spielt ihr nicht einfach gleich in Suhr? Oder im nahen Aarau? «Nun, es ist nicht einfach, für Asylbewerber einen Fussballplatz zu bekommen», so der Betreuer. Vorbehalte gebe es überall. «Hier beim SV Auenstein/Picchi gab man uns diese Möglichkeit. Das wissen wir zu schätzen und dafür sind wir sehr dankbar.»

Dazu muss man wissen: Stuto – er amtet beim FC Rupperswil als Juniorentrainer – schaut in der Auensteiner Sportplatz-Beiz «El Bistro» zum Rechten, hat also beste Beziehungen. Das bedeutet Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz. «Es gab natürlich vor allem zu Beginn auch kritische Stimmen», so Stuto, «einmal musste ich hören, dass es hier beim Fussballplatz ja keine Asylantenecke geben dürfe.» Gab es bisher nicht, und wird es voraussichtlich auch nie geben. Gut zwei Stunden nach ihrer Ankunft in Auenstein sind die Temporär-Tschütteler nämlich auch schon wieder auf dem Weg zurück nach Suhr.

Gesucht: Occasions-Fussballschuhe

Um ihren Schützlingen das geliebte Hobby zu ermöglichen, sind Stuto und Oehrli immer auf der Suche nach gebrauchten Fussballschuhen. Auf der Homepage des 5.-Liga-Fussballklubs ruft René Bieri dazu auf, nicht mehr benötigte Treter für einen guten Zweck zu verschenken. Der Juniorentrainer des SV Auenstein/Picchi: «Solche Schuhe sind teuer. Das können sich die Asylsuchenden nicht leisten.» Noch bevor das Training am vorletzten Freitag so richtig begonnen hatte, trat Oehrli mit einem triumphierenden Lächeln aus dem Schatten des Garderobengebäudes. «Schaut nur, was ich im Container gefunden habe – ein paar alte Schuhe. Aber die sind genau richtig für uns.»

Wer alte Fussballschuhe gratis abzu- geben hat, meldet sich bei René Bieri, dem Juniorenchef des SV Auenstein/Picchi. E-Mail-Adresse: svajuniorengmail.com

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