Wo kommt denn nur der Kies her?

Niederlenz Die Kieswand ist eindrücklich und erdrückt die staunenden Besucher fast. 35 Meter tief ist das Loch und es hat immer noch viel Abbaumaterial darunter.

<em>Eindrückliche Kieswand: </em>Was der Reussgletscher vor Tausenden von Jahren hierher verfrachtet hat, wurde oder wird innert wenigen Jahrzehnten abgebaut. Doch bald ist das Gebiet Neumatte wieder Landwirtschaftszone Stufe I. Fotos: Peter Winkelmann

<em>Eindrückliche Kieswand: </em>Was der Reussgletscher vor Tausenden von Jahren hierher verfrachtet hat, wurde oder wird innert wenigen Jahrzehnten abgebaut. Doch bald ist das Gebiet Neumatte wieder Landwirtschaftszone Stufe I. Fotos: Peter Winkelmann

<em>«Naturpark Kiesgrube»:</em> Wenn nicht gerade eines der gelben Riesenungeheuer vorbeifährt, sonnen sich überall Eidechsen auf den warmen Steinen.

<em>«Naturpark Kiesgrube»:</em> Wenn nicht gerade eines der gelben Riesenungeheuer vorbeifährt, sonnen sich überall Eidechsen auf den warmen Steinen.

Ein Kieswerk mit den Ausmassen wie im Gebiet Neumatte verändert sich fast tagtäglich. Wo kürzlich noch Kies abgebaut wurde, ist es schon wieder grün, diverse Pflanzen strecken ihre Köpfe der Sonne entgegen und der Glögglifrosch und die Gelbbauchunke haben irgendeine Wasserstelle gefunden, wo sie sich wohl fühlen. Die grossen gelben Ungeheuer mit den breiten Pneus lassen sie kalt – Natur und Technik vertragen sich eben.

Vor Tausenden von Jahren kam der Kies hierher

Am Samstag, 14. September, wollten rund 50 Personen genauer wissen, woher und wie der viele Kies in unsere Gegend kam. Die Kieswerkkommission der Ortsbürgergemeinde Niederlenz lud zu einer interessanten und informativen Besichtigung ein. Tamara Link, Veronika Klemm und Raphael Känzig zeigten den Besuchern beim Spaziergang, wo sich die Tier- und Pflanzenwelt eingenistet hat, wie der Kiesabbau mit modernsten Maschinen vonstattengeht oder wie der Kies hierher kam.

Der Reussgletscher schob während der sogenannten Würm-Kaltzeit (vor 115000 bis 10000 Jahren) gewaltige Geröllmassen vor sich her und lagerte sie an den Seiten (Seitenmoränen) und am Ende der Gletscherzunge (Stirnmoräne) ab. Viele Hügel des schweizerischen Mittellandes sind Überreste solcher Moränen. Vielerorts wie in der Neumatte werden sie zur Gewinnung von Kies genutzt. Aber auch grössere Gesteinsbrocken wurden mitgeschleppt und blieben nach dem Rückgang der Gletscher als Findlinge liegen, so auch der Römerstein im Lindwald. Aber auch der Baldegger- und der Hallwilersee sind Zeugen dieser Zeit. In der rund 35 Meter hohen Kieswand sieht man die verschiedenen Ablagerungsjahrringe sehr gut.

Ideal für die Betonherstellung

Das Gesteinsmaterial ist sehr unterschiedlich, ob Sandsteine, Quarzite oder vulkanischer Tuff – steinharte Brocken aus den Alpen und ideal für die Betonherstellung nebst Sand und Kalk. «Nur den ganz grossen Schatz haben wir noch nicht gefunden», scherzte Michael Sutter, Geschäftsführer der Kies Lenz AG.

Bei einer feinen Wurst vom Grill konnten die Besucherinnen und Besucher das soeben Erlebte nochmals gemeinsam besprechen. Denn morgen sieht das Gebiet Neumatte ziemlich sicher schon wieder ganz anders aus.

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