Wenn die «Zuckerpuppe» für Verwirrung sorgt
Schafisheim Die Theatergruppe Schafisheim zeigt vom 4. bis 6. September «Die Zuckerpuppe». Acht Darstellende sorgen für turbulente Verwicklungen rund um einen Tortenwettbewerb, eine Schaufensterpuppe und ein verdächtiges Stück Unterwäsche.

In der Familie des Konditors Gusti Holzer herrscht Aufregung: Ein Tortenwettbewerb steht bevor, und Gusti ist trotz der Bedenken seiner Familie und seines Gesellen Toni überzeugt, den ersten Preis zu gewinnen. Allerdings reicht auch Toni ohne Wissen seines Chefs eine Torte ein. Was danach folgt, entwickelt sich immer weiter: Ein falsch interpretierter Trostpreis und die unzureichende Sehschärfe von Tante Cilly führen schliesslich sogar zu polizeilichen Ermittlungen. Und ein äusserst eindeutiges Stück Unterwäsche sorgt zusätzlich für Beziehungskrisen.
«Die vielen Möglichkeiten, die sich daraus für Wendungen auf der Bühne ergeben, machen das Stück besonders reizvoll», sagt Tobi Müller, Präsident der Theatergruppe Schafisheim und selbst Darsteller. Eines könne er versprechen: «Es wird sicherlich nicht langweilig.»
Die Theatergruppe zeigt «Die Zuckerpuppe» von Freitag, 4. September, bis Sonntag, 6. September. Bei den Abendvorstellungen am Freitag und Samstag öffnen die Türen um 18 Uhr, am Sonntag um 10.30 Uhr, damit vor der Aufführung noch Zeit für einen Besuch in der Festwirtschaft bleibt.
Proben seit dem Frühling
Acht Personen stehen in diesem Jahr auf der Bühne. Hinzu kommen zahlreiche Helferinnen und Helfer hinter den Kulissen, darunter Regisseurin, Souffleuse und Schminkerin. Neu zum Ensemble gehört Patricia Aeschlimann. Sie hat bereits Theatererfahrung und ist nach Müllers Worten inzwischen so selbstverständlich Teil der Gruppe, dass er beinahe vergessen habe, dass sie erstmals mit der Theatergruppe Schafisheim auf der Bühne steht. Die Auswahl eines Stücks ist dabei keineswegs dem Zufall überlassen. Die Spielkommission müsse viele Faktoren gleichzeitig berücksichtigen, erklärt Müller: die Anzahl der Schauspielenden, die gewünschte Grösse der Rollen, aber auch Bühnentechnik und Platzverhältnisse. Eine Bedingung sei allerdings fast gesetzt: «Ein Stück für unsere Theatergruppe muss sicherlich eine Herausforderung für die Lachmuskeln mitbringen.» Die Rollen werden möglichst passend zum Alter vergeben. Gleichzeitig spielt die Grösse der Rolle eine wichtige Rolle: Viel Text auswendig zu lernen, brauche entsprechend viel Zeit und lasse sich nicht bei allen gleich gut mit Beruf oder Weiterbildung vereinbaren.
Mit den Proben beginnt die Theatergruppe jeweils Ende Februar oder Anfang März, kurz nach der Rollenverteilung. Ein- bis zweimal pro Woche trifft sich das Ensemble. Im August folgt jeweils ein zweitägiges Intensivprobenwochenende. Dann wird bereits mit dem richtigen Bühnenlicht gespielt und an den letzten Details gefeilt – auch unter wenig komfortablen Bedingungen. Mehr als 30 Grad auf der Bühne habe man dabei ebenfalls schon erlebt.
Zunächst müsse vor allem der Text sitzen, sagt Müller. Danach gehe es immer stärker um Timing, aufeinander abgestimmte Sätze und Bewegungen. Bis kurz vor der Premiere werde ausprobiert und verändert. Gerade bei komödiantischen Szenen seien Regie und Souffleuse besonders wichtig: Sie betrachteten das Geschehen von der Publikumsseite und könnten deshalb beurteilen, ob eine Szene tatsächlich funktioniere.
Auch sprachlich wurde das ursprünglich in den 1990er-Jahren im deutschsprachigen Raum gespielte Stück angepasst. Immer wieder entstehen eigene Formulierungen. Gleichzeitig wirft der zeitliche Abstand ganz praktische Fragen auf. «Ist ein Brief noch zeitgemäss? Telefonkabinen sind heutzutage eher Bibliotheken», nennt Müller Beispiele.
Ein Stück mit viel Humor
Dass die Komödie funktioniert, zeigt sich offenbar bereits während der Proben. Einige Szenen sorgen regelmässig dafür, dass selbst das Ensemble aus dem Takt gerät. Besonders das erwähnte Stück Unterwäsche führe immer wieder zu Spielunterbrüchen, erzählt Müller.
Und auch eine kleine Panne blieb nicht aus: Erst kürzlich verfehlte ein Schauspieler die Polstergruppe. Bei diesem «tollpatschigen Schauspieler», wie Müller ihn bezeichnet, handelte es sich um ihn selbst. Gerade diese Unberechenbarkeit mache das Theaterspielen für die Gruppe aus. Die Stimmung im Ensemble sei «harmonisch, lustig und ungehemmt». Besonders gespannt seien die Schauspielerinnen und Schauspieler darauf, wie das Publikum auf das Stück reagiert. «Keine der drei Aufführungen ist gleich wie die andere. Das reizt und fasziniert zugleich.»
Bis das Publikum Platz nehmen kann, ist allerdings weit mehr nötig als Proben und Textlernen. Hinter den Kulissen wird das Stück ausgewählt, Kulissen und Mobiliar werden organisiert und transportiert, Bewilligungen eingeholt und die Feuerwehr für den Parkdienst angefragt.
Inserenten müssen gefunden, das «Theaterblättli» erstellt und in Schafisheim verteilt werden. Dazu kommen die ganzjährige Suche nach Tombolapreisen, Aufbau und Organisation der Tombola sowie die Planung der Festwirtschaft. Auch Verpflegung, Helfereinsätze, Dekoration, Beleuchtung, Bar und Ausschank müssen organisiert werden. Müller selbst hilft neben seinem Einsatz auf der Bühne nach Möglichkeit auch in der Küche oder dort, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. Vieles sei innerhalb der Theatergruppe inzwischen eingespielt.
Was die Besucher nach «Die Zuckerpuppe» mit nach Hause nehmen sollen, ist für Müller deshalb einfach: «Gute Laune und die Erinnerung an einen schönen Abend oder Nachmittag mit feinem Essen und Dessert.» Und wer etwas Glück habe vielleicht auch noch einen schönen Tombolapreis.



