Trotz Hagel bleibt der Hardhof im Kürbisfieber
Möriken-Wildegg Der Kürbisherbst auf dem Hardhof fällt dieses Jahr anders aus als gewohnt. Hagel und Trockenheit haben die Ernte deutlich geschmälert und die Vorbereitungen verzögert. Die beliebte Dekoration gehört trotzdem in diesem Herbst dazu und wird laufend ergänzt.
Wer in den vergangenen Wochen auf dem Hardhof vorbeischaute, konnte zunächst den Eindruck gewinnen, dass es dieses Jahr keine eigentliche Kürbisausstellung gibt. Wo sonst bereits früh im Herbst Kürbisse und Dekoration das Bild prägten, wirkte es zurückhaltender als gewohnt. Doch die Dekoration ist keineswegs verschwunden. Sie kam in diesem Jahr lediglich später als üblich.
Grund dafür war vor allem das Wetter. Nach dem Hagelschlag von Ende August warteten Susi und Jakob Gebhard erst einmal ab, wie sich die Kürbisse auf dem Feld entwickeln würden. «Wir wollten sehen, ob sie faulen», erklärt Susi Gebhard. Schliesslich zeigte sich jedoch, dass die beschädigten Stellen trocken vernarbten. Damit war klar, dass ein grosser Teil der Früchte trotz der Schäden geerntet werden konnte. Rund zwei Wochen später als üblich konnte schliesslich mit der Ernte begonnen werden.
Gleichzeitig hatte die Trockenheit im Sommer deutliche Spuren hinterlassen. Gebhard schätzt, dass es dieses Jahr nur ungefähr halb so viele Kürbisse gibt als sonst. Entsprechend galt es zunächst, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Familie brachte die Ernte ein und baute den Verkauf auf. Erst danach blieb Zeit, sich wieder der aufwendigen Dekoration zu widmen. Inzwischen sei diese mehrheitlich vorhanden – «aber noch nicht fertig, wie eigentlich jedes Jahr», sagt Gebhard schmunzelnd. Denn auch in anderen Jahren wird während der Saison immer wieder umgestellt, ergänzt und weiterdekoriert. Auch optisch präsentiert sich das Kürbiszelt dieses Jahr etwas anders. Der Zelttyp wurde gewechselt, und die Dekoration soll bewusst neu gestaltet werden. An Material dafür fehlt es jedenfalls nicht. Dass die Kürbisdekoration irgendwann ganz verschwinden könnte, schliesst Gebhard aus: «Ohne Deko kein Kürbisverkauf!» Einzelne Stücke werden zwar verkauft oder nach mehreren Saisons entsorgt, die Ausstellung als solche soll aber bleiben. Die Präsentation gehört für die Familie genauso zum Kürbisherbst wie die Früchte selbst.
Hagel sorgt für natürliche «Pocken»
Wie unterschiedlich die verschiedenen Sorten auf den schwierigen Sommer reagiert haben, zeigt sich beim Rundgang durch das Angebot. Manche kamen mit den Bedingungen deutlich besser zurecht als andere. Delica-Kürbisse zum Beispiel vertrugen Hitze und Trockenheit offenbar gut. Muscat-Kürbisse hingegen gibt es in diesem Jahr fast keine. Viele Butternüsse waren beim Hagel bereits weitgehend reif und platzten durch die Einschläge auf.
Bei anderen Früchten hinterliess der Hagel zwar sichtbare Spuren, machte sie aber nicht unbrauchbar. Weil die Wunden trocken vernarbten, können viele dieser Kürbisse dennoch verkauft werden. Beim Rüsten entsteht lediglich etwas mehr Aufwand, weil die beschädigten Stellen entfernt werden müssen. Geschmacklich steht ihrer Verwendung damit nichts im Weg. Und selbst der Hagel hat bisweilen seine dekorativen Seiten. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Halloween-Kürbissen. Durch die Einschläge tragen einige von ihnen natürliche «Pocken». Was bei anderen Sorten eher als Makel wahrgenommen wird, kann hier sogar zum passenden Erscheinungsbild beitragen. «Für Halloween kann das durchaus seinen Reiz haben», sagt Gebhard. Wie lang der Vorrat in diesem Jahr reicht, ist allerdings offen. Aufgrund der deutlich kleineren Ernte dürften sowohl die Speise- als auch die Dekokürbisse kaum bis zum Ende des Herbstes verfügbar sein. Wer eine bestimmte Sorte sucht, kann deshalb nicht unbedingt davon ausgehen, dass diese während der ganzen Saison erhältlich ist. «Wir selbst und die Kundschaft müssen flexibel bleiben», sagt Gebhard. Flexibilität ist zudem beim traditionellen Kürbisweitwurf gefragt. Dieser findet am Sonntag, 1. November, statt. Zwar werden in dieser Saison auch vernarbte und weniger makellose Kürbisse verkauft, für den Weitwurf dürften dennoch genügend unverkäufliche Exemplare übrig bleiben. Und falls die Ernte bis dahin stärker schrumpft als erwartet? Dann bleibt Gebhard pragmatisch: «Ansonsten lassen wir uns etwas einfallen für andere Wurfobjekte.»







