«Wir waren sehr überrascht»

Rupperswil Auf dem ehemaligen Ferrum-Areal in Rupperswil war eine Asylunterkunft geplant – nun steigt die Eigentümerin aus.

Das ehemalige Ferrum-Areal an den Bahngleisen soll sich in den kommenden Jahren zum Wohn- und Gewerbequartier entwickeln.Foto: Sandra Adrizzone
Das ehemalige Ferrum-Areal an den Bahngleisen soll sich in den kommenden Jahren zum Wohn- und Gewerbequartier entwickeln.Foto: Sandra Adrizzone

Eine Asylunterkunft mit 175 Plätzen hätte auf dem einstigen Ferrum-Areal nördlich der Bahngleise in Rupperswil entstehen sollen. Hätte. Denn aus der geplanten Zwischennutzung wird nichts, wie der Kanton am Freitag bekannt gab. Die RS Properties AG als Eigentümerin des Areals habe entschieden, dieses Vorhaben nicht umzusetzen.

Die ursprünglichen Pläne wurden Anfang Juli dieses Jahres publik. Nach dem Umzug der Ferrum AG befinde sich das Areal Bahnhof Nord in einer Transformationsphase, stand damals in einer Medienmitteilung. Die geplante kantonale Asylunterkunft auf einer Teilfläche sei zeitlich auf 15 Jahre befristet und tangiere die geplante Entwicklung des Areals nicht. Offen war, ob die Räumlichkeiten für Familien oder alleinreisende Männer genutzt werden sollen. Für die Anmietung und die Einrichtung der temporären Unterkunft sei ein Kredit von voraussichtlich rund 8,5 Millionen Franken nötig, hiess es. Ein Bezug sei frühestens ab Mitte des Jahres 2028 möglich.

Die Botschaft lag zum Versand bereit

Der Rückzieher der Eigentümerin habe sich nicht abgezeichnet, sagt Stephan Alexander, Leiter Unterabteilung Asyl beim Kantonalen Sozialdienst, auf Nachfrage. «Wir wurden diese Woche informiert und waren sehr überrascht.» Der Entscheid werde bedauert, aber selbstverständlich akzeptiert.

Der politische Prozess für die kantonale Asylunterkunft war auf Kurs, führt Alexander aus. Einige Vorleistungen waren bereits getätigt. Nicht nur sei zusammen mit der RS Properties AG die Machbarkeit geprüft worden. Auch die Botschaft an den Grossen Rat lag am Freitag fixfertig zum Versand bereit. Voraussichtlich noch in diesem Jahr hätte der Kredit im Kantonsparlament behandelt werden können. Da in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit solchen Projekten gemacht worden seien, wäre auch mit dem nötigen politischen Rückhalt zu rechnen gewesen, ist Alexander überzeugt.

Im Asylbereich gilt noch immer die Notlage

Eine gewisse Enttäuschung sei vorhanden, räumt Alexander ein. Aber: «Wir müssen den Blick nach vorn richten und schauen, wie und wo wir nun weitere Plätze realisieren können.» Auf solche sei der Kanton dringend angewiesen. Denn nach wie vor, daran habe sich seit Januar 2023 nichts geändert, gelte im Asylbereich die Notlage.

Die Auslastung in den bestehenden oberirdischen Unterkünften sei mit über 90 Prozent sehr hoch. Nur in den acht unterirdischen Notunterkünften gebe es noch gewisse Reserven, fügt Alexander an. Der Wegfall des Grossprojekts in Rupperswil und der dort geplanten oberirdischen Plätze bedeute, dass sich die Unterbringungssituation nicht entschärfe und die Notlage weiter andauere. Bei den Zuweisungen von Asylsuchenden durch den Bund sei in nächster Zeit voraussichtlich nicht mit einer Entspannung zu rechnen.

Die Eigentümerin äussert sich auf Anfrage mit einem kurzen schriftlichen Statement zu ihrem Entscheid, das Projekt für eine Asylunterkunft nicht weiterzuverfolgen: «Nach einer unternehmerischen Gesamtbeurteilung boten die Rahmenbedingungen und die verbleibenden Planungs-, Bewilligungs- und Investitionsrisiken aus unserer Sicht keine ausreichend verlässliche Grundlage für die Realisierung.»

Bis zu 450 Personen und 100 Arbeitsplätze

Das rund 2,3 Hektaren grosse Ferrum-Areal – mehr als drei Fussballfelder gross – soll sich zum Wohn- und Gewerbequartier entwickeln. Seit gestern Freitag liegt der Gestaltungsplan zur öffentlichen Mitwirkung auf. Aufgezeigt werden in diesem die Vorgaben für Nutzung, Bebauung, Freiräume und Erschliessung. Für die gesamte Ausführung wird je nach Verlauf der Arbeiten und Verfahren mit einem Zeitraum von 5 bis 15 Jahren gerechnet, hält die Gemeinde in einer Medienmitteilung fest. Je nach Entwicklungsverlauf könnten im neuen Quartier 300 bis 450 Einwohnerinnen und Einwohner erwartet werden, neben etwa 100 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Die Ferrum AG hat ihren Standort heute in Schafisheim, wo im September des letzten Jahres ein neuer Erweiterungsbau eingeweiht wurde. Bekannt ist die weltweit tätige Firma – mit ihrer über 100-jährigen Geschichte – für Dosenverschliesser und Industriezentrifugen. Durch die Abspaltung des Immobilienbereichs ist 2017 die RS Properties AG entstanden.

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