Strom aus Abwärme bei der «Zementi»

Aus dem Hochkamin der Jura-Cement-Fabriken in Wildegg kommt nur noch selten Dampf. Grund dafür ist die neue Wärme-Rückgewinnungs-Anlage.

Oben ohne, unten mit: Aus dem Kamin kommt kein Dampf mehr, dafür aus den Kühltürmen der neuen Wärmerückgewinnungs-Anlage bei den Ju- ra-Cement-Fabriken. Foto: zvg

Oben ohne, unten mit: Aus dem Kamin kommt kein Dampf mehr, dafür aus den Kühltürmen der neuen Wärmerückgewinnungs-Anlage bei den Ju- ra-Cement-Fabriken. Foto: zvg

Gigantische Dimensionen: Marcel Bieri und Urs Portmann erklären die neue Wärme-Rückgewinnungs-Anlage bei den Jura-Cement-Fabriken in Wildegg. Foto: Fritz Thut

Gigantische Dimensionen: Marcel Bieri und Urs Portmann erklären die neue Wärme-Rückgewinnungs-Anlage bei den Jura-Cement-Fabriken in Wildegg. Foto: Fritz Thut

Was lange währt, wird endlich gut. Dies gilt auch für die Jura-Cement-Fabriken (JCF) in Wildegg. Seit ein paar Monaten ist bei der «Zementi», wie der Betrieb im Volksmund genannt wird, eine Anlage in Betrieb, die die beträchtliche Abwärme des Zementofens in elektrische Energie umwandelt.

«Der Entscheid für den Bau der Anlage ist vor sieben Jahren gefallen», sagt Marcel Bieri, der Leiter Produktion Zement Schweiz der JCF. Nachdem der Vertragspartner die Anlage falsch dimensioniert hatte, wurde sie in angepasster Grösse vor drei Jahren in Betrieb genommen. Nach einer weiteren Anpassungs- und Testphase wurde diesen Frühling der Betrieb endgültig gestartet.

Die Neuerung war für die Anwohner nachzuvollziehen. Weil die Abgase aus dem Zementofen, die eine Temperatur von bis zu 400 Grad Celsius erreichen, nun für die Stromerzeugung verwendet werden, verlassen die Dampfschwaden das Werk nicht durch das hohe Kamin, sondern via zwei tiefer gelegene, kleinere Kühltürme.

Generator mit 2 Megawatt Leistung

Die neue Wärme-Rückgewinnungs-Anlage hat, wie an einer Medienorientierung gezeigt wurde, riesige Dimensionen. In verschiedenen Stufen werden die heissen Abgase derart gereinigt und abgekühlt, dass sie via eine Dampfturbine einen Generator antreiben. Die Leistung liegt bei rund 2 Megawatt, wie der für die Anlage zuständige Mitarbeiter Urs Portmann erklärte.

Diese Leistung ergibt im Jahr eine Energiemenge von rund 14 Gigawattstunden. Dies entspricht laut Bieri etwa dem Stromverbrauch von 3500 Durchschnittshaushaltungen. Die rückgewonnene elektrische Energie wird jedoch vom JCF-Werk selbst wieder verwendet; sie entspricht etwa einem Fünftel des Gesamtbedarfs.

Mit dieser Stromerzeugungsanlage will die «Zementi» ihren «ökologischen Fussabdruck weiter reduzieren», wie Produktionsleiter Bieri ausführte. Man habe sich zum Ziel gemacht, das Maximum aus der Abwärme herauszuholen.

Im weiteren wird die nötige Brennenergie des Ofens immer mehr aus alternativen Rohstoffen, wie etwa Altpneus oder Klärschlamm, gewonnen. Bereits seit längerem wird aus Abwärme ein lokales Fernwärmenetz gespiesen, an dem neben 40 Liegenschaften auch das Schwimmbad Wildegg angeschlossen ist.

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