So tickt die Niederlenzer Dorfjugend

Niederlenz Anfang Jahr stand der Jugendtreff beinahe vor dem Aus, es fehlte an Erwachsenen, die sich für den Treff einsetzen. Jetzt ist er wieder auf Kurs. Der Lenzburger Bezirks-Anzeiger hat nachgefragt, was der Jugendtreff der Dorfjugend bedeutet.

<em>Beliebt:</em> Der Jugendtreff in Niederlenz. Foto: zvg
<em>Beliebt:</em> Der Jugendtreff in Niederlenz. Foto: zvg

Das Licht ist gedimmt, die Discokugel blitzt, Billardkugeln klacken. Zwei Mädchen sitzen sich im Schneidersitz auf ausladenden Sofas gegenüber, lachen unverblümt; am Töggelikasten freut sich jemand lauthals über ein Goal, dann setzt der Takt der Musik ein. Ein Jugendlicher hat am DJ-Pult stehend grad sein Smartphone angeschlossen.

«Ich finde es toll, dass wir hier unsere eigene Musik abspielen können, und das laut», sagt Dilara (14). Sie ist eine der Jugendlichen aus dem Dorf, die regelmässig den Jugendtreff nutzen. Und das sind nicht wenige. «Die Jugendlichen kommen gerne und oft hierher», weiss Yves Nater, Mitglied des Betreuerteams und Co-Präsident des Trägervereins Jugendtreff Niederlenz. Bis zu 50 Jugendliche zählt der Treff an guten Abenden. Das sind mehr Jugendliche, als andere Jugendtreffs verzeichnen können.

Vor allem 6.-Klässler machen rege Gebrauch davon. «Sie bleiben dann rund zwei Jahre, dann kommt eine neue Generation.» Der Grund für den Generationenwechsel hat wohl mit dem Betäubungsmittelgesetz zu tun, das die Abgabe von Wein und Bier an über 16-Jährige erlaubt. «Für ab 16-Jährige ist der Jugendtreff nicht mehr so attraktiv», erklärt Nater. «Wir haben keinen Alkoholausschank.»

Bald beginnt wieder die Hauptsaison des Jugendtreffs Niederlenz namens «T-Zone» – unter den Jugendlichen aber hauptsächlich als «Jugendtreff» geläufig. «Ab November ist bei uns Hochsaison», verrät Nater. Der Ort, wo sich Jugendliche treffen, um mit Gleichaltrigen «abzuhängen», ist vor allem während der kalten Jahreszeit im Herbst/Winter gefragt. Sobald es wieder wärmer wird, sinkt die Nachfrage. «Ist es warm, treffen sich die Jugendlichen draussen», so Nater. Deshalb macht der Jugendtreff auch eine ausgedehnte Sommerpause. Dieses Jahr begann diese am 15. Juni und endet am 24. August. Bei den Daheimgebliebenen fehle dann aber doch etwas, verrät Nater. Oft werde er in der langen Pause darauf angesprochen, wann der Treff wieder aufgeht. Bald ist es nun wieder so weit und die Tore des Treffs unterhalb des Schulgeländes im ehemaligen Feuerwehrlokal sind wieder jeden Freitagabend, und je nach Bedarf auch am Mittwochnachmittag, geöffnet.

Verstärkung gesucht

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Nach holprigen Anfängen vor elf Jahren startete der Treff nach einer Probephase mit dem Segen der Einwohnergemeinde und guten Rückmeldungen aus der Nachbarschaft durch. An Jugendlichen mangelte es nie, wohl aber an Erwachsenen. Bis vor kurzem stand der Weiterbestand des Treffs deshalb auf der Kippe.

Der ehemals vier Personen starke Vorstand hatte sich nach mehreren Abgängen ohne Neuzugänge auf zwei Personen minimiert. Nur noch Yves Nater und seine Frau Alexandra, die seit der Vereinsgründung dabei ist, hielten die Stellung. Für sie war klar: «Alleine können wir nicht weitermachen.» Ein Aufruf im Dorfgeischt sorgte dann für den bitter nötigen Umschwung und Verstärkung. Der Vorstand besteht nun sogar aus fünf Personen. Die Rettung für den Treff.

Zwischenfälle gab es noch nie

Noch mangelt es aber an freiwilligen Helfern. Auflage für den Treff ist nämlich, dass mindestens jeweils ein Erwachsener vor Ort ist. «Das Betriebsteam kann durchaus noch Verstärkung brauchen», sagt Nater. Die Mitglieder des Teams sorgen für das leibliche Wohl der Jugendlichen, betreuen die Infrastruktur und sind, wenn nötig, Ansprechpartner. Das werde aber selten gebraucht, weiss Nater. «Die Jugendlichen sind selbstständig und wollen am liebsten einfach unter sich sein.» Auch die Musik bringen sie selber mit. Animation sei nicht gefragt. Anfängliche Versuche, für die Jugendlichen ein Programm zu bieten, seien kläglich gescheitert. «Das kam überhaupt nicht an», erinnert sich Yves Nater.

Gut bei den Jugendlichen ankommen tut das Träff-Verpflegungs-Angebot zu kostendeckenden Preisen mit Popcorn, Chips, Schlecksäckli, Lollis und Pizzas – Letztere ist der absolute Renner bei den Jugendlichen, verrät Nater, der den «Träff» rund zweimal monatlich betreut. Sein Platz ist hauptsächlich am Tresen hinter der Bar. Dort heizt er den Ofen ein und kümmert sich um das leibliche Wohl der Jugendlichen. Viel anderes gibt es nicht zu tun. Auch den Rauswerfer, Schlichter oder Moralapostel brauchte er noch nie zu stellen. «Ich musste noch nie intervenieren.» Und auch für die offizielle Sperrstunde um 22.30 Uhr brauche es keinen Mahnfinger. «Das Lokal leert sich immer von ganz alleine.»

Die Jugend schätzt den Ort, um ungestört unter sich zu sein. «Wenn ich einen Scheisstag hatte, gehe ich gern in den Treff, um herunterzufahren und mich abzulenken», sagt Neil (13) und auch für Arlind (13) ist der Treff ein wichtiger Ort: «Wenn ich die Schnauze voll habe von meinen Eltern, komme ich hierher. Ich töggele gerne, schwatze mit Freunden oder spiele Fangis.»

Das Bedürfnis, die Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen, ist bei den Jugendlichen gross. Alle Befragten geben an, dass sie den Treff besuchen, um Freunde zu treffen. Für Nater ist klar: «Es ist wichtig, dass der Jugendtreff Niederlenz auch in Zukunft der Dorfjugend zur Verfügung steht, das Angebot wird gebraucht und geschätzt.»

Wer sich für den Jugendtreff engagieren möchte, findet alle nötigen Kontakte unter www.5702.ch.

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