Schwester Iniga Affentranger hat als Seelsorgerin der Pfarrei Wildegg demissioniert
Seit 2000 pendelte Schwester Iniga Affentranger zwischen dem Kloster Baldegg und der Region Lenzburg. 14 Jahre wirkte sie als Gefängnisseelsorgerin. Nun hat sie auch als Seelsorgerin der Pfarrei Wildegg demissioniert.

Am 30. Januar machte sich Schwester Iniga Affentranger letztmals auf, um zum Pfarrhaus in Wildegg zu fahren. Sie erinnert sich noch gut an den 17. August 2004, als sie in der St. Antoniuskirche Wildegg als Seelsorgerin begrüsst wurde. Nun schliesst sich der Kreis. Die nun 74-Jährige hat demissioniert und zieht sich ins Kloster Baldegg zurück.
Schwester Iniga zeigt sich dankbar über all die unfallfrei abgefahrenen Kilometer. Nachdem sie bereits während vier Jahren mit einem Pensum von 45 Prozent in der Lenzburger Justizvollzugsanstalt JVA tätig war, entstand in der Pfarrei Wildegg eine Vakanz. Schwester Iniga war bereit, sich vollumfänglich in den Dienst der Seelsorge zu stellen. Mit viel Herzblut gestaltete sie Gottesdienste in den fünf Altersheimen des Pastoralraums Region Lenzburg.
Bei Erstkommunion- und Firmfeiern, Patrozinien und vielen anderen Anlässen war Schwester Iniga immer präsent. Sie führte unzählige Seelsorgegespräche und war lange Jahre Mitglied des Pfarreirates. Stets engagiert und einfühlsam, hatte sie immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitmenschen.
In Bescheidenheit lebte sie Tag für Tag das Evangelium. Am Sonntag, den 11. Februar, um 11 Uhr wird Schwester Iniga in der St. Antoniuskirche Wildegg in einem feierlichen Gottesdienst mit grossem Dank verabschiedet. Anschliessend wird im Saal ein Imbiss offeriert.
Im Vatikan gewohnt und gearbeitet
Die Baldegger Schwester wuchs in Hitzkirch als Tochter des Posthalters auf und liess sich im Kloster Baldegg zur Hauswirtschaftslehrerin ausbilden. Sie trat 1967 ins Kloster ein, legte 1969 die Profess ab, erwarb in den Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch Diplome und nahm ihre Lehrtätigkeit auf. Im Vatikan arbeitete sie auf dem deutschsprachigen Sekretariat einer international kirchlichen Vereinigung und wohnte selbst im Vatikan. In den folgenden Jahren war sie in klostereigenen Schulen in der Erwachsenenbildung tätig.
14 Jahre Gefängnisseelsorgerin
Martin L. Pfrunder, früherer Direktor der JVA, suchte im Jahre 2000 eine qualifizierte Persönlichkeit für die Gefängnisseelsorge. Er wollte diese höchst anspruchsvolle Aufgabe einer Frau anvertrauen. Schliesslich machte er sich persönlich auf die Suche und fand in Schwester Iniga die geeignete Frau.
In einem Frauengefängnis in Neapel hörte Schwester Iniga einst eine klare innere Stimme: «An so einem Ort möchte ich Seelsorge machen.» Welche Fügung – 30 Jahre später. Der Wunsch erfüllte sich für die sprachgewandte Frau, die die Fähigkeit besitzt, gut zuhören zu können. Bis 2014 begleitete sie Strafgefangene in der JVA auf ihrem Weg zu einer möglichen Umkehr und bot ihnen eine seelische Zuflucht. Mut und Zuversicht für die schwierige Aufgabe schöpfte sie im Gebet.



