Sandsäcke haben ausgedient
In Wohlen wurde das Hochwasserrückhaltebecken eingeweiht. Mit diesem Bauwerk werden die Bevölkerung und die Siedlungsgebiete an der Bünz von Wohlen bis Möriken-Wildegg umfassend vor Hochwasser geschützt.

Die Bevölkerung von Wohlen, Dottikon, Hendschiken, Othmarsingen und Möriken-Wildegg kann aufatmen. Das erstellte Hochwasserrückhaltebecken in Wohlen und Kernstück des regionalen Hochwasserschutzprojekts Bünztal schützt inskünftig vor Überschwemmungen. Sandsäcke werden keine mehr benötigt. Die erlebten Hochwasser sowie die Gefahrenkarte Hochwasser im Jahre 2009 zeigten den Handlungsbedarf auf. Allein das Hochwasser vom 19./20. Mai 1994 verursachte im Bünztal Schäden von über 14 Millionen Franken. Nach mehrjähriger Planung und einer Bauzeit von zwei Jahren konnte am vergangenen Freitag das Hochwasserrückhaltebecken eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Es handelt sich gar um ein Vorzeigeprojekt. Denn die Hochwasserproblematik wurde nicht isoliert innerhalb einer Gemeinde betrachtet, sondern über eine gesamte Talschaft oder einen Teil davon. Gemäss diesem Ansatz wurden bereits diverse regionale Projekte mit Rückhaltebecken realisiert. Das Hochwasserrückhaltebecken in Wohlen bildet das grösste im Kanton Aargau und wird ergänzt durch den Teilausbau der Bünz in Wohlen, Dottikon und Möriken-Wildegg. Die Kosten für das gesamte Hochwasser-Projekt betragen rund 24 Millionen Franken.
600000 Kubikmeter Wasser stauen
Das Hochwasserrückhaltebecken besteht aus einem u-förmigen, 850 Meter langen Erddamm, welcher den Stauraum abschliesst. Das Durchlassbauwerk bildet das Herzstück der Anlage. Mit dem Durchlass wird der Abfluss der Bünz aus dem Becken automatisch auf 30,5 m/s reduziert. Ab dieser Abflussmenge staut sich das Wasser hinter dem Damm auf. Das Rückhaltebecken vermag 600000 Kubikmeter Wasser aufzunehmen. Damit ist das Becken so gross, dass selbst wenn alle Aargauerinnen und Aargauer ihre vollen Badewannen ablassen würden, es nur zu einem Achtel gefüllt wäre. Das regionale Hochwasserschutzprojekt Bünztal wird von Bund, Kanton Aargau, den Gemeinden Wohlen, Dottikon, Hendschiken, Othmarsingen und Möriken-Wildegg sowie der Aargauischen Gebäudeversicherung und der Mobiliar Versicherung finanziert.
Alphornklänge und «Öisi Bünz»
«... Es isch halt eusi Bünz ond drum i alln’e lieb»: Markus Zumsteg von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer stieg treffend ein mit dem Gedicht «Öisi Bünz» von Robert Stäger. Die Einweihung lockte viele Interessierte und Geladene. Als Redner traten Landammann Stephan Attiger, der Wohler Gemeinderat Ruedi Donat sowie Urs Graf, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Aargauischen Gebäudeversicherung, auf. Attiger blickte auf den weiten Planungsweg zurück und dankte nach allen Seiten. «Hochwasser gehört im Kanton Aargau zu den am häufigsten auftretenden Naturgefahren», erklärte Attiger. Ruedi Donat war nicht der Einzige, der überzeugt ist, dass diese nun gebannt sind.



