Robin Grossmann und das Manöver
Robin Grossmann (30) ist einer der besten Defensivakteure des Landes. Auch wenn er seit 15 Jahren nicht mehr dort wohnt, wo er aufgewachsen ist, zieht es den Dintiker Eishockeyprofi immer wieder in die Region. Mindestens alle zwei Jahre ist er auf Stippvisite in Lenzburg.

Er ist kein Mann der lauten Worte und sucht die grossen Auftritte weiss Gott nicht. Doch in den vergangenen Tagen und Wochen rückte Robin Grossmann immer wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses. Der Offensiv-Verteidiger des EV Zug machte sportlich von sich reden, weil ihm immer wieder entscheidende Treffer gelangen. «Ich spiele eine gute Saison», meinte der Dintiker denn auch, «dieses Jahr gehen meine Schüsse rein. Letzte Saison war das weniger der Fall.» Grossmann erreichte im vergangenen Frühling mit dem EV Zug den Play-off-Final gegen Bern. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele im kommenden Winter in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang schien also alles den gewünschten Gang zu nehmen. Doch jetzt fällt der 100-fache Nationalspieler mit einer Schulterverletzung für rund drei Monate aus – adieu Olympia.
Da ist aber auch noch die Sache mit dem Lausanne HC. Weil Grossmanns Vierjahresvertrag mit den Zentralschweizern Ende der laufenden Saison ausläuft, kamen Mitte Oktober erste Gerüchte auf, der Dintiker sei dem Lockruf der Waadtländer gefolgt und habe einen mehrjährigen, gut dotierten Kontrakt unterschrieben. Seit letzter Woche ist es nun Gewissheit: Grossmann verlässt den EV Zug Ende der aktuellen Saison mit einem Vierjahresvertrag in der Tasche gen Westen. Künftig wird der passionierte Süsswasser-Kapitän sein Boot also im Genfer- statt im Zugersee wassern.
Das Highlight: der WM-Final 2013
Auch wenn sich sein früherer Traum von einer Karriere in der nordamerikanischen NHL mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr erfüllen wird – Grossmann ist bereits 30-jährig –, der Dintiker hat in seiner Karriere schon ein imposantes Palmarès erreicht. Er wurde mit dem HC Davos zweimal Schweizer Meister, gewann mit der Nationalmannschaft 2013 sensationell WM-Silber und erreichte mit dem EVZ den Play-off-Final. Begonnen hatte die Karriere indes im kleinen Rahmen: auf der idyllischen, offenen Kunsteisbahn in Wohlen. Dort, am Ufer der Bünz, wo in den nächsten Monaten eine Eishalle entsteht, «knebelte» klein Robin mit seinen Schulkollegen an freien Nachmittagen auf dem abgesperrten Teil der Eisfläche. Bald lernte er beim Nachwuchs des 3.-Liga-Klubs HC Wohlen Freiamt das Eishockey-ABC. Grossmanns Talent war sofort augenscheinlich, bereits im Alter von 12 Jahren schloss er sich der Organisation des EHC Kloten an. «Damals schlief ich noch in Dintikon und ging auch dort zur Schule. Aber mein Lebensmittelpunkt war in Kloten», erinnert sich Grossmann. Nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit zog Grossmann in eine Sportler-WG nach Kloten. 2008 schliesslich folgte der Wechsel zum HC Davos, vor vier Jahren gings zurück ins Unterland nach Zug. Bis zum Wechsel im kommenden Frühjahr wohnt Grossmann mit seiner Frau noch in Baar.
Seine «alte Heimat» hat der Eishockeyprofi indes nicht vergessen. Zum einen, weil seine Eltern weiterhin in Dintikon wohnen. Und er immer wieder auf Besuch ist. Zum anderen, weil er ein begeisterter Anhänger des Freischarenmanövers in Lenzburg ist. Grossmanns Augen beginnen zu leuchten: «Da bin ich immer mit dabei. Das gehört bei mir ins Programm.» Am 13. Juli 2018 ist es wieder so weit. Wechsel zum Lausanne HC hin oder her.



