Patricia Bohle übernimmt dieStiftung Theodora
Hunzenschwil Nach mehr als drei Jahrzehnten geben die Gründer die operative Leitung per 1. Juni ab. Mit Patricia Bohle tritt eine Frau an die Spitze, die die Arbeit seit Jahren von innen kennt – und sie behutsam weiterentwickeln will.
Wenn Kinder im Spital lachen, obwohl sie Schmerzen haben oder Angst verspüren, dann ist meist ein besonderer Besuch im Gange. Seit über 30 Jahren sorgt die Stiftung Theodora in der ganzen Schweiz dafür, dass solche Momente möglich werden. Nun beginnt ein neues Kapitel: Mit Patricia Bohle übernimmt erstmals eine neue Generation die operative Führung.
Für Patricia Bohle ist der Wechsel kein Neuanfang, sondern ein Weitertragen. «Der Wechsel in der Geschäftsführung ist für uns kein Bruch, sondern eine bewusste Weiterführung», sagt sie. Gemeinsam mit zwei Co-Direktorinnen versteht sich die neue Leitung als «Hüterin des Spirits der Stiftung». Dieser sei geprägt von der Überzeugung, dass die Präsenz der Traumdoktorinnen und Traumdoktoren «einen echten Unterschied macht: Wir schenken Momente der Freude, reduzieren Ängste durch Ablenkung und bringen Leichtigkeit in schwierige Situationen.»
Das Wertefundament soll bleiben – ebenso der Anspruch, langfristig zu denken. Ziel sei es, die Stiftung so aufzustellen, «dass es sie auch in 100 Jahren noch gibt». Gleichzeitig sieht Bohle Entwicklungspotenzial: Die Zusammenarbeit mit Spitälern soll weiter vertieft, der Beruf der Traumdoktorinnen und Traumdoktoren stärker anerkannt und junge Menschen früh für die Mission sensibilisiert werden.
Die neue Geschäftsführerin kennt die Stiftung aus nächster Nähe. Als bisherige Programmverantwortliche war sie verantwortlich für Auswahl, Ausbildung und Begleitung der Künstlerinnen und Künstler sowie für die Planung der Einsätze. Gerade diese Nähe habe sie geprägt: «Weil ich so nah an der Wirkung unserer Arbeit bin, ist mir die Stiftung über die Jahre sehr ans Herz gewachsen.»
Ein Erlebnis ist ihr besonders geblieben. Auf der Neonatologie habe sie miterlebt, wie eine Traumdoktorin leise Violine spielte und mit einer Feder sanft über den Arm eines Neugeborenen strich. «Das Kind wurde sichtbar ruhiger, und die Pflegefachperson konnte es in diesem Moment gut versorgen. Ich war ehrlich gesagt sprachlos.»
Solche Begegnungen sind für sie zentral – auch künftig. Trotz Führungsfunktion will Bohle nahe am Alltag bleiben: regelmässiger Austausch mit den Teams, Besuche in Spitälern und direkter Kontakt mit den Einsätzen. «Diese direkte Begegnung mit unserer Wirkung ist und bleibt zentral.»
Entlastung in einem belasteten System
Die Bedeutung der Stiftung wächst, denn der Druck auf Spitäler nimmt zu. Personalmangel und Sparzwänge prägen den Alltag vieler Einrichtungen. Hier sieht Bohle die Rolle der Stiftung als Ergänzung: «Unsere Besuche werden vollständig über Spenden finanziert und sind für die Spitäler mit keinerlei Kosten verbunden.»
Die Wirkung zeige sich auf mehreren Ebenen: Kinder würden ruhiger, Angehörige entlastet, das Fachpersonal könne in entspannterer Atmosphäre arbeiten. «Diese Form der psychosozialen Unterstützung kann Prozesse nicht ersetzen, aber sie kann sie positiv beeinflussen.»
Auch inhaltlich reagiert die Stiftung auf Veränderungen. Die Ausbildung wird erweitert, etwa mit stärkerem Fokus auf Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zudem prüft man weitere Einsatzfelder ausserhalb klassischer Spitalbesuche – jedoch vorsichtig und fachlich fundiert.
Teamarbeit statt Einzelspitze
Die Stiftung setzt weiterhin auf eine kollektive Führung. Patricia Bohle trägt zwar die Gesamtverantwortung, Entscheidungen werden jedoch gemeinsam vorbereitet. «So verbinden wir klare Verantwortung mit kollektiver Perspektive», erklärt sie.
Die Gründer bleiben als Freiwillige verbunden und treten weiterhin an ausgewählten Anlässen auf. Für Bohle ist das wertvoll: «Ihre Verbundenheit gibt Kontinuität und Vertrauen, während die operative Verantwortung klar bei der neuen Führung liegen wird», so Bohle.
Blick in die Zukunft
In zehn Jahren möchte sie nicht nur Zahlen sehen, sondern Erinnerungen hören. «Ich würde mich über jedes Kind freuen, das uns Jahre später erzählt, wie es sich noch an die Besuche erinnert.» Ebenso wichtig sei eine stabile Organisation, die auch in kommenden Generationen Bestand hat.
Kraft schöpft die neue Frau an der Spitze der Stiftung aus dem Team, aber auch privat: aus der Familie, aus Bewegung und aus neuen Projekten. «Gemeinsam etwas Sinnvolles zu bewegen, gibt mir Energie.»
Die Aufgabe bleibt dieselbe wie seit der Gründung: schwierige Situationen leichter machen. Nur die Verantwortung dafür liegt bald in neuen Händen.









