Panzerhemd als Attraktion
Im Festsaal von Schloss Wildegg wurde die Sonderausstellung zum Saisonthema von Museum Aargau eröffnet: Im Zentrum steht ein reich verziertes Panzerhemd.

Im 17. Jahrhundert stürmten die Osmanen quer durch den Balkan nach Norden und wenig fehlte, sie hätten das ganze Abendland erobert. Bei der entscheidenden Schlacht um Wien war mit Bernhard Effinger der damalige Schlossherr von Wildegg dabei. Er kämpfte im Kürassierregiment (schwere Reiter) von Friedrich Ludwig von Hallwyl auf Seiten von Leopold I., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.
Siegreich. Er selbst kam zwar mit einer Kriegswunde aus Wien zurück, brachte aber auch Beutestücke mit. «Diese Türkenbeute hatte für die Effinger eine grosse Bedeutung», sagt Stefan Egli, der zusammen mit Lea Schieback die Sonderausstellung «Ein Effinger im Kampf für Kaiser Leopold I.» kuratiert hatte. Entsprechend wurden die Stücke in Ehren gehalten. Zuletzt lagen die Schätze allerdings in einem Kasten.
Ans Licht geholt
Von dort wurden sie nun hervor- und ans Licht geholt. Die Türkenbeute passt bestens ins Jahresmotto von Museum Aargau, «Kaiser, Könige und Königin». Panzerhemd, Armschienen und Krummsäbel stehen nun in einem Glaskasten im Zentrum der Sonderausstellung. Das reich verzierte Panzerhemd wurde auf eine Büste aufgezogen, wo es sich viel eindrücklicher präsentiert als vorher in einem dunklen Schrank.
Das Prunkstück besteht aus Messing und ist teilweise vergoldet und versilbert: «Die Grösse der Ringe ist entscheidend für den Wert», so Kuratorin Schieback. Das ausgestellte Hemd weist sehr kleine Ringe auf und ist deshalb besonders wertvoll. Schieback: «Da steckt enorm viel Arbeit dahinter.»
Dies realisierte auch Grossratspräsident Benjamin Giezendanner an der Vernissage, als er in ein anderes Panzerhemd schlüpfte und anschliessend fand: «Das ist aber noch bequem.» Zusätzlich ausstaffiert mit einem Säbel liess er sich aus aktuellem Anlass zu einem Bonmot bewegen: «Da bekommt der Begriff Stichentscheid gleich eine neue Bedeutung.»



