Nachwuchs bei Familie Biber
Der Biber, der sich vor zwei Jahren am Iserädli-Wehr in Niederlenz niedergelassen hat, hat eine Familie gegründet. Das stellt die Biotop-Schützer vor neue Herausforderungen.

«Niederlenz wird zu Biberlenz», freut sich Frank Hämmerli, Leiter Forstdienste Lenzia, über den Biberzuwachs am Aabach. In den vergangenen zwei Wochen waren die beim Wehr beheimateten Biber emsig am Werk gewesen und haben die Landschaft mitgestaltet. Dämme haben sie zwar keine errichtet – der Wasserspiegel beim Wehr ist tief genug –, aber die Biberspuren sind unübersehbar. Spaziergängern ist das auch aufgefallen. Sie haben der Redaktion Bildmaterial der eindrücklichen Biberspuren beim Aabach-Abzweiger am Dorfausgang Richtung Wildegg zugesandt.
Eine der angenagten Eschen steht auf einem fein säuberlich abgenagten Stamm mit gerade noch zweieinhalb Zentimetern Durchmesser. Eigentlich ein Wunder, dass sie noch steht. Bald aber wird der beschädigte Baum weichen müssen. «Hier müssen wir eingreifen», sagt Frank Hämmerli. «Es geht auch um die Sicherheit der Spaziergänger des Wanderwegs am Bach entlang.»
Bald keine Bäume mehr?
Die Forstdienste Lenzia haben den Auftrag vom Kanton, den Lebensraum der geschützten Biber am Aabach unterstützend zu gestalten. Auch vor drei Wochen habe man diese Absicht gehabt, als Meister Bockert sich an einer Weide gütlich tat und diese fiel. «Wir haben aufgeräumt und das gefallene Astwerk zu einem Asthaufen aufgetürmt», erzählt Willi Bürgi von der Landschaftskommission Niederlenz, der die lokale Verantwortung über das Biberschutzgebiet trägt. «Das war ein Fehler.» Den Bibern gefiel die neue Ordnung nicht, das Astwerk liessen sie links liegen und holten sich Frischholz.
Die Zeit, in der die Biber Baumrinde fressen, ist zwar auf den Winter beschränkt – im Sommer ernähren sie sich überwiegend von Blättern, Kräutern und Wasserpflanzen –, mit dem erneuten Schlag von vergangener Woche waren sich die involvierten Parteien jedoch einig: «Wenn der Biber in diesem Tempo weiterholzt, hat es in kürzester Zeit beim Iserädli-Wehr keine Bäume mehr.» Eine Lösung musste her, und zwar rasch. Die zugezogenen Fachleute empfahlen, die gefallenen Bäume ins Wasser zu legen, denn der Biber frisst am liebsten direkt im Wasser. «Sobald es nicht mehr feucht ist, werden wir den Schlag ins Wasser ziehen und dort befestigen», sagt Frank Hämmerli.
Nur der Biber darf Bäume fällen
Forstdienste und Landschaftskommission mussten sich auch überlegen, was der Biber beim Iserädli-Wehr darf und was nicht. Der Lebensraum der Niederlenzer Biber greift nämlich vom Aabach-Gebiet in eine Altholzinsel über, das sind zweieinhalb Hektaren unberührtes Land mit einem vom Kanton auferlegten Nutzungsverbot bis ins Jahr 2060. Ein wahres Biberparadies. Aber im Grunde genommen dürften dort in den nächsten vierzig Jahren keine Bäume gefällt werden.
Die Biotop-Pfleger haben sich nun darauf geeinigt, dass man den Biber gewähren lässt und er auch auf der Altholz-Insel seinen Lebensraum gestalten und holzen darf, jedoch mit Einschränkungen. Hämmerli erklärt: Alle schützenswerten Bäume werden mit Gitterkörben am unteren Teil vom Stamm eingefasst. Genug zu fressen werden die Biber trotzdem haben, sagt Willi Bürgi: «Wenn wir keine Fehler machen, hat die Niederlenzer Biberfamilie hier über Jahre genug Futter.»



