Letzte Ruhe im Waldgebiet Lenzia
Heidi Honegger war die Erste, die im Waldgebiet «Himmlische Eichen» bei Niederlenz jemanden beigesetzt hat. Für sie ist es die stimmigste Form der Bestattung, nach der sie lange gesucht hatte.

Friedhöfe sind längst nicht mehr die einzig möglichen Bestattungsorte. Immer mehr Menschen wünschen sich eine Beisetzung in der freien Natur. Im Waldgebiet «Himmlische Eichen» bei Niederlenz bieten die Forstdienste Lenzia seit März 2016 Waldbestattungen an, seither haben rund fünfzehn Bestattungen stattgefunden, zwanzig Bäume sind reserviert. Markus Dietiker, Projektleiter der «Himmlischen Eichen» der Forstdienste Lenzia, ist zufrieden mit der Bilanz und freut sich über «eine steigende Nachfrage».
Im Waldfriedhof ist es möglich, die Asche von Verstorbenen bei einem zuvor ausgesuchten Baum beizusetzen. Auch Familien- oder Gemeinschaftsbäume sind möglich. «Der Gedanke, dass die eigene Asche einen ausgesuchten Baum nährt und zum Blühen bringt, macht für mich Sinn», sagt Heidi Honegger aus Niederlenz. «Wir kommen alle von der Natur und gehen zurück in die Natur.» Die 73-Jährige war die Erste, die im Waldgebiet «Himmlische Eichen» jemanden beigesetzt hat.
Bezug zum Ort und zur Natur
Bereits Anfang vierzig hat sich Heidi Honegger Gedanken darüber gemacht, wo und wie sie einmal begraben werden möchte. Auslöser dafür sei der plötzliche Tod ihres ersten Mannes, aber auch frühere Verluste in der nahen Familie gewesen. Dass sich Leute schon so früh mit dem eigenen Ableben beschäftigen, sei eher die Ausnahme, sagt Markus Dietiker. «In der Regel sind die Interessenten um die siebzig Jahre alt.»
Die Niederlenzerin Heidi Honegger geht im Waldstück hinter dem Sportplatz Altfeld, wo sich das Waldstück der «Himmlischen Eichen» befindet, schon seit Jahren immer mit ihrem Hund spazieren. Als sie Anfang 2016 erfuhr, dass ausgerechnet dort ein Waldfriedhof entstehen soll, war ihre Überraschung und Freude gross. «Genau nach einer solchen Bestattungsmöglichkeit habe ich immer gesucht.»
Auch ihrem Mann habe die Art der Bestattung «quasi vor der Haustüre und mitten in der Natur» zugesagt, erzählt Honegger rückblickend. «Ich bin froh, konnte ich ihm den Baum noch zeigen, bevor er kurz darauf starb.»
Seine letzte Ruhestätte fand ihr Mann im Waldboden bei Niederlenz. Seine Asche setzte die konfessionslose Heidi Honegger vor der kirchlichen Abdankung ohne spezielle Zeremonie selbst bei. «Eine Feier beim Baum hätte den Abschied für mich nur noch emotionaler gemacht», erklärt sie. Der Baum des Paares – eine rund 45 Zentimeter dicke Eiche– befindet sich im hinteren, stärker bewachsenen Teil des Waldstücks, abseits der Wege, wo nur wenige Spaziergänger die letzte Ruhestätte passieren. Ein Abschnitt des Waldfriedhofs, der laut Markus Dietiker bei den Interessenten am beliebtesten ist.
Auch Heidi Honegger und ihrem Mann gefiel der Standort, dieser sei bei der Baumauswahl ausschlaggebend gewesen. Es gebe aber durchaus Leute, für die auch die Baumart wichtig sei, sagt Markus Dietiker. Eichen seien besonders beliebt. Zur Auswahl stehen im Lenzia-Waldfriedhof derzeit 134 beständige Bäume, neben Eichen gibt es auch Lärchen, Tannen oder Buchen im Angebot.
Grabplatten, Inschriften, Blumen oder Kerzen sucht man an und bei den Bäumen des Walfriedhofes vergebens. Lediglich eine Nummer oder Initialen am Baum helfen den Angehörigen, sich zu orientieren. Das sei bewusst so gehalten, erklärt Markus Dietiker. «Der Wald soll wie ein Wald aussehen und nicht wie ein Friedhof.» Solcherlei sei auch nicht nötig, um zu gedenken, findet Heidi Honegger. «Mein Mann und ich waren 35 Jahre verheiratet, da kommen viele Erinnerungen zusammen.»
Seit Heidi Honegger ihren Mann im Waldstück zur letzten Ruhe gebettet hat, schaut sie auf ihren Spaziergängen regelmässig kurz bei «unserem Baum» vorbei. Eine Grabpflege sei zwar nicht nötig, trotzdem sehe sie gerne nach dem Rechten.
Auch der Tod hat seinen Preis
Preislich könne der Waldfriedhof mit einem Einzelgrab gut mithalten, findet Heidi Honegger. Der Grundpreis für einen Baum beträgt 4300 Franken. Für die zweite Person beim selben Baum beträgt der Preis noch die Hälfte. Es gilt: je dicker der Baum, desto höher der Preis. Die letzte Ruhestätte im Wald hat zwar ihren Preis, dafür bleibt die Asche, wo sie ist. Denn der Waldboden ist geschützt. «Ein beruhigender Gedanke», findet Heidi Honegger.
Der Preis des Lebens ist bekanntlich der Tod. Davor fürchten tut sich die Pensionärin, die sich selbst als Realistin bezeichnet, nicht. «Der gehört zum Leben dazu.» Bis dahin hinterlässt sie hoffentlich noch lange Spuren zusammen mit ihrem Vierbeiner im Lenzia-Wald.



