Lebensraum für Pflanzen und Tiere
Der Steinbruch Oberegg ist nicht einfach ein riesengrosses Loch am Hang der Gisliflue: Die Oberegg lebt. Die Grube beherbergt eine Vielzahl seltener und bedrohter Pflanzen und Tiere.

Wenn die Jura-Cement-Fabriken (JCF) mit dem Auffüllen der Oberegg mit sauberem Aushubmaterial aus der Region beginnt, bleibt der am höchsten gelegene Bereich unangetastet. Denn dort hat JCF Teiche für Amphibien wie die Gelbbauchunke oder eine Steinhalde mit Kalkblöcken für Reptilien angelegt. Während der Auffüllarbeiten werden zudem Fachpersonen die Lebensräume naturschutzfachlich pflegen, damit Pflanzen wie das Rosmarinblättrige Weidenröschen, das vor allem Schuttflächen bewächst, nicht wieder verschwinden.
Im Steinbruch heimische Pflanzen- und Tierarten bevorzugen Feuchtgebiete, Kiesbänke oder Geröllhalden und somit Lebensräume, die heute durch die Begradigung von Flüssen selten geworden sind. Abbaugebiete wie das der JCF mit vielen Felshalden und Schuttflächen sind ausgezeichnete Ersatzstandorte für diese Arten, und für ihre Existenz essenziell.
Hochwertiger Lebensraum erhalten
Auf einem Rundgang durch die drei Steinbrüche erläuterte Umweltingenieurin Anita Weder von der Firma SKK Landschaftsarchitekten in Wettingen die wichtigsten Massnahmen zur Erhaltung bedrohter Pflanzen und Tiere. «Der Steinbruch ist eine Nische für bedrohte Arten», umschreibt sie ihre Aufgaben, «die Natur ist nur bedingt planbar, man muss darum auch entsprechend reagieren.»
Nebst der reichen Pflanzenvielfalt und vieler kleiner Amphibien und Reptilien sind in den Steinbrüchen mittlerweile auch Tiere von blossem Auge sichtbar. In der Oberegg klettern neun Gämsen in den steilen Wänden umher, in der Unteregg übernehmen Ziegen die Pflanzenpflege. Sie rücken jenen Sträuchern zu Leibe, die sonst die Orchideen verdrängen würden. René Deubelbeiss ist seit vielen Jahren Chef der Steinbrüche, er kennt sich hier bestens aus. «Die Ziegen haben hier einen grossen Stellenwert», erzählt er, «sie haben sich an uns gewöhnt – und wir mögen sie.»
Der beste Aargauer Apfelsaft kommt aus dem Jakobsberg
In der Grube Jakobsberg lagert die JCF den für die Rekultivierung notwendigen Humus. Landwirt Samuel Schmid aus Veltheim pflegt diesen fruchtbaren Boden seit 2010 und hat rund 2400 Apfelbäume angepflanzt. Der Apfelsaft aus dem Steinbruch hatte 2016 im aargauischen Süssmostqualitätswettbewerb sogar die Goldmedaille erhalten.
Und wie sehr sich Technik und Natur gegenseitig vertragen, sieht man auch im Jakobsberg, wo intensiv gearbeitet wird und schwere Maschinen Spuren hinterlassen. Diese füllen sich bei Regenwetter schnell mit Wasser, und schon entsteht neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen. JCF trägt zu dieser ökologischen Vielfalt Sorge, und räumt der Natur bei all ihren Aktivitäten einen wichtigen Platz ein.



