Kalkreserven reichen noch vier Jahre

Um den Weiterbetrieb der Jura-Cementfabrik Wildegg (JCF) für weitere 25 bis 30 Jahre zu sichern, möchte das Unternehmen den bestehenden Steinbruch abtiefen und in drei Bereichen begrenzt ausdehnen.

Erweiterung West in der Oberegg: Während der vordere Teil der Oberegg bereits aufgefüllt und rekultiviert wird, plant die JCF ganz hinten eine Erweiterung des Abbauvolumens um ca. 1 Million Kubikmeter Kalkgestein. Auf dem Plan sind die neuen Abbaug
Erweiterung West in der Oberegg: Während der vordere Teil der Oberegg bereits aufgefüllt und rekultiviert wird, plant die JCF ganz hinten eine Erweiterung des Abbauvolumens um ca. 1 Million Kubikmeter Kalkgestein. Auf dem Plan sind die neuen Abbaugebiete rot eingezeichnet. Die neuen Gebiete sind deutlich kleiner als vom Richtplan Januar 2017 genehmigt (blaue Linie). (Fotomontage: PWi)

Spätestens im Frühjahr 2020 werden die Einwohnerinnen und Einwohner der beiden direkt betroffenen Gemeinden Auenstein und Veltheim darüber abstimmen, ob die JCF im Steinbruch Jakobsberg-Egg unter Einhaltung strenger Regeln weiterhin Kalk und Mergel für die lokale Zementproduktion abbauen darf. Die Gesteinsreserven im heutigen Steinbruch sind in drei bis vier Jahren erschöpft. Damit die JCF auch danach bestehen kann, ist die Erschliessung zusätzlicher Rohstoffe unumgänglich.

An einer Presseorientierung vergangenen Freitag informierte die JCF im Beisein von Gemeinderat Ernst Joho, Auenstein, und Gemeindeammann Ueli Salm, Veltheim, über die neuste Entwicklung zur geplanten Steinbruch-Erweiterung. Das präsentierte Projekt beschränkt sich auf drei reduzierte Teilbereiche westlich und östlich des bisherigen Steinbruchs sowie die Abtiefung und beschränkte Ausdehnung des bestehenden Steinbruchs im mittleren Abschnitt. Der neu angestrebte Perimeter ist deutlich kleiner ausgelegt als noch im Richtplan Januar 2017 festgelegt. Er ist aber immer noch gross genug, um ausreichend Rohstoff für den Betrieb der Zementfabrik für die nächsten rund drei Jahrzehnte zu sichern.

Es sind drei Abbaugebiete vorgesehen. Das Abbaugebiet West in der Oberegg gehört den Ortsbürgern Auenstein und der JCF. Hier sollen rund 1 Million Kubikmeter zusätzlich abgebaut werden. Der Zeitraum des Abbaus liegt von 2022 bis ins Jahr 2030.

Das Abbaugebiet Mitte liegt im Gebiet «Im Müller–Moosmatt» und wird landwirtschaftlich genutzt. Das Land gehört zwei Privatbesitzern und der JCF. Hier sollen im Zeitraum von 2035 bis 2045 rund 2 Millionen Kubikmeter Kalk abgebaut werden. Und im Abbaugebiet Ost, das der Ortsbürgergemeinde Veltheim, einer Privatperson sowie der JCF gehört, soll zwischen 2028 und 2040 ebenfalls 1 Million Kubikmeter Kalk abgebaut werden.

Reduktion der Immissionen

Als Voraussetzung für die Steinbruch-Entwicklung hatten die Gemeinderäte von Auenstein und Veltheim eine weitere substanzielle Reduktion der erlaubten Immissionen gefordert. Die nun mit der JCF in einem neuartigen Zusatzvertrag vereinbarten Regeln gehen deutlich weiter als die gesetzlichen Vorgaben. Eine Kommission, bestehend aus Vertretern beider Gemeinderäte, je zwei Vertretern aus der Bevölkerung beider Gemeinden und der JCF (Letztere ohne Stimmrecht), kontrolliert die Einhaltung der verschärften Vorgaben bezüglich Erschütterungen, Lärm und Staub und kann bei Überschreitungen bei den Gemeinderäten Sanktionen beantragen.

JCF konnte die Auswirkungen von Sprengungen bereits deutlich reduzieren. Sie hat damit begonnen, die Tiefe der notwendigen Sprengungen zu verringern, und vermehrt immissionsärmere Flächensprengungen vorgenommen. Auch alternative Abbaumethoden wie die laufenden Tests mit Bodenfräsen werden weiterhin geprüft und angewendet. «Wir waren bisher nie ausserhalb der Grenzwerte», betonte Stephan Sollberger, Projektleiter Steinbruch-Entwicklung JCF, «aber wir sind bestrebt, diese noch weiter zu unterschreiten.»

«Ohne Immissionen geht es nicht», hielt Gemeinderat Ueli Salm dagegen, «aber es darf nicht übermässig sein. Das haben wir der Bevölkerung gegenüber zu verantworten.»

Ausblick ins Jahr 2050

Die Steinbruch-Entwicklung im Gebiet Jakobsberg-Egg ist mit dem Abschluss der Renaturierung und der Rekultivierung sämtlicher Flächen endgültig abgeschlossen. Die JCF ist verpflichtet, alle Bereiche gemäss den Vorgaben der Abbaubewilligung zu pflegen und im vereinbarten Endzustand an die Grundeigentümer zurückzugeben. Dafür leistet das Unternehmen genügende finanzielle Garantien.

Die JCF muss den Abbau auf umweltverträgliche Weise und gemäss strengen gesetzlichen und behördlichen Vorgaben gestalten. Schon heute schafft das Unternehmen im bestehenden Steinbruch wertvolle Lebensräume für seltene heimische Pflanzen und Tiere. Die Naherholungsgebiete rund um den Steinbruch sollen durch die Steinbruch-Entwicklung möglichst wenig beeinträchtigt werden. Das angestrebte Projekt lässt Fuss- und Wanderwege möglichst unberührt und schafft temporäre Alternativen sowie neue Zugänge.

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