«Ich gehe auf die Stör»

Schafisheim Daniela Zum-steg hat sich mit ihrem Pilotprojekt «Stör-Sozialbegleiterin» einen lang gehegten Traum erfüllt. Für vier bis fünf Monate wird sie als «Fahrende» unterwegs sein.

<em>Innenleben noch nicht fertig: </em>Das hindert Daniela Zumsteg und Kater Lenny nicht daran, mit dem gemieteten Traktor und dem umgebauten Baustellenwagen auf die Stör aufzubrechen. Foto: Carolin Frei
<em>Innenleben noch nicht fertig: </em>Das hindert Daniela Zumsteg und Kater Lenny nicht daran, mit dem gemieteten Traktor und dem umgebauten Baustellenwagen auf die Stör aufzubrechen. Foto: Carolin Frei

Eigentlich hätte ich am Montag starten wollen, aber ich brauche noch ein paar Fahrstunden», sagt Daniela Zumsteg. Fahrstunden, um ein acht Meter langes Gefährt bestehend aus einem gemieteten Traktor und einem umgebauten, eigenen Baustellenwagen manövrieren zu können. «Das Parkieren ist nicht ganz einfach und das Retourfahren extrem schwierig. Los gehts aber definitiv am Mittwoch», sagt die Sozialbegleiterin aus Schafisheim.

Erster Einsatz in Uetendorf

Die Idee, ihre Arbeitskraft sozusagen als «Fahrende» anzubieten, ist bereits vor Jahren gereift. Klar war schon damals, dass sie dies nicht mit einem Wohnmobil umsetzen möchte, sondern mit einem umgebauten Baustellenwagen. «Ein Bekannter von mir war für einige Monate mit einem Zirkus unterwegs und lebt das ganze Jahr in einem Bauwagen. Dieses spezielle Ambiente schätze ich sehr, deshalb kam für mein Projekt nur ein solches Gefährt in Frage.» Ihr erstes Ziel ist Uetendorf bei Thun. Dort wird sie eine Familie mit drei Kindern unterstützen, die wegen des Hausumbaus etwas überfordert sind. Weitere Aufträge hat sie noch keine. Die 44-Jährige wird sich auf ihrer Reise – die voraussichtlich nach Thun über den Jaunpass, das Greyerzerland, Solothurn und Baselland führt – jeweils spontan bei den Sozialämtern nach Arbeit als Springerin erkundigen.

Was macht eine Sozialbegleiterin eigentlich genau? Daniela Zumsteg: «Meine Einsatzgebiete sind vielfältig, reichen von Hilfestellungen bei Wohnungsräumungen über Alltagsbetreuungen in schwierigen Situationen bis hin zu Sterbebegleitung. Meist sind es jedoch nur kurze, dafür intensive Einsätze.» Wenn es in diesem Bereich gerade nichts zu tun gibt, werde sie bei Bauern, in Restaurants oder an Festivals arbeiten. Auch das ist kein Neuland für sie.

Kater Lenny reist mit

Vor drei Jahren hat Daniela Zumsteg den Baustellenwagen gekauft und mit dem Umbau angefangen. Neues Täfer wurde eingezogen und ein Bett gezimmert, unter dem verschiedene Holzkisten verstaut werden können. «Für alle Arbeiten hatte ich professionelle Unterstützung, habe aber immer auch selber Hand angelegt», betont sie. Bis zur Abreise wird nicht alles an Inneneinrichtung fertig sein. Die Küche, das Kompost-WC, Tisch, zwei Stühle jedoch schon. Strom bezieht sie von den Photovoltaik-Panels auf dem Dach, Wasser führt sie in einem grossen Tank mit. Es gibt jedoch weder Heizung noch Warmwasser. Unterwegs wird sie noch das eine oder andere zimmern und sich Vorhänge nähen. An Gesellschaft wird es ihr ebenfalls nicht fehlen, reist doch Kater Lenny mit. Wenns ihm nicht behagen sollte, darf er in Schafisheim bei einer Freundin leben.

Zum Träumen angeregt

Wie hat das Umfeld auf dieses Stör-Projekt reagiert? Daniela Zumsteg: «Alle finden es cool, wenn auch bei einigen kleine Bedenken mitschwingen. Für viele war es zudem ein Anstoss, über ihre eigenen Bedürfnisse und Träume vertieft nachzudenken.»

Bis September oder Oktober möchte sich die 44-Jährige Zeit lassen, um ihren Traum als Stör-Sozialbegleiterin zu leben. Dann gehts zurück nach Schafisheim. Ob das Projekt in eine weitere Runde geht, wird sich auf der Reise zeigen. Aber so oder so, ein Ofen wird noch eingebaut, damit das Gefährt auch wintertauglich ist. Verfolgen kann man das Projekt über den Blog auf www.1klang.

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