«Horner» ade, der Abschied tut weh

Nach 147 Jahren Dynastie Baumann wird der beliebte Trucker-Treff bei Hendschiken endgültig geschlossen. Grund für eine gross angelegte Abschieds-Party mit Hunderten von Gästen.

Gab an der Abschieds-Party noch einmal ihr Bestes: Die Horner-Belegschaft. Foto: Heiner Halder
Gab an der Abschieds-Party noch einmal ihr Bestes: Die Horner-Belegschaft. Foto: Heiner Halder

Eine solche Sause wie am Samstagnachmittag mag es in der langen Geschichte des bodenständigen Landgasthofes mit der gutbürgerlichen Hausmannskost im «Horner» schon öfters gegeben haben. Dass die Finissage mit der letzten Gelegenheit, in den gemütlichen Lokalitäten eine fröhliche Zeit zu verbringen, noch einmal zahlreiche Besucher anlockte, ist der beste Beweis, dass hiermit in der regionalen Gastronomie Unwiederbringliches für immer verloren geht: Eine Oase gleichsam für rastlose Fernfahrer und sesshafte Stammgäste.

Und so wurde bis spät in die Nacht hinein gefeiert, gebechert, gegessen, gesungen, gerockt, geschunkelt und getanzt (wegen Platzmangel auch mal auf dem Tisch). Für Stimmung sorgten DJ Super Mario und Alleinunterhalter Chäbu Ming, welcher der Wirtin eigens ein Abschiedslied gewidmet hat. Trotz Wehmut war die quirlige Sonja noch einmal in Hochform und Wirt Paul beobachtete das lebhafte Treiben draussen und drinnen mit Wohlwollen.

Die Jungmannschaft und das Personal gaben zusammen mit Helferinnen und Helfern noch einmal das Beste aus Küche und Keller. Da blieb keine Kehle trocken und kein Magen leer. Für Traurigkeit blieb da buchstäblich kein Platz. Auch nicht für eine sentimentale Abdankungsrede. Sonja und Paul Baumann bedanken sich deshalb auf diesem Weg bei ihren Gästen für die langjährige Treue und die vielen Stunden unbeschwerten Beisammenseins in trauter Runde.

Die Ära Baumann im «Horner» begann anno 1870, als der Bierbrauer Johann Baumann hier neben dem Eigenbräu auch eine Brennerei und eine Mosterei betrieb. 1907 übernahm Sohn Hans die Wirtschaft, 1908 folgte Bruder Adolf, und nach dessen Tod 1946 Witwe Marie Baumann; Sohn Paul führte ab 1951 den Gastbetrieb. 1985 kehrte Paul Junior aus dem Ausland zurück und erwarb in vierter Generation mit Gattin Sonja das Traditionshaus.

Während ihrer Amtszeit boomte das Geschäft mit den Fernfahrern aus aller Welt, welche auf der neu erstellten Autobahn A1 die Ausfahrt Lenzburg und alsbald den Weg zum «Horner» fanden, wo der einstige Baumgarten einem grossen Parkplatz für die Lastenzüge weichen musste. Während dieses Gästesegment rückläufig war, bestand der Zulauf bis heute aus Einheimischen aus der Region. Paul und Sonja Baumann treten in den Ruhestand, der Gasthof wurde verkauft und das Areal wird wahrscheinlich umgenutzt. «Horner» ade, Scheiden tut weh.

Weitere Artikel zu «Region», die sie interessieren könnten

Das Geschäftsleitungsteam mit Michelle Randazzo, Steven Weill und Barbara Schelker (von links).Foto: Peter Winkelmann
Region12.08.2026

«ZämeZyt» fast wie zuhause

Rupperswil Seit Anfang August gibt es im Alters- und Pflegeheim Länzerthus ein neues interessantes Tagesbetreuungsangebot. «Mehr Lebensfreude, mehr…
Freuen sich auf die «Zuckerpuppe»: Die Mitglieder der Theatergruppe Schafisheim.Foto: zvg
Region12.08.2026

Wenn die «Zuckerpuppe» für Verwirrung sorgt

Schafisheim Die Theatergruppe Schafisheim zeigt vom 4. bis 6. September «Die Zuckerpuppe». Acht Darstellende sorgen für turbulente Verwicklungen rund um einen…
Auch die Kleinen hatten ihren Spass auf dem Korbkarusssell.Foto: Peter Winkelmann
Region05.08.2026

Die Schweiz als Heimat haben und hier leben dürfen

Rupperswil Die Bundesfeier fand zum ersten Mal in der Reithalle des Auhofs ausserhalb des Dorfes statt. Organisiert wurde sie ebenfalls zum ersten Mal von der…