Hier wächst mehr als nur Gemüse

Holderbank Zwischen Tomatenraritäten, duftenden Kräutern und alten Sorten, die fast in Vergessenheit geraten sind, lädt der Effingerhort zum Setzlingsverkauf ein. Doch die Bio-Gärtnerei hoch über dem Aaretal ist weit mehr als ein Ort für Pflanzenliebhabende – sie ist auch ein Ort der Begegnung, der Entwicklung und des gelebten Miteinanders.

Blick von oben: In Reih und Glied.Foto: Romi Schmid

Blick von oben: In Reih und Glied.Foto: Romi Schmid

Farbenfrohe Vielfalt.Foto: Romi Schmid

Farbenfrohe Vielfalt.Foto: Romi Schmid

Mit geübten Handgriffen wird eingepflanzt.Foto: rsc

Mit geübten Handgriffen wird eingepflanzt.Foto: rsc

Wer in diesen Tagen den Effingerhort besucht, erlebt nicht einfach einen Verkauf, sondern ein regelrechtes Eintauchen in die Welt der Pflanzen. «Ein Einkaufserlebnis mit einer sehr grossen Sortenvielfalt und zahlreichen ProSpecieRara-Pflanzen», sagt Stefan Hermanek, Bereichsleiter Arbeit und Tagesstruktur. Die Organisation setzt sich für den Erhalt traditioneller und lokaltypischer Pflanzensorten ein – ein Anliegen, das auch im Effingerhort sichtbar wird. Ergänzt wird das Angebot durch den Hofladen, in dem Produkte aus der hauseigenen Einmachküche erhältlich sind: Pasta, Sugo, Pesto, Sirupe, Konfitüren oder Snacks.

Sortenvielfalt und persönliche Beratung

Besonders gefragt sind in diesem Jahr mehrjährige Insekten- und Bienenweidepflanzen sowie Gemüsesetzlingsmischungen mit alten Sorten – etwa bunte Randen, verschiedenfarbige Karotten oder diverse Salatarten. Insgesamt ist die Auswahl beeindruckend: Allein 35 Tomatensorten, 6 Basilikumarten und 12 verschiedene Salate stehen zur Verfügung, dazu unzählige andere Gemüse- und Pflanzenarten.

Der Setzlingsverkauf richtet sich dabei nicht nur an erfahrene Hobbygärtnerinnen und -gärtner. Er ist «für alle sehr lohnenswert», sagt Hermanek. Individuelle Fragen würden gerne beantwortet – genau das unterscheide den Effingerhort auch von klassischen Gartencentern. Neben der persönlichen Beratung sei es auch der Ort selbst, der den Besuch besonders mache: die Lage mit Blick über das Aaretal und die Vielfalt seltener Sorten.

Produziert wird nach den strengen Richtlinien von Bio Suisse. «Alle Rohmaterialien, Saatgut, Dünger, Kulturerde und Nützlinge werden entsprechend produziert und eingekauft – der ganze Bio-Kreislauf wird eingehalten», erklärt Benedikt Frei, der die Gärtnerei leitet. Dass auch auf ProSpecieRara-Sorten gesetzt wird, ist kein Zufall: «Die Sortenerhaltung ist ein sehr wichtiges Gut für die genetische Vielfalt unserer Lebensgrundlagen und die Ernährungssicherheit.» Entsprechend stark sei die Nachfrage nach diesen Sorten in den letzten Jahren gestiegen.

Ein Ort mit sozialem Mehrwert

Doch die Gärtnerei ist nicht nur Produktionsort, sondern auch ein zentraler Bestandteil des sozialen Auftrags des Effingerhorts. «Die Arbeit in und mit der Natur ergibt eine wertvolle Synergie», so Stefan Hermanek. Für die Menschen, die hier wohnen und arbeiten, entstehen Erfolgserlebnisse, die weit über das Gärtnern hinausgehen. «Sie können sich als wertvolles Mitglied der Gesellschaft erleben, indem sie ihren Beitrag leisten.»

Die Arbeit mit Pflanzen hat dabei eine besondere Wirkung: Vom Aussäen bis zur Ernte wird der gesamte Wachstumsprozess sichtbar – ein Erlebnis, das Struktur gibt und motiviert. Besonders wertvoll sind auch die direkten Begegnungen mit der Kundschaft. «Die tägliche Arbeit bekommt einen höheren Stellenwert, der Selbstwert und die Motivation werden gestärkt», ergänzt Frei.

Dass die Gärtnerei stark produktionsorientiert ist, stellt zwar höhere Anforderungen, eröffnet aber auch Perspektiven: «Es ist eine gute Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt. Auf diesem Weg dürfen wir immer wieder Menschen begleiten.»

Die Zukunft sieht Hermanek klar in der Öffnung nach aussen: «Wir möchten mehr Kundinnen und Kunden durchs ganze Jahr begrüssen und nebst dem Verkauf ein Ort des Austauschs und der Begegnung sein.» Ein Ort also, an dem nicht nur Pflanzen wachsen, sondern auch Beziehungen.

Setzlingsverkauf: 20. April bis 22. Mai, Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Effingerhort.

Weitere Artikel zu «Region», die sie interessieren könnten

Süsser die Glocken nie klingen: Bereits 30 Melodien sind finanziert.Grafik: zvg
Region15.07.2026

19 Glocken und zwei besondere Geschichten

Staufen Das geplante Carillon am Staufner Trafoturm nimmt konkrete Formen an. Alle Glocken sind vergeben, die Baubewilligung liegt vor und der Liefervertrag…
Rund 60 Kinder und 3 Männer rannten um schnelle Zeiten, 23 erhielten eine Medaille.
Region08.07.2026

100 Jahre Sport, Kameradschaft und Gemeinschaft

Niederlenz Am Freitag, 19. November 1926, wurde die Männerriege Niederlenz gegründet. Ob sportlich aktiv oder vielseitig präsent an Dorfanlässen – der Verein…
Mit Vollgas durch die Manege.
Region08.07.2026

Manege frei – Schafisheim feiert

Schafisheim Trotz grosser Hitze wurde in Schafisheim am Wochenende gefeiert, gelacht und applaudiert. Das Jugendfest stand ganz im Zeichen des Zirkus – mit…