«Halten Sie die Augen offen!»
Am 27. Gewerbeapéro der Neuen Aargauer Bank vom vergangenen Dienstag stand mit «Industrie 4.0 – Chance für KMU?!» keine leichte Kost auf dem Programm. Die Redner mahnten die Gewerbetreibenden zum innovativen Handeln und zur Kreativität.

Laut Fachleuten stecken wir mitten in der 4. industriellen Revolution. Sie sind sich einig: Nach der Mechanisierung, dem Fliessband und der Automatisierung wird die derzeitige Digitalisierung der Produktion – die sogenannte Industrie 4.0 – den Arbeitsmarkt grundlegend verändern – auch darüber, dass einige Firmen den Zug verpassen werden.
Umso wichtiger seien derzeit Innovation und Kreativität, mahnte Erich Renfer, Präsident des Gewerbevereins Lenzburg und Umgebung, in seiner Begrüssung der rund 100 Gewerbetreibenden, die am Dienstag den Weg in die Stiftung für Behinderte zum Gewerbeapéro gefunden hatten. Der Gewerbeverein organisiert den Anlass dieses Jahr bereits zum 27. Mal zusammen mit der Neuen Aargauer Bank. Auch Stadtrat Daniel Mosimann richtete sich mit einem Grusswort und einer Einstimmung zum Thema an die Gewerbler. «Mit der Digitalisierung und der Globalisierung entwickeln sich neue Formen des Arbeitens», so Mosimann. Es würden Arbeitsplätze abgebaut, aber auch geschaffen. Und er sei sich sicher: «Der Prozess ‹Industrie 4.0› wird unser Arbeitsverständnis verändern.»
Um was es sich bei «Industrie 4.0» handelt, erläuterte nachfolgend Beat Dobmann, Technologie- und Innovationsexperte vom Hightech Zentrum Aargau, unter anderem anhand von Beispielen wie dem Kühlschrank, der merkt, dass der Lieblingskäse alle ist, und nach Rücksprache mit dem Besitzer im Online-Shop neuen bestellt. Oder für die Bauwirtschaft: ein virtuelles Gebäudemodell mit den Daten aller Planer.
Düstere Prognosen von Experten
Von Software, die lernt, optimiert und sich via Internet austauscht, versprechen sich die Fachleute viel. Der Nutzen eines solchen Verbunds der Technologien liege auf der Hand, so Dobmann: «Höhere Qualität und Produktivität, weniger Fehler und Effizienzsteigerung.» «Industrie 4.0» birgt aber auch Risiken. Experten rechnen aufgrund der Digitalisierung in der Produktion etwa mit einem Rückgang der Arbeitsplätze für weniger gut qualifizierte Arbeitnehmer und prognostizieren, dass die Lohnschere noch mehr auseinandergehen wird, kurz: Die sozialen Ungleichheiten werden zunehmen. «Ist das nicht etwas allzu pessimistisch?», wollte Moderator Thomas Rühl an der anschliessenden Podiumsdiskussion von Dobmann wissen. Dieser konterte, dass es sich für Firmen auf jeden Fall lohne, hinzuschauen. Überwiegend viele Firmen seien noch nicht für die Digitalisierung gerüstet. Dobmann warnte, dass die Veränderung der Konkurrenzsituation Geschäfte «über Nacht» vernichten kann, und nannte berühmte Beispiele wie Kodak, Nokia oder die Musikindustrie.
Als gutes Beispiel für eine bereits fortgeschrittene Digitalisierung der Produktion diente am Abend die ortsansässige Kromer Print AG. Auch Geschäftsleiter Andy Amrein ist überzeugt, dass sich der «Industrie 4.0» niemand entziehen kann. «Alle Branchen sind betroffen. Auch für den normalen Milchbauern wird die 4.0- Melkanlage in wirtschaftlicher Hinsicht überlebenswichtig sein.»
Dobmann entliess die Gewerbetreibenden zum Apéro riche mit einem Aufruf: Entscheidend sei jetzt für Firmen, die Welle der Veränderung gut zu überstehen. «Halten Sie die Augen offen und seien Sie offen für Neues!»



