«Gutes entsteht aus Absichtslosigkeit»
Pino Stranieri gestaltet Aufnahmen von gewaltiger Aussagekraft. Daneben ist der Germanist auch ein Wortakrobat mit Augenzwinkern. Nun stellt er seine Werke am kommenden Wochenende der Öffentlichkeit vor.
Ungeduldig, ja das sei er, jedoch: «Das Fotografieren schenkt mir Geduld, entschleunigt mich», weiss Pino Stranieri. Eigentlich sei er auch im täglichen Leben sowohl als auch – geduldig wie ungeduldig. Wortspielereien liegen ihm, und man muss schon ganz genau zuhören, um die Nuancen des Gesagten aufzufangen. Doch die Wortspielereien sollen nun in den Hintergrund rücken und seiner Passion, der Fotografie, Platz machen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit in der Erwachsenenbildung konzentriert er sich ganz und gar auf das Bild. Seine Aufnahmen haben es kürzlich zusammen mit einem Interview in den Bildband «Fotospiegel» von Sony geschafft.
Das Auge bleibt an der Makroaufnahme einer Fliege hängen, das Bild lässt noch so kleine Details der winzigen Schwebefliege erkennen. Eine Zufallsaufnahme? «Nein», lacht er, «solche Bilder müssen schon etwas geplant werden.» Geplant bedeutet, dass Stranieri mit offenen Augen die Welt und seine nahe Umgebung betrachtet, und weiss, wo sich die Fliege aufhalten wird. Dort stellt er dann sein Equipment auf – und wartet. Das ist die geduldige Ader in ihm. Denn wenn das Objekt, im konkreten Fall die Fliege, landet, gibt es kein langes Einstellen von Blende und Belichtungszeit, da muss es klappen.
Das Bild nicht der Kamera überlassen
Ist das Bild dann mal im Kasten, beginnt für den Fotokünstler die eigentliche Arbeit. Ein Rauschen hier unterdrücken, da etwas Schärfe hinzufügen. «Ich überlasse das Bild nicht der Kamera, erst später hole ich das Optimale aus der Fotografie heraus», erklärt er das Vorgehen. Pino Stranieri lässt sich jedoch nicht auf Fliegen und Käfer reduzieren, er spielt auf der ganzen Klaviatur der Fotografie. Landschaften, Porträts, Tiere, Gebäude und Akte, um nur den groben Rahmen seiner Tätigkeit zu stecken. Und trotz der Planung von beispielsweise der Mikroaufnahmen ist Stranieri ein Bildkünstler, welcher davon überzeugt ist, dass das Gute in der Absichtslosigkeit entsteht. «Ich drücke nicht auf den Auslöser in der Überzeugung, das gute Bild zu machen.»
Bei Porträt- und Aktaufnahmen ist er immer wieder überrascht, wie sich die Menschen in seiner Gegenwart öffnen und selber mit Neugier an ihr eigenes Ich herangehen. «Die Menschen kommen zu mir, um das Spezielle in sich zu entdecken, was sich dann wiederum in den Aufnahmen manifestiert.»
Die Handschrift wieder erkennen
Auf die Frage nach seinen Visionen meint er gelassen: «Ich habe keine Visionen und auch keine Pläne», wobei das mitnichten als planlos zu deuten ist. Wie bereits erwähnt, Stranieri ist ein Wortakrobat. Und doch kann schlussendlich ein Ziel aus ihm herausgekitzelt werden. «Wenn man meine Bilder sieht und meine Handschrift darin entdeckt, macht mich das schon stolz».
Ein Querschnitt der «Stranieris» wird am kommenden Wochenende in der Galerie «Westblick» in Rupperswil gezeigt(s. Hinweis).
Weitere Einblicke in das Schaffen von Pino Stranieri: www.erblicken.ch









