Fränzi Frick ist Geschmacksverstärkerin
Die Frage nach dem künftigen Beruf musste sich Fränzi Frick aus Möriken nie stellen. Bei ihr stand schon als Kind fest, dass sie Musikerin werden wird. An der Schloss Serenade vom Samstag liefert sie mit dem Streichquartett «Le Donne Virtuose» zum zweiten Mal ein Heimspiel.

Frau Frick, was bedeutet Ihnen Musik?
Fränzi Frick: Musik ist für mich wie Essen und Schlafen, es gehört einfach dazu. So lange ich denken kann, war Musik Teil meines Lebens. Es ist meine Berufung. Bei mir war immer schon klar: ich werde Musikerin. Musiker wird man nicht, man wird als Musiker geboren.
Wann haben Sie denn zu spielen begonnen?
Im Kindergarten, in Minneapolis, USA.
Und wie kamen Sie zur Violine?
Das war Zufall. Ich hatte mich während eines Vorspielens im Kindergarten in den Sohn meiner künftigen Violinlehrerin verliebt. (lacht)
Sie unterrichten an der MKZ Musikschule Konservatorium und an der Hochschule der Künste in Zürich. Ihre pädagogische Arbeit als Violinlehrerin ist über die Landesgrenzen hinaus gefragt. Unter anderem auch in Korea oder Japan. Was ist Ihr Geheimrezept?
Das ist wohl meine Begeisterungsfähigkeit. Ich kann mich nicht nur für die Sache begeistern, sondern auch für jedes Alter und jedes Niveau. Begeisterung hat eine Sogwirkung, ist ansteckend.
Sie haben ihre musikalische Ausbildung in den USA, in Baltimore, aber auch an der Musikhochschule in Zürich absolviert. Haben Sie überhaupt Zeit in Möriken verbracht?
Mit 10 Jahren kam ich aus den USA in die Schweiz. Ich habe vier Bezirksschuljahre in Möriken verbracht.
Was verbindet Sie sonst noch mit Möriken?
Meine Eltern sind hier aufgewachsen und ich habe meinen Mann, den Pianisten Oliver Schnyder, dort kennen gelernt. Mein heute 10-jähriger Sohn ging in Möriken in die Spielgruppe. Obwohl wir jetzt in Ennetbaden wohnen, habe ich auch heute noch viele Jugendfreunde im Dorf. Möriken ist immer noch Heimat für mich.
Le Donne Virtuose gibt es seit 17 Jahren. Wie ist das Streichquartett entstanden?
Wir kennen uns alle seit Studienzeiten. (denkt nach und lächelt) Im Grund ist Le Donne Virtuose über Nacht entstanden. Die Cellistin benötigte für ein Engagement in Zürich drei Mitspielerinnen. Wir hatten von Anfang an Spass zusammen. Heute sind wir allesamt Berufsmusikerinnen, aber auch heute noch spielen wir für unser eigenes Vergnügen. Es ist ein Privileg Spass miteinander zu haben. Mit Le Donne Virtuose spielen wir 15 bis 20 Konzerte im Jahr. Mehr lässt sich, neben den weiteren beruflichen Verpflichtungen von uns allen, kaum bewerkstelligen.
Ist Le Donne Virtuose für Sie ein Hobby oder ein tragendes berufliches und finanzielles Standbein?
Man könnte nicht davon leben. Aber es gehört definitiv zum beruflichen Standbein. Hobby und Beruf fliessen für Berufsmusiker ineinander. Auf der Bühne fühle ich mich zu Hause. Ich brauche das Bühnenlicht. (strahlt) Ohne Le Donne Virtuose würde mir das unglaublich fehlen.
Wer sind Le Donne Virtuose?
Das sind Caterina Klemm an der Violine, Nicole Hitz an der Bratsche, Eva-Maria Burkard am Cello und ich an der Violine.
Wer trägt bei euch Vieren was zum Quartett bei?
Wir sind vier sehr unterschiedliche Frauen. Ich vergleiche uns gerne mit den Spice Girls, jede bringt ein anderes Gewürz mit. Eva-Maria ist der Pfeffer, Nicole ist das Salz, Caterina sorgt für den exotischen Touch und ich bin das Glutamat, also der Geschmacksverstärker.
Ihr seid aber kein Streichquartett im klassischen Sinn . . .
Das Streichquartett gilt als die Königsdisziplin der Kammermusik: besonders herausfordernd, aber auch schön. Wir können harmonisch das abdecken, was auch ein Orchester abdeckt; beispielsweise auch perkussive Elemente reinbringen oder leicht elektrisch tönende Klänge erzeugen. Damit erschliesst sich auch eine unglaubliche Palette an Möglichkeiten. Das nutzen wir. Das ist unsere Nische. Le Donne Virtuose springen stilistisch über Gräben und machen damit die klassischen Instrumente für ein vielschichtiges Publikum zugänglich.
Jazz, Blues, Ragtime, Pop oder Tango, Le Donne Virtuose machen vor kaum einem Musikstil halt. Passen diese Stile überhaupt zu Ihrem Instrument, der Violine?
Die Violine versucht immer die menschliche Stimme zu imitieren, mit ihr erschliesst sich das gleiche Repertoire wie für die Stimme. Sie eignet sich also besonders gut für verschiedene Stilrichtungen.
Wie bereitet ihr euch auf den Auftritt an der Schloss Serenade vor?
Wir proben meist dreimal vor Auftritten gemeinsam. Voraussetzung ist aber, dass alle sehr gut vorbereitet antraben.
Ihr habt bereits das zweite Stelldichein an der Schloss Serenade. Was darf man dieses Mal bei eurem Auftritt auf dem Schloss erwarten?
Wir haben acht neue Stücke im Gepäck, die meisten davon sind selbst arrangiert. Die Zuschauer erwartet ein Feuerwerk an Emotionen, ein unvergessliches, musikalisches Erlebnis vor inspirierender Kulisse. Angesprochen werden nicht nur Klassikliebhaber, unser Programm hält für jeden etwas bereit.
Was möchten Sie dem Publikum mitgeben?
Ein sinnliches Erlebnis. Musik beflügelt, überragt das Alltägliche, ist sinnlich, überirdisch. Musik kann Trost spenden und Freude geben. Wir von Le Donne Virtuose möchten diese Leidenschaft und Begeisterung für die Musik mit anderen teilen.



