Eine Rarität ist zum 2. Mal in Betrieb

Ende September ist wieder Leben in die denkmalgeschützte Pavillonschule in Wildegg eingezogen. Die sanierten Pavillonbauten wurden am Mittwoch, 27. September, eingeweiht.

Die Pavillonschule in Wildegg ist in der Schweizer Schullandschaft eine Seltenheit. (Fotos: Melanie Solloso)

Die Pavillonschule in Wildegg ist in der Schweizer Schullandschaft eine Seltenheit. (Fotos: Melanie Solloso)

Möriken-Wildegg erhält das Label «Kinderfreundliche Gemeinde»: im Bild Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz, Elsbeth Müller, mit Gemeinderat Josef Niederberger.

Möriken-Wildegg erhält das Label «Kinderfreundliche Gemeinde»: im Bild Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz, Elsbeth Müller, mit Gemeinderat Josef Niederberger.

Die Sanierung der Pavillonschule sei nicht unbedingt sicht-, dafür aber spürbar, meinte Patrick Husistein vom ausführenden Architekturbüro Husistein & Partner AG in seiner Festansprache am Mittwoch, 27. September, in der Turnhalle 4 in Wildegg. Die Dächer der 10 eingeschossigen Einzelklassenpavillons mit zugeordneten Gartenhöfen sind jetzt wieder dicht, die Heizungen funktionieren und die Schulanlage ist gerüstet für zeitgemässen Unterricht mit beispielsweise interaktiven Wandtafeln.

Am 20. September zog, nach gut einem Jahr Bauzeit, wieder Leben in die Pavillonanlage. Rund 120 Primarschüle-rinnen und Primarschüler zügelten vom Provisorium im Bünzschulhaus in die eingeschossigen Schulzimmer. Insgesamt 6 Klassen werden in den Pavillons unterrichtet.

Von solch überschaubaren Klassen konnten Schüler von anno dazumal nur träumen. Vizeammann Karin Brenner-Schenk nahm das Publikum anlässlich der 725-Jahr-Feier der Gemeinde in ihrer Festrede mit auf einen Abstecher in die Schulzeit von einst, als in Möriken-Wildegg noch 117 Kinder von einem einzigen Lehrer unterrichtet wurden. In geradezu gegenteilige Richtung wehte der Wind in den 70er-Jahren. Man wollte weg von «anonymen Schulhauspalästen», hin zu familiärem Unterricht in unmittelbarer Reichweite der Natur. Auch in Möriken-Wildegg war man von dieser Idee angetan. Ab 1967 realisierte das Büro metron die 1. Etappe der heutigen Pavillonanlage.

Möriken-Wildegg ist jetzt eine «kinderfreundliche Gemeinde»

Nun ist die Anlage zum zweiten Mal in Betrieb. Erneuert wurde nur, was unbedingt nötig war, beispielsweise sind gar die Lampen im alten Stil gehalten, dafür aber mit neuer Leuchtkraft. Grund dafür ist, dass die Pavillonschulanlage seit Juli 2013 unter Denkmalschutz steht. Die Anlage ist eine Seltenheit in der Schweizer Schullandschaft und gemäss dem kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer «ein wertvoller Zeitzeuge». Die im Gemeinderat kontrovers diskutierte Frage, ob man die Pavillonschule durch einen Neubau ersetzen sollte, erübrigte sich damit. Im Juni 2016 bewilligte der Souverän 6,68 Mio. Franken für die Sanierung der Pavillonschule.

Bei der Realisierung der Sanierungsarbeiten durften in Möriken-Wildegg laut Gemeinderat Josef Niederberger auch die Kinder mitreden. Ihre Ideen flossen insbesondere in die Spielplatzgestaltung mit ein. Man wolle ein kinder- und jugendfreundliches Dorf sein, begründete der Gemeinderat. Hintergrund für die Mitwirkung ist das neue Label «Kinderfreundliche Gemeinde». Die Gemeinde verpflichtet sich damit, die Kinder ernst zu nehmen. Die Auszeichnung überreichte an der Einweihungsfeier die Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz, Elsbeth Müller.

Beim anschliessenden Apéro schwelgte manch einer in der Vergangenheit und erzählte von der eigenen Schulzeit.

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