Ein Stück mit «Fleisch am Knochen»
Die Theaterlüüt halten mit ihrer neuen Inszenierung «Die Mördergrube» einen spannenden Theaterabend bereit, mit der einen oder anderen Überraschung.
Den Dingen auf den Grund zu gehen, das sei die Stärke des Journalisten Paul Dürlich. Das behauptet die Zeitungsverlegerin Habeck im Prolog der zweiaktigen Kriminalgroteske «Die Mördergrube» aus der Feder der deutschen Autorin Christina Calvo. Die Verlegerin macht Dürlich ein Angebot, das der ehrgeizige Starreporter nicht ablehnen kann.
Dürlich soll den Hintergründen einer zufällig ausgewählten Todesanzeige nachgehen. Seine Recherchen führen ihn direkt in das Haus der Verstorbenen, in dem er wider Erwarten auf eine illustre Trauergemeinschaft trifft, die mitten in den Vorbereitungen eines heiteren Gesellschaftsspiels steckt und ihn sogleich als Spielleiter in einem Spiel namens «Mördergrube» einsetzt. Es scheint gar, als hätte man schon auf ihn gewartet. Und schon sieht Dürlich sich in ein Netz von Erinnerungen verstrickt, die ihn schneller einholen, als ihm vielleicht lieb ist.
Ambition und Bewegung werden bei den Theaterlüüt grossgeschrieben. Seit 27 Jahren bereits begeistert das Amateurensemble seine Zuschauer mit durchdachten Inszenierungen komplexer Stoffe. Doch von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Im Gegenteil: Rund 25 abendfüllende Produktionen brachte die Theatercrew aus Othmarsingen seit 1993 auf die Bretter und machte sich nicht zuletzt mit ihrer stringenten Arbeitsweise sowie ihren aufwendigen Inszenierungen einen Namen als eines der professionellsten Laienensembles der Region.
274 unentgeltliche Arbeitsstunden
Für die aktuelle Produktion investierten die Mitglieder der Theaterlüüt nicht weniger als insgesamt 274 unentgeltliche Arbeitsstunden seit dem letzten Oktober.
«Die Probearbeit beginnt mit zirka vier Leseproben à 212 Stunden. Das Theaterstück entsteht während 40 Probeabenden à 212 Stunden. Parallel dazu bauen wir die Kulisse für das Bühnenbild selbst», berichtet Produktionsleiter und Hauptdarsteller in der Rolle des Paul Dürlich, Lukas Frey, und ergänzt: «Alleine für den Bau der Kulisse wurden in der aktuellen Produktion 164 Stunden aufgewendet.»
Das Kernstück des Ensembles bleibt jedoch stets im Hintergrund. Seit 2007 hält die freischaffende Regisseurin und Lehrerin Brigitte Wyss die Fäden der Theaterlüüt fest in den Händen und gesteht ihre Leidenschaft für tiefgründige, komplexe Stoffe. «Ich suche Stücke, die Fleisch am Knochen haben. Mit seichtem Geplänkel auf Unterhaltungsniveau kann ich wenig anfangen.» «Die Mördergrube» als textlastiges Stück stelle dabei die höchsten Erwartungen an die Konzentration und die Leistung aller neun Schauspieler. Bis zuletzt feilt Wyss an ihren Figuren, bis ihre Charaktere unmissverständlich hervortreten. Konsequent verfolgt sie dabei ihre Ästhetik der Präzision. Mit «Die Mördergrube» inszeniert sie ein Spiel im Spiel und macht den Zuschauer während rund zweier Stunden sukzessive zum Voyeur seines eigenen Inneren. Das Publikum erwartet ein spannender Theaterabend, der die eine oder andere Überraschung bereithält.







